Umschau

Umschau | 20.09.2011 | 20:15 Uhr : Im Test: Versprechen der Rabattcoupons aus dem Internet

Eine Jacke für 10 Euro, den Kurztrip für 10 0Euro. Schnäppchenjäger liegen voll im Trend. Mittlerweile braucht man dafür nicht mal mehr vor die Haustür, denn die Gutscheine flattern direkt in unser Postfach via "Groupon", "Daily Deal" oder anderen Couponsystemen. Ihr angeblicher Clou: riesige Rabattaktionen.

Auf einem Laptop ist die Internetseite eines "Groupon"-Anbieters zu sehen.

Im Internet verspricht ein Gutschein auf der Internetseite des Coupon-Anbieters "Daily Deal" eine satte Ersparnis im Leipziger Restaurant "Hundertwasser". Wer zehn Euro überweist, bekommt den Rabatt-Gutschein und kann damit in Begleitung einer Person im Restaurant Pasta essen so viel er kann. Dazu gibt es noch für jeden ein Dessert. Auf der Seite steht, dass das sonst 24,18 Euro kostet. Das entspricht einem Rabatt von 59 Prozent. Im Lokal gibt es tatsächlich Pasta, soviel man will, und obendrein das versprochene Dessert vom Buffet. Doch auf einer Tafel im Laden kann man den regulären Preis ohne Rabattgutschein lesen. Er beträgt 7,99 Euro pro Person. Das sind für zwei Personen nur 15,98 Euro und nicht wie im Internet beschrieben 24,18 Euro. Das bedeutet, der Rabatt ist mit 37 Prozent kleiner als versprochen. Den Vorwurf bestreitet der Betreiber des Lokals. Er rechnet uns vor: zwei Mal Pasta für 15,98 Euro plus zwei Mal Dessert für 8,20 Euro macht 24,18 Euro. Seine Rechnung geht nur auf, wenn man sich zwei Desserts aus der Karte bestellt. Aber warum sollte man das tun, wenn es dass umsonst am Buffet gibt?

Schön gerechnete Rabatte als Lockvogelangebot

Dass mit Rabattversprechen häufig getrickst wird, weiß man bei den Verbraucherzentrale Hessen. Peter Lassek hat dort diverse Gutscheinportale näher unter die Lupe genommen und ist immer wieder auf Mondpreise gestoßen. "Der Sinn diese Rabattscheinportale ist es, die Kunden anzulocken und längerfristig zu binden. Da greift man dann zu Mitteln, die möglichst große Rabatte vorgaukeln", beschreibt Lassek seine Erfahrungen. Zudem seien viele Rabatte an Bedingungen gebunden. Die finden sich aber nur im Kleingedruckten. So kann man beispielsweise einen Rabattgutschein für den Kauf einer Küche erwerben. 90 Prozent Rabatt locken auf der entsprechenden Internetseite: Der Gutschein kostet 150 Euro und verspricht einen Nachlass von 1.500 Euro beim Kauf einer Küche. Doch den gibt es nur, wenn man eine Küche von mindestens 6.400 Euro kauft. Rechnerisch würde es in diesem Fall deshalb nicht 90, sondern nur 21 Prozent Rabatt geben.

Rabatt stimmt, aber Leistung nicht

Trotzdem sind Gutscheinportale im Internet der Renner. Viele Online-Plattformen wie "Daily Deal" oder "Sachsendeal" bieten sich regelrechte Rabattschlachten, um potenzielle Käufer anzulocken. Marktführer ist der US-amerikanische Konzern "Groupon". Dort wird u.a. eine "Auto-Handwäsche ohne Wasser" für 21,90 statt 44,90 Euro angeboten. Der Rabatt beträgt 51 Prozent. Beim Ausgangspreis wurde hier nicht gemogelt. Zumindest steht er so auch auf der Internetseite des Anbieters. Wir testen das Angebot, und auch dieser Rabatt ist nicht wirklich überzeugend. Einerseits enttäuscht die Qualität der Leistung: Der Autowäscher verspricht, dass der geputzte Zustand vier bis sechs Wochen halten solle. Doch schon nach einem Tag glänzt unser Auto nur noch auf den ersten Blick. An vielen Stellen ist schon wieder deutlich Dreck zu erkennen. Andererseits wird das Auto auch für weniger als 21,90 Euro an der Tankstelle oder der Waschstraße so sauber. Beim Vergleich mit anderen Anbietern kann man also wirklich Geld sparen.

Tipp der Verbraucherzentrale:

  • Prüfen Sie die Angebote vorab. Stellen Sie Preisvergleiche an und stellen Sie so fest, ob das angebotene Schnäppchen tatsächlich eines ist. Achten Sie auf mögliche Einschränkungen.
  • Achten Sie auf mögliche Zusatzkosten, zum Beispiel für den Versand.
  • Überlegen Sie genau, welche Daten zur Abwicklung des Vertrages unbedingt erforderlich sind und achten Sie auf eine sichere Datenverbindung, damit die Daten verschlüsselt übertragen werden.
  • Auf einigen Rabattcoupon-Portalen kommt der Gutscheinkauf erst dann zustande, wenn sich eine Gruppe von Kaufinteressenten gefunden hat. Dann wird der jeweilige Betrag vom Konto beziehungsweise der Kreditkarte abgebucht. Kommen diese Gruppen-Coupon-Aktionen zustande, können Sie den geschlossenen Vertrag mindestens innerhalb von 14 Tagen ab Erhalt des Gutscheins widerrufen.

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2011, 10:52 Uhr

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