Umschau-Quicktipp

Umschau-Quicktipp | 02.11.2012 : Helfen Erkältungsbäder wirklich?

Kaum wird es draußen wieder kalt und nass, sorgen Erkältungsviren für eine verstopfte Nase, einen kratzenden Hals und schwere Glieder. Schnelle Linderung versprechen Badezusätze für die heiße Badewanne. Kann man Erkältungen wirklich wegbaden?

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Hersteller versprechen Hilfe durch Badezusätze

Erkältungsbäder enthalten ätherische Öle beispielsweise von Thymian, Menthol, Eukalyptus oder Kiefernnadeln. Die Werbung verspricht, dass diese Inhaltsstoffe zusammen mit dem warmen Badewasser einen heilenden Dampf erzeugen. So könnten die Inhaltsstoffe leichter aufgenommen werden. Und das soll dem Körper helfen, erfolgreich gegen Erkältungsviren zu kämpfen. Doch diese Werbeversprechen können nicht ganz eingehalten werden, sagt der Pneumologe Adrian Gillisen vom Klinikum Kassel.

Keine wissenschaftlichen Belege für Wirksamkeit von Badezusätzen

Der Umschau Quicktipp
MDR JUMP

Helfen Erkältungsbäder wirklich?

25.10.2012, 15:36 Uhr | 01:59 min

Richtig ist, dass einige ätherische Öle die Selbstreinigungskräfte des Körpers unterstützen. Zumindest für Cineol (Eukalyptusöl) und Myrtol (Öl der Myrte) gibt es Studien, die die Wirksamkeit nachweisen. Doch bei diesen Untersuchungen atmeten Testpersonen keine Dämpfe beim Baden ein, sondern schluckten die Substanzen. Einen wissenschaftlichen Beleg, der die Wirksamkeit durch Einatmen nachweist, gibt es nicht. Nach Angaben des Pneumologen Adrian Gillisen kann Dampf nur die Aromastoffe in der Luft verteilen, aber nicht die ätherischen Öle selbst. Die Aromastoffe würden allenfalls für einen Wohlfühleffekt sorgen, hätten aber keine medizinische Wirkung.

Das hilfreiche Bad

Nach Meinung der Immunologin Dagmar Riemann von der Universitätsklinik Halle kann man sich das Geld für den Erkältungsbad-Zusatz sparen und einfach nur in Ruhe ein heißes Bad nehmen. Das kurbelt nämlich die Durchblutung des gesamten Körpers an, wenn sie durch eine herannahende Erkältung gedrosselt ist. Auf diese Weise wird das körpereigene Abwehrsystem gestärkt und Erkältungsviren das Leben schwer gemacht.  Ruhe sorgt dafür, dass das Immunsystem nicht von Hormonen unterdrückt wird, die bei Stress freigesetzt werden. Zudem schwitzt man während des Bades und wenn man sich danach ins Bett liegt. Im Schweiß finden sich winzige, antibakteriell wirkende Substanzen wie Lysozym. Auch die können dem Körper nach Ansicht von Immunologin Riemann zumindest helfen, Krankheitserreger schneller wieder loszuwerden. Pneumologe Gillisen rät, sich immer gleich beim ersten Kratzen im Hals in die Wanne zu legen. Später, wenn man schon an Fieber oder Gliederschmerzen leidet, ist ein heißes Bad aus seiner Sicht einfach zu anstrengend für den Körper.

Öko-Test rät zu günstigen Erkältungsbädern ohne Öl von Nadelhölzern

Wenn Erkältungsbäder schon keinen medizinischen Nutzen haben, sollten sie wenigsten keinen Schaden anrichten. In der aktuellsten Untersuchung hat Öko-Test 15 Erkältungsbäder auf bedenkliche Inhaltsstoffe geprüft. Bei neun fanden die Tester ein starkes Allergen in den Kiefern- oder Fichtennadelölen. Sie wurden deshalb mit "Ausreichend" bzw. "Ungenügend“ bewertet. Nur sechs Produkte bekamen das Prädikat "Gut". Darunter waren auch preiswerte Eigenmarken von Drogerieketten. Nach Meinung von Öko-Test kann man deshalb ohne Bedenken auch zu günstigen Produkten greifen. Man sollte aber darauf achten, dass die Erkältungsbäder keine Nadelholzöle enthalten, da die sehr starke Allergene enthalten.

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2012, 17:32 Uhr

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