Umschau-Quicktipp | 10.10.2012 : Online-Video-Rekorder
Oft läuft das Lieblings-TV-Programm dann, wenn man nicht vor dem Fernseher sitzen kann. Wer nichts verpassen will, kann Fernsehsendungen mit Online-Videorekordern mitschneiden. Das ist relativ einfach und mit überschaubaren Kosten verbunden. Die Fernsehsender wollen das jedoch verbieten.
Ohne Hardware bequem TV-Programm aufzeichnen
Bislang konnte man mit heimischen Rekordern Fernsehprogramm auf Video, DVD oder einer Festplatte aufzeichnen. Jetzt bieten Onlinedienste diese Möglichkeit auch im Internet an. Dafür wollen sie jedoch auch ein Entgelt. Auf den Webseiten der Anbieter gibt es eine Programmvorschau der gängigsten öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sender. Daraus kann man per Mausklick vorab das Programm auswählen, das man aufzeichnen möchte. Das wird dann auf der Festplatte des Anbieters gespeichert. Wenn man die Aufzeichnung ansehen möchte, kann man sie sich von der Festplatte des Anbieters über das Internet herunterladen. Es besteht auch die Möglichkeit, die Aufnahme auf DVD, USB-Stick oder Festplatte zu speichern. So kann man das Programm je nach Ausstattung auf dem Computer, dem Tablet-PC, Smartphones oder sogar auf einem TV-Gerät ansehen. Das muss entweder internetfähig sein oder über einen USB-Eingang verfügen.
Gegenüber den herkömmlichen Video- oder Festplattenrekordern haben Online-Rekorder zwei große Vorteile. Zum einen muss man nicht unbedingt in zusätzliche Hardware, die schnell veraltet, investieren. Zum anderen kann man mehrere Sendungen parallel aufzeichnen.
| Dienst | Abo-Dauer | Aufzeichnungsvolumen 5 € / Monat | Aufzeichnungsvolumen 10 € / Monat | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| Bong.tv | 12 Mon. | 25 GB (ca. 35 Std. Programm) | 75 GB (ca. 100 Std.) | Ist der Speicher voll, muss man Aufnahmen löschen. |
| Save.tv | 12 Mon. | 50 Std. in Standard-TV-Qualität | unbegrenzte Aufnahmemenge | |
| Shift.tv | 3 Mon. | 10 Std. | Die Qualität der Shift.tv-Aufnahmen ist schon für Notebooks zu niedrig. | |
| 12 Mon. | 20 Std. |
Online-TV-Recorder (OTR) ohne Abo
Bei diesem Anbieter zahlt man für das Datenvolumen, das man vom deren Rekorderfestplatten herunter lädt. Zwischen 8 und 24 Uhr kostet das 0,12 Euro je Gigabyte. Diese Datenmenge entspricht 1,5 Stunden Programm. In der Zeit von 0 bis 8 Uhr ist der Download jedoch kostenfrei.
Das Aufzeichnungsvolumen richtet sich bei OTR nach dem Status des Kunden. Nutzer des Basisdienstes können 15 Sendungen pro Monat mitschneiden. Premium-Kunden zahlen 0,60 Euro pro Monat und können dafür 200 Sendungen aufzeichnen. Zusätzlich gibt es für diese Kunden täglich sogenannte Top 5-Sendungen in HD-Qualität, beispielsweise begehrte Hollywood-Blockbuster.
Kritiker wollen Dienste verbieten lassen
Den privaten Fernsehsendern sind Online-Videorekorder ein Dorn im Auge. Aus ihrer Sicht verstoßen die Angebote gegen das Urheberrecht, da die Anbieter Inhalte der Sender gegen Bezahlung weitergeben. Die ProSiebenSat.1-Gruppe klagt vor Gericht. Zuvor hatte es RTL versucht. Der Vorstoß blieb zwar erfolglos, doch das könnte sich ändern. Der Leipziger Anwalt Tino Kroupa sagt, grundsätzlich sei derzeit unter Juristen und in Gerichtsurteilen die Tendenz erkennbar, die Dienste der Online-Videorekorder mit verbotenen Streaming-Diensten wie kino.to gleichzustellen. Damit könnte ein Verbot der Anbieter drohen. In der Folge müssten sie ihren Betrieb einstellen. Damit ist auch die Versorgung der Endkunden nicht mehr möglich. Ob man darauf einen Anspruch hat, ist fraglich. Die Geschäftsbedingungen der Anbieter sind in diesem Punkt auch erstaunlich schwammig, so Nico Jurran vom Computermagazin c’t. Es wird keine Versorgung mit bestimmten Fernsehsendern zugesichert. Aus diesem Grund rät Nico Jurran den Nutzern, sich den Abschluss eines Jahres-Abos genau zu überlegen.
Auch wenn Gerichte die Online-Videorekorder-Dienste als illegal einstufen würden, müssten die Nutzer nicht mit einer Strafverfolgung rechnen, so Anwalt Kroupa. Sie seien rein rechtlich auf der sicheren Seite. Sie machen laut Bundesgerichtshof zulässige Kopien für den privaten Gebrauch, wenn sie save.tv und Co. nutzen.
