Umschau | 04.12.2012 | 20:15 Uhr : Gefälschte Bewertungen in Onlineshops
In Onlineshops orientieren sich Verbraucher gerne an den Bewertungen früherer Käufer. Doch positive Bewertungen stammen oft gar nicht von anderen Kunden, sondern werden im Auftrag von Herstellern oder Händlern gepostet.
Viele Kunden orientieren sich bei ihrer Kaufentscheidung an Bewertungen anderer Kunden. Das wissen auch Hersteller und Händler. So ist es nicht selten, dass sie positive Bewertungen von professionellen Agenturen schreiben lassen. Vermutlich ist jede dritte Bewertung in Onlineshops fingiert. Wir zeigen Indizien, an denen man das erkennen kann.
Sehr lange Texte
Lässt sich eine Produktkritik selbst mit Scrollen nicht vollständig lesen, ist das zumindest ein Warnzeichen. "Welcher Verbraucher hat schon so viel Zeit, so detailliert zu schreiben?", merkt Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) an.
Texte mit viel Marketing-Deutsch
"Stutzig sollte man auch bei PR-Floskeln wie 'großartig' oder 'einmalig' werden", meint Verbraucherschützerin Michaela Zinke. Das spreche für eine fingierte Bewertung. Zinke empfiehlt zudem, sich die Wortwahl in der Bewertung etwas genauer anzusehen, denn Statistiken zufolge enthalten gefälschte Kritiken deutlich mehr Verben.
Texte mit vielen Technik-Details
Geht jemand in einer Bewertung auf zahlreiche technische Details eines Produkts ein, erscheint dies zunächst als fundierte, glaubwürdige Kritik. "Oftmals werden aber nur Herstellerangaben in eine einfachere Sprache umgeschrieben", sagt der Esslinger Anwalt Frank Weiß, der gemeinsam mit "heise online" eine Checkliste für Bewertungen erstellt hat.
Viel heftige Kritik, viele Top-Bewertungen
Gibt es nur sehr gute und sehr schlechte Bewertungen, aber wenig dazwischen, sollte man ebenfalls stutzig werden. "Meist schreiben da erst wütende Kunden, dann hält der Hersteller mit gefälschtem Lob dagegen", sagt Alexander Krug von "Computerbild" "Wenn auf negative Bewertungen plötzlich gleich mehrere auffallend positive Kritiken folgen, könnten die gezielt bestellt worden sein", sagt vzbv-Expertin Michaela Zinke. "In gekauften Bewertungen werden oft gezielt Mängel angesprochen und entkräftet, die Tester oder andere Kunden kritisiert haben.", weiß Redakteur Alexander Krug. Verbraucherschützerin Zinke rät deshalb, Bewertungen zu einem Produkt nach dem Erscheinungsdatum zu ordnen.
Einseitige Kritik
"Erhält ein Produkt übertrieben positive oder auch negative Bewertungen, sollte man diese übergehen", sagt Jurist Frank Weiß. Athentischer sei es, wenn in einer Bewertung Vor- und Nachteile der Ware gegeneinander abgewogen werden.
Nicht nachvollziehbare Kritik
"Negative Bewertungen stammen nicht immer nur von notorischen Nörglern", weiß Rechtsanwalt Frank Weiß. Sind die Argumente dafür objektiv nachvollziehbar oder besser noch nachprüfbar, könne das für echte Negativ-Erfahrungen sprechen. Andererseits sei auch vorstellbar, dass Fälscher im Auftrag Konkurrenzprodukte "niederschreiben", erklärt der Jurist.
Vielschreiber
"Schreibt jemand in sehr kurzer Zeit sehr viele Bewertungen, deutet das zumindest auf einen Fälscher hin", weiß Computerexperte Alexander Krug. Ob der Urteilende ein professioneller Vielschreiber ist, lässt sich in vielen Onlineshops über einem Klick auf den Namen oder das Pseudonym des Autors herausfinden. Dann werden seine Rezensionen in einer Liste angezeigt. Wenn dann jemand auffallend viele Produkte eines einzigen Herstellers besprochen hat, könnte das ein Indiz für gekaufte Kritiken sein.
Gleiche Bewertung in mehreren Onlineshops
Verbraucherschützerin Michaela Zinke rät, sich für das entsprechende Produkt Kritiken in verschiedenen Onlineshops anzusehen. "Taucht eine Bewertung so oder so ähnlich in verschiedenen Portalen auf, sollte man ihr kein Vertrauen schenken." Kein Verbraucher mache sich die Mühe, seine Bewertung in verschiedenen Shops zu hinterlassen. Die Suche bei mehreren Händlern hat laut Michaela Zinke noch einen weiteren Vorteil: "Käufer bekommen so einen besseren und umfassenderen Eindruck eines Produkts."

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