Umschau-Quicktipp

Umschau-Quicktipp | 16.01.2013 : Privates Carsharing: Worauf man achten sollte

Ein schickes Cabrio kann man für 60 Euro fürs ganze Wochenende mieten, der Lieferwagen für den Möbelkauf kostet nur ein paar Euro pro Stunde. Möglich macht das eine besondere Form von Carsharing, bei dem Privatfahrzeuge vermittelt werden, die sonst den Großteil des Tages ungenutzt herumstehen würden. Davon profitieren Mieter und Verleiher gleichermaßen und die Risiken sind überschaubar.

Eine Hand übergibt einer anderen Person einen Autoschlüssel.

In Deutschland gibt es derzeit mit Tamyca, Autonetzer, Rent-N-Roll und Nachbarschaftsauto vier große Internetportale für privates Carsharing. Anders als herkömmliche Carsharing-Anbieter stellen sie keine eigenen Fahrzeuge und auch keine festen Abstellplätze bereit und beschränken sich auf eine reine Vermittlerrolle. Autobesitzer können auf den Internetseiten kostenlos Bilder ihres Fahrzeuges einstellen und angeben, wie viel Miete sie haben wollen. Wer sich für ein Auto interessiert, muss sich dafür ebenfalls kostenlos mit Führerschein und Personalausweis anmelden und kann dann das Wunschfahrzeug anfragen.

Portale kassieren Vermittlungsgebühr

Erst wenn der Verleih zustande kommt, kassieren die Carsharing-Portale eine Vermittlungsgebühr. In der Regel müssen private Verleiher fünfzehn Prozent von der Gesamtmiete zahlen. Für Mieter kommen zur Leihgebühr noch eine Versicherungsprämie von rund neun Euro pro Tag hinzu sowie die Spritkosten. Der Tank muss bei der Rückgabe wieder genau so voll sein wie vorher.

Übersicht: Portale für privates Carsharing
Anbieter Autonetzer.de Nachbarschafts-
auto.de
Rent-n-roll.de Tamyca.de
Vermittlungs-
gebühren
15 % Provision 15 % Provision, zusätzlich 1,50 € Buchungsgebühr für Entleiher 15 % Provision
Strafgebühren für verspätete Rückgabe und wenn nicht getankt wurde
15 % Provision
Kosten für Zusatz-
versicherung
5,90 € für 4 Stunden
8,90 € für 24 Stunden
(Vollkasko incl. Schutzbrief)
8,90€ pro Tag (Vollkasko)* 8,90 € pro Tag (Vollkasko)** 4,90 € für bis zu 4 Stunden (Vollkasko)***
9,40 € für mehr als 4 Stunden
(Vollkasko incl. Schutzbrief)***
Selbst-
beteiligung
500 € für Fahrzeuge bis 15 Jahre;
1000 € für ältere Fahrzeuge
500 € 500 € 500 € für Fahrzeuge bis 15 Jahre;
1000 € für ältere Fahrzeuge
    * für Autos bis max. 75.000 € Neuwert und max. 250.000 Kilometer Laufleistung. Zusätzliche Bedingungen für Mieter und Vermieter. ** für Autos, die neu max. 100.000 Euro kosten, max. 200 kW haben und max. 10 Jahre alt sind. *** Preise bis 150 KW, darüber teurer. Zudem gibt es noch preiswerte Kurz- und Langtari

Bewertungssystem gegen schwarze Schafe

"Viele Autobesitzer haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie ihre Wagenschlüssel einem Fremden geben", weiß Martin Klug von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Diese Hemmschwelle wollen die Portalbetreiber abbauen, indem sie die Risiken beim Verleih von privat an privat möglichst klein halten. So gibt es beispielsweise auf allen Portalen ein Bewertungssystem, mit dem sich Mieter und Vermieter nach dem Verleih benoten können. So sollen schwarze Schafe draußen gehalten werden. Wer ein Auto mieten will, muss sich auf den Webseiten grundsätzlich mit Personalausweis und Führerschein anmelden. Trotzdem rät Verbraucherschützer Martin Klug, sich bei der Übergabe noch einmal den Führerschein zeigen zu lassen: "So weiß man, dass der andere wirklich der ist, der das Auto gebucht hat." Wer den Autoschlüssel an jemanden ohne Führerschein gibt, könne sich zudem strafbar machen.

Miete geht auf Treuhandkonto

Die Miete für das Wunschauto überweisen die Ausleihenden nicht direkt an den Autobesitzer, sondern auf ein Treuhandkonto des jeweiligen Vermittlerportals. "So können beide Seiten sichergehen, dass sie Geld oder Auto wirklich bekommen", erklärt Martin Klug. Alle Portale bieten zudem Versicherungen an, die man aus Sicht des Verbraucherschützers auch unbedingt nutzen sollte. Die Versicherungen enthalten in der Regel eine Kfz-Haftpflicht und Vollkasko-Absicherung. "So werden Autobesitzer nicht von ihrem eigenen Versicherer hochgestuft, wenn der Mieter einen Unfall hat", erläutert Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Bei Übergabe Schäden genau aufnehmen lassen

Mieter sind durch die Zusatzversicherung für den Fall von Beulen oder Kratzern abgesichert. "Die Absicherungen der Portale enthalten allerdings meist eine Selbstbeteiligung von 500 Euro", warnt Martin Klug. Ganz wichtig: Die kann auch fällig werden, wenn ein unbemerkter Schaden mit dem Wagen übernommen wird. Bereits vorhandene Schäden sollten darum unbedingt im Übergabeprotokoll vermerkt werden. Und noch einen weiteren möglichen Fallstrick im Zusammenhang mit der Versicherung sieht Verbraucherschützer Klug: Wer das gemietete Fahrzeug zu spät zurück bringt, ist für diese Zeit meist nicht versichert.

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2013, 14:16 Uhr

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