Umschau-Quicktipp | 24.08.2017 Wie gesund sind Sojaprodukte?

In Asien zählt die Sojabohne seit jeher zu den Hauptnahrungsmitteln. Der Chinesische Kaiser selbst soll sie Jahr für Jahr als eine der fünf heiligen Pflanzen ausgesät haben. Nach Europa kam die Bohne nach dem 2. Weltkrieg, um hier als Fleischersatz und Tierfutter Engpässe in der Ernährung auszugleichen. Bekannt ist die Sojabohne auch in Europa also schon lange. So richtig beliebt wurde sie aber erst in den 1970er Jahren, als die Vegetarier-Bewegung immer mehr von sich reden machte. Und die hält bis heute an: 2016 gaben 5,29 Millionen Menschen in Deutschland an, auf Fleisch zu verzichten. Aber wie gesund ist das? 

Die tolle Bohne

Sojabohnenfeld
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Bis heute schwören Vegetarier auf die Sojabohne als eine ergiebige Eiweißquelle. Nicht umsonst wird Soja in China auch als das Fleisch des Feldes bezeichnet. Ganze 37 Prozent der Bohne sind pures Eiweiß. Zum Vergleich: Rind- und Schweinefleisch kommen auf rund 20 Prozent Eiweißgehalt. Zudem ist die Sojabohne als Hülsenfrucht reich an B-Vitaminen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und auch Kalzium. Ersetzt man also Fleisch oder Wurst in der Ernährung durch Sojaprodukte, erhält der Körper viele Proteine und weniger Fett. Außerdem kann man die Bohne zu vielen unterschiedlichen Lebensmitteln verarbeiten, zum Beispiel Sojakäse, besser bekannt als Tofu, Sojamilch, Sojaeis oder auch Sojapaste.

Also kann man bedenkenlos zugreifen?

In unzähligen Studien wollen sich Gegner und Befürworter von Soja beweisen, wie nützlich bzw. schädlich Soja sein kann. Soja soll vor Krebs schützen. Andere behaupten, der regelmäßige Verzehr von Sojaprodukten kann die Entstehung von Krebs gerade begünstigen. Weiter Studien wollen herausgefunden haben, dass Soja die Schilddrüse schädigen kann und sogar an Unfruchtbarkeit schuld sein soll.

Ist Soja tatsächlich so schädlich?

Ernährungsberaterin Janett Laue aus Leipzig sieht solche Studien kritisch: "Abschließend ist der Einfluss von Sojaprodukten auf die Entstehung von Krebs, Schilddrüsenproblemen und Unfruchtbarkeit weder sauber bewiesen noch eindeutig widerlegt." Das liegt vor allem daran, dass die meisten Leute Soja nur selten als reines Produkt, also 100-prozentiges Sojapulver zu sich nehmen. Man kann durch die Beimischung anderer Stoffe auch in vielen Sojaprodukten nie nur einen einzelnen Stoff für ein Problem verantwortlich machen. Oft wird die Wirkung von Soja daher daraus abgeleitet, wie es den Menschen in den Ländern ergeht, die traditionell viel Soja essen. Wissenschaftlich belegt ist damit aber nichts.

Die gesicherten Fakten

Trotz eines unumstrittenen weiteren Forschungsbedarfs gibt es aber einige wenige Tatsachen, die sich nicht abstreiten lassen.

Verschiedene Sojaprodukte
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  • In Sojaprodukten kommen reichlich Phytoöstrogene vor. Das sind Pflanzenverbindungen, die dem menschlichen Hormon Östrogen sehr ähnlich sind und auch im Menschen ähnlich wirken. Expertin Janett Laue meint, die Dosis mache das Gift. "Zu wenig Östrogen ist für den Menschen schlecht, zu viel aber auch. Wir wissen, dass die Phytoöstrogene den Hormonhaushalt im menschlichen Körper beeinflussen können. Wie, das hängt ganz von der jeweiligen Person und ihrem körperlichen Zustand ab."

  • Allerdings empfehlen Experten und das Bundesinstitut für Risikoforschung daher Sojanahrung für Säuglinge nur bei medizinischer Indikation. Der Grund: Tierexperimente ergaben, dass eine hohe Zufuhr der enthaltenen hormonähnlichen Phytoöstrogene die weiblichen Fortpflanzungsorgane und das Immunsystem verändern können. Dazu nochmal unsere Expertin: „Kindern sollte man einen Fleischersatz durch Soja nicht aufzwingen. Das kann neben unangenehmen Erscheinungen, wie etwa Blähungen, auch zu Störungen in der Entwicklung führen.“

  • Das pflanzliche Eiweiß in Soja ist für den Menschen schwerer zu verarbeiten als  tierisches. Nimmt man zu viel Eiweiß aus Fleisch zu sich, kann unser Körper das ohne große Probleme abbauen. Bei pflanzlichem Eiweiß sieht das ganz anders aus, weiß Ernährungsexpertin Laue: Der Körper könne es nicht umwandeln. "Er muss es über die Nieren wieder ausscheiden. Und die können auf die Dauer genau davon geschädigt werden." Das große Problem dabei: Eine Schädigung der Niere bekommt man in der Regel erst mit, wenn es zu spät ist. Die Belastung der Niere verursacht nämlich keine Schmerzen.

  • Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Ernährung mit Sojaprodukten und allergischen Reaktionen. Besonders Menschen mit einer Birkenpollenallergie können hier betroffen sein. Soja und Birke haben ein sehr ähnliches Protein, das eine Allergie auslösen kann. Allerdings betrifft das nur 1-3 Prozent der Bevölkerung.

Also lieber kein Soja?

So streng sieht das die Ernährungsexpertin aus Leipzig nicht: "In einer ausgewogenen Ernährung kann Soja durchaus ab und zu eine Rolle spielen. Wer seinem Körper aber dauerhaft zu viel Soja zuführt, tut sich damit keinen Gefallen." Als Eiweißersatz ist Soja sparsam zu verwenden und definitiv kein dauerhafter vollwertiger Ersatz für Fleisch.

Fazit

Zunehmend beliebter werden in der heutigen Ernährung Sojaprodukte wie Sojamilch, -sahne und -quark oder auch Tofu. Fest steht: Es gibt keinen eindeutig nachgewiesenen Vorteil einer sojareichen Ernährung. Im Gegenteil: Wer es übertreibt, der kann seinem Körper möglicherweise schaden. In Maßen ist Soja aber für den erwachsenen Menschen unbedenklich und kann sogar Teil einer diätetischen Ernährung sein.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 24. August 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2017, 09:50 Uhr