Umschau-Quicktipp | 15.06.2017 Zähneknirschen

Gut die Hälfte aller Deutschen knirscht ab und zu  mit den Zähnen. Kein Grund zur Besorgnis! Bei acht Millionen Menschen aber geht das Knirschen soweit, dass Zähne, Kiefer und die Muskulatur leiden. Folgen des sogenannten Schlafbruxismus können Verspannungen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sein. Wann wird es wirklich gefährlich und was können Sie dagegen tun?

Warum knirschen wir?

Psychologen gehen davon aus, dass beim Zähneknirschen Spannungen und Ärger abgebaut werden. Meistens geht es dabei um Probleme, die wir verdrängen und nicht bearbeiten. Zahnarzt Dr. Carsten Hünecke aus Magdeburg bestätigt: „Stress im Beruf oder in der Familie können Auslöser sein. Manche können dadurch nicht schlafen. Andere beißen im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne zusammen und knirschen.“ Auch Alkohol, Drogen und Medikamente können eine Rolle spielen. Eher selten sind schiefe Zähne oder eine Erkrankung des Kiefers dafür verantwortlich. Zähneknirschen geschieht fasst immer unbewusst und dann hauptsächlich nachts. In bestimmten Schlafphasen, in denen wir das Geschehene vom Vortag verarbeiten, knirschen wir am meisten. Manche Menschen knirschen auch tagsüber, aber das ist die Ausnahme. Und beim Wachbruxismus bemerken Sie, dass Sie knirschen und können es unterbrechen.      

Sind Sie ein/e Knirscher/in?

Wenn Sie morgens mit Schmerzen in den Kaumuskeln aufwachen, ihr Kiefer knackt oder die Kiefermuskeln verspannt und verhärtet sind, könnten Sie zu den Knirschern gehören. Ihr Partner könnte es nachts auch mitbekommen. Außerdem zeigen Ihre Zähne über kurz oder lang eindeutige Zeichen von krankhaftem Knirschen. Wirklich sicher diagnostiziert das aber am besten der Zahnarzt.

Wann ist Zähneknirschen ein Problem?

Im Normalfall berühren sich unsere Zahnreihen nur beim Zerkleinern von Speisen und Kauen. Im entspannten Zustand ist dazwischen immer ein wenig Platz. Beim Knirschen pressen oder reiben wir die Zähne mit einer viel größeren Kraft aufeinander als beim Essen. Geschieht das gelegentlich, halten die Zähne als härtester Baustoff unseres Körpers das aus. Knirschen wir aber regelmäßig, dann kann das schwerwiegende Folgen haben: „Die Zähne werden praktisch abgeschmirgelt, mit der Zeit auch kürzer und verlieren ihre äußere Schutzsicht. Es kann zu Entzündungen der Zahnwurzeln und des Zahnfleisches kommen. Im schlimmsten Fall können sich die Kiefernknochen verändern und die Zähne ausfallen“, so unser Experte. Beim Knirschen beißen und reiben unsere Zähne mit einem Druck von bis zu 100 Kilogramm pro Quadratzentimeter aufeinander. Darunter leidet unsere Kaumuskulatur. Krämpfe und Schädigungen am Kiefergelenk können dazu führen, dass wir Schmerzen beim Essen und Probleme beim Sprechen haben. Knirschen kann außerdem zu Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur führen, Kopf- und Rückenschmerzen, Tinnitus und Haltungsschäden verursachen. Betroffene schlafen schlecht, fühlen sich müde und abgespannt.

Das können Sie dagegen tun

eine Okklusionsschiene bzw. Knirscherschiene aus durchsichtigem Kunststoff
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Am besten gehen Sie als erstes zum Zahnarzt. Der erkennt, ob Ihre Probleme tatsächlich durch Zähneknirschen verursacht werden. “Der Zahnarzt fertigt Ihnen dann in der Regel eine so genannte Aufbissschiene. Die gibt es für Ober- und Unterkiefer, in den meisten Fällen genügt aber eine Seite“, erklärt unser Experte. Diese Schiene verhindert jedoch nicht das Knirschen und Pressen. Sie schützt lediglich die Zähne und wird an ihrer Stelle abgenutzt. “Je nachdem, wie stark der Patient knirscht, kann so eine Schiene in 2-5 Jahren abgenutzt sein“, so Zahnarzt Dr. Hünecke. Auch Verspannungen und Kopfschmerzen können dadurch zwar verringert, aber nicht in jedem Fall verhindert werden. Wird das Knirschen durch eine Fehlstellung des Kiefers verursacht, hilft eine so genannte Okklusionsschiene. Sie korrigiert die Fehlstellung und kann so das Knirschen und die damit verbundenen Schmerzen beseitigen.  

Gegen die Folgen des Knirschens hilft außerdem Physiotherapie, um Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen zu lindern. Kopfschmerzen und Haltungsschäden lassen sich so ebenfalls begegnen. Aber auch die Physiotherapie bekämpft nur die Symptome des Knirschens. Um die Ursachen herauszubekommen, kann ein Gespräch beim Psychologen oder einem Verhaltenscoach hilfreich sein. Den Termin beim Coach bekommt man in der Regel schneller, auch wenn man dafür schon mal gute 100-200 Euro investieren muss. Entspannungsübungen wie Yoga, Tai Chi oder Progressive Muskelentspannung können zusätzlich helfen, innere Spannungszustände abzubauen. Gegen die akuten Muskelschmerzen helfen Wärme, leichte Massagen und Übungen, um den verkrampften Kiefer wieder zu lockern.  

Die Kosten

Während die Variante vom Zahnarzt pro Kiefer rund 200 Euro kostet, gibt es im Internet Aufbissschienen schon ab rund 20 Euro. Um die anzupassen, werden sie in kochendes Wasser gelegt. Anschließend beißt der Knirscher drauf - klingt einfach und preiswert. Unser Zahnarzt rät davon aber ab: „Diese Boil-and-Bite-Varianten sind eher ein Gebissschutz für bestimmte Sportarten. Durch das Zubeißen wird das weiche Silikon so geformt, dass Ober- und Unterkiefer aufeinander quasi fixiert werden. Das ist aber beim Zähneknirschen gar nicht gewollt.“ Die vom Fachmann angefertigten Schienen sollen eher für Abstand und Bewegungsfreiheit  zwischen den Kiefern sorgen. Deswegen kann man mit der Aufbissschiene aus dem Internet sogar noch mehr Schaden anrichten.  „Außerdem übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Anfertigung einer Schiene beim Arzt, da kommen also keine Kosten auf Sie zu“, so Dr. Hünecke aus Magdeburg. Allerdings müssen die funktionsdiagnostischen Untersuchungen - Gebiss messen, Druck prüfen usw. - für die Okklusionsschiene oft vom Kassenpatienten bezahlt werden.

Tatsächlich Botox?

Eine Spritze mit Kanüle liegt neben einem Fläschchen mit Botox.
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Seit rund 10 Jahren wird in besonders schweren Fällen von manchen Zahnärzten das Nervengift Botox eingesetzt. Es soll die verkrampften Kaumuskeln lockern und so dafür sorgen, dass der Druck beim Knirschen reduziert wird. Unser Experte warnt aber: „Botox ist ein Gift, das Lähmungen verursacht. Gerade im Mundbereich muss man damit sehr vorsichtig umgehen. Ich würde es nur einsetzten, wenn alle anderen Maßnahmen wie Physiotherapie und Bissschiene nicht helfen und der Leidensdruck entsprechend hoch ist.“

Fazit  

Zähneknirschen ist weit verbreitet und gut behandelbar. Sollten Sie es an sich selber feststellen oder Ihr Partner Sie darauf aufmerksam machen, gehen Sie zum Zahnarzt. Und gehen Sie dem Knirschen auf den Grund. Finden Sie heraus, warum Sie knirschen und versuchen Sie, die Ursachen in den Griff zu bekommen.

Über dieses Thema berichtet auch MDR JUMP am Vormittag | 14.06.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2017, 10:46 Uhr