Fernbusse verschiedener Anbieter
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Umschau-Quicktipp | 09.02.2016 Ärger auf Fernbusreisen: Wenn das Gepäck weg ist

Reisen mit dem Fernbus ist sicher, kostengünstig und mit 22 Millionen Fahrgästen im vergangenen Jahr auch eine sehr beliebte Art der Fortbewegung. Für dieses Jahr erwarten die Busunternehmen sogar 27 Millionen Mitfahrer.

Fernbusse verschiedener Anbieter
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Eins trübt jedoch das Reisevergnügen: In letzter Zeit häufen sich die Meldungen über gestohlenes oder vertauschtes Gepäck bei Fernbusreisen. Hinzu kommen Berichte über Banden, die sich auf Fernbusgepäck spezialisiert haben sollen. Und manche Reisegäste klagen über Busunternehmen, die nicht bereit sind, das gestohlene Gepäck zu ersetzen. Was ist dran an diesen Meldungen? Wie sicher ist Gepäck im Fernbus und was können Sie machen, wenn Koffer und Tasche tatsächlich verschwunden sind? Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. (SÖP), klärt für uns die wichtigsten Fragen.

Wie viel Gepäck darf mit?

Grundsätzlich dürfen Sie in jedem Fernbus-Unternehmen ein Handgepäckstück kostenlos mitnehmen. Das kommt in die Gepäckablage über den Sitzen oder unter Ihren Vordersitz. So haben Sie das Handgepäck immer in Ihrer Reichweite oder sogar im Blick. Beim sogenannten Reisegepäck, also Koffer und Reisetasche, ist es anders. Hier haben die Anbieter ganz unterschiedliche Regeln. Kostenlos nehmen zum Beispiel Postbus und DeinBus.de jeweils ein Gepäckstück mit. Beim Marktführer MeinFernbus/Flixbus sind es zwei Stücke pro Person. Dieses Reisegepäck wird in den Gepäckfächern unter den Fahrgästen transportiert. Sie haben das Gepäck also nicht im Blick. Wenn der Bus unterwegs hält und Fahrgäste aus- bzw. zusteigen, öffnet der Fahrer das Gepäckfach und gibt Koffer und Taschen raus. Im Zweifel haben Sie auch das nicht im Blick und bekommen so auch nicht mit, wenn sich jemand mit Ihrem Gepäck aus dem Staub macht. Aber es muss nicht immer böse Absicht dahinter stecken. "Viele Koffer und Taschen sehen sich ähnlich, die Fahrer haben Druck, die Fahrtzeiten einzuhalten. Da kann man auch schon mal den falschen Koffer rausgeben", erklärt Heinz Klewe von der SÖP die Situation.

Die Lösung

Einige Unternehmen wie zum Beispiel Postbus und berlinlinienbus markieren Ihr Gepäck und geben Ihnen dazu eine Quittung aus. Nur mit dieser Quittung bekommen Sie dann am Ende Koffer und Tasche wieder ausgehändigt. Aber so gehen eben nicht alle Unternehmen vor.

Schlechte Karten beim Marktführer

Bei MeinFernbus/Flixbus bekommen Sie zwar Namensetiketten mit Angabe der Zielhaltestelle. Dafür sind Sie aber als Reisender für das Ein- und Ausladen ihres Gepäcks selbst verantwortlich. Kommt etwas weg, schützen sich MeinFernbus/Flixbus mit folgender Klausel in den AGBs:

Schild mit der Aufschrift "Achten Sie auf Ihr Gepäck" in vier Sprachen in einem Fernbustermial
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"20.4.2 Für Verlust von Gepäckstücken, der nicht im Zusammenhang mit einem aus der Nutzung des Kraftomnibusses resultierenden Unfall steht, sowie für Vertausch oder Diebstahl der Gepäckstücke wird die Haftung, außer bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit, ausgeschlossen."

Das heißt, wenn der Fahrer das Gepäckfach bei einem Stopp ordnungsgemäß öffnet, verschließt und auch ansonsten entsprechend der geltenden Vorschriften handelt, wird es sehr schwer, dem Busunternehmen Fahrlässigkeit zu unterstellen. Unter Umständen sind Sie also Ihr Gepäck los und bekommen dafür nicht einmal eine Entschädigung.

Gepäck ist weg: Das müssen Sie tun.

Sollten Ihnen tatsächlich Koffer oder Reisetasche abhandengekommen sein, rät der Geschäftsführer der SÖP: "Melden Sie einen Diebstahl umgehend beim Fahrer und auf jeden Fall auch bei der Polizei. Dann machen Sie Ihre Ansprüche beim Busunternehmen geltend. Sollten die nicht reagieren, wenden Sie sich an uns."  

So werden Sie entschädigt

Die söp_Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. vermittelt in der Regel sehr erfolgreich zwischen Transportunternehmen und Kunden. "In rund 85 Prozent aller Fälle können wir für Busunternehmen und Kunde n eine Lösung finden, mit der beide leben können. Ihnen als Fahrgast spart das Zeit und Geld für einen eventuell langwierigen Prozess", erläutert der SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe. In der Praxis bekommen Fahrgäste, deren Gepäck geklaut wurde, etwa die Hälfte des von Ihnen angegebenen Gepäckwertes ersetzt. Wer also Garderobe im Wert von 400 Euro im Koffer hatte, kann mit 200 Euro Entschädigung rechnen. Der Chef der SÖP erklärt diese Differenz so: "Es gibt natürlich ganz ehrliche Fahrgäste, die genau angeben, was ihnen gestohlen wurde, aber eben auch richtige Fantasieangaben. Da war der Koffer dann voller Schmuck und Uhren. Hier gilt es, mit Fingerspitzengefühl ranzugehen."

Eine gute und eine schlechte Nachricht für Fernbusfans

Auch wenn ein geklauter Koffer für den einzelnen Fahrgast natürlich sehr ärgerlich ist, Gepäckdiebstahl soll bei Fernbusreisen tatsächlich nur selten vorkommen. MeinFernbus/Flixbus melden für 2015 bei nicht einmal jeder tausendsten Fahrt einen Gepäckverlust.

Allein die Polizei Leipzig meldet dagegen fürs vergangene Jahr 60 Fälle von gestohlenem Gepäck bei Fernbusreisen. Die Beamten stellen ein Ansteigen der Diebstähle fest und raten deshalb zur Vorsicht.

So können Sie vorsorgen

Am besten fotografieren Sie vor Fahrtantritt den Inhalt ihres Koffers und notieren sich grob, was Sie alles dabei haben. Wenn es geht, fotografieren Sie ihren Koffer auch im Gepäckfach, damit Sie bezeugen können, dass er da auch drin war und wie er aussah. Wertgegenstände, Handy, Medizin und wichtige Papiere gehören auf jeden Fall in Ihr Handgepäck. Heben Sie außerdem Quittungen von teuren Kleidungsstücken oder dem Tablet ruhig auch mal länger auf. Im Zweifelsfall können Sie damit belegen, dass und seit wann Sie im Besitz dieser Dinge waren. So kann sich ein Zeitwert besser ermitteln lassen.Um einer Verwechslungsgefahr vorzubeugen, nutzen Sie markante Koffer oder Taschen.  

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2016, 13:00 Uhr