Umschau-Quicktipp | 17.01.2013 : Alles rund ums Nasenspray
Eine verstopfte Nase kann ganz schön nerven. Genau dann sind Nasensprays ein Segen. Doch bei zu langer Anwendung können sie zu Abhängigkeit führen und die Nasenschleimhäute schädigen. Dann hilft nur noch ein Entzug.
Nasensprays bei akuten Schnupfen unerlässlich
Bei einem Schnupfen schwellen die Schleimhäute so an, dass die Nase verstopft. Abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin beispielsweise führen dazu, dass sich die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut zusammenziehen, die Schleimhaut abschwillt und der Schleim abfließen kann. Man kann wieder frei atmen.
Folgen bei zu langer Anwendung
Werden die Arzneien nicht nach spätestens einer Woche abgesetzt, können sie abhängig machen, so die Hals-Nasen-Ohrenärztin Dr. Katja Mühlbauer aus Leipzig. Denn Nasensprays lassen die Nasenschleimhaut austrocknen, wodurch diese wieder anschwillt, und zwar stärker als zuvor. Die kurzfristige Erleichterung wird bezahlt mit einer zunehmenden Schädigung der Schleimhäute, die zu weiterem Gebrauch des Sprays verleitet - ein Teufelskreis. Im Extremfall können Betroffene nur noch mit dem Spray atmen und wenden dieses daher über Jahre hinweg fortwährend an, wodurch die Nasenschleimhaut immer mehr zerstört wird. Ein Ausweg aus der Sucht wird zunehmend schwieriger, weil das Atmen ohne Medikament wegen der geschädigten Nase immer weniger möglich ist.
Entwöhnung von Nasensprays
Wer das Nasenspray über mehrere Wochen verwendet und es jeden Abend braucht, um überhaupt einschlafen zu können, ist süchtig und muss nach Angaben von Dr. Mühlbauer auf Entzug. Den plane man am besten zusammen mit einem HNO-Arzt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um vom Nasen-Spray loszukommen:
- Radikale Entwöhnung: Sofort weg mit dem Spray! Nach gut zwei Wochen hat sich die Nase meistens erholt – bis dahin ist es allerdings ein harter Weg.
- Dosis verringern: Hilfreich kann es auch sein, das Mittel langsam herunterzudosieren. Wer bisher ein Präparat für Erwachsene verwendet hat, kann dies durch eines für Kinder oder Babys ersetzen, bis man vollständig darauf verzichten kann.
- Auffüllen mit Wasser: Wenn die Flasche nicht mehr voll ist, mit sterilem Wasser auffüllen und verdünnen, damit die Konsistenz des Medikaments verringert wird und sich die Schleimhaut wieder regenerieren kann.
- Ein-Loch-Methode: Das Spray zunächst nur auf einer Seite anwenden! Währenddessen regeneriert das andere Nasenloch. Danach kann man das Spray ganz weglassen.
- Mit Kortisonspray kann der Arzt eine Unterstützung bieten. Es wirkt nicht selbst abschwellend, hemmt aber die Entzündungen der Schleimhäute. Zusätzliche Pflege mit Kochsalzlösung hilft, die Nase zu entwöhnen.
Bei allen Methoden müssen die Betroffenen ein bis zwei Wochen mit verstopfter Nase und mühsamer Atmung überstehen. Ist die Nasenschleimhaut aber erst einmal entwöhnt, erholt sie sich in der Regel auch vollständig. Nach zwei Wochen darf man dann sogar wieder Nasenspray verwenden. Nur in wenigen Fällen ist eine Operation notwendig.
Salzwasser-Nasensprays keine prinzipielle Alternative
Immer wieder ist die Rede davon, dass man statt der abschwellenden Nasensprays lieber Salzwassersprays verwenden solle. Die könnten nicht abhängig machen. Das stimmt zwar, doch diese Sprays helfen nicht gegen eine verstopfte Nase, sondern dienen nur der Reinigung und Anfeuchtung der Nasenschleimhäute. Sie sind daher eher zur Vorbeugung sinnvoll.
Fazit
Nasensprays machen einen Schnupfen erträglich, sind aber nur für kurzfristigen Gebrauch geeignet. Spätestens nach sieben Tagen muss unbedingt darauf verzichtet werden. Als unbedenklich gelten Mittel, die Salz enthalten. Sie können vorbeugend genutzt werden, helfen bei Schnupfen aber nur eingeschränkt.
