Umschau | 04.12.2012 | 20:15 Uhr : Kaum Verlass auf die Bestpreis-Beratung im Reisebüro
Trotz günstiger Preise auf Internet-Reiseportalen buchen viele immernoch in Reisebüros. Dort, so die Werbung, werde man gut beraten und bekomme immer das günstigste Angebot. Wir haben diesen Service getestet.
In der Stichprobe haben wir immer nach dem billigsten Angebot gefragt. Reisebüros sind verpflichtet, dem Kunden auf Wunsch die günstigste Reise anzubieten, egal von welchem Veranstalter, erklärt Preisexperte Rainer Schmidt von der Preisagentur Münster. Er begleitet den Stichprobentest. Insgesamt haben wir sieben Filialen von bundesweit tätigen Reisebüros getestet: Holiday Land, First Reisebüro, Alltours, Reiseland, Derpart, High-Fly und TUI ReiseCenter. Zusammen mit Rainer Schmidt haben wir drei Reisen konzipiert, für die er die besten Preise ermittelt hat.
| Reise | Kosten |
|---|---|
| Zwei Wochen Madeira im Hotel "all inklusiv" | rd. 3.000 Euro |
| Zwei Wochen Lanzarote für zwei Erwachsene und zwei Kinder im Hotel | rd. 3.380 Euro |
| Fünf Wochen Tunesien für zwei Personen im Hotel | rd. 1.220 Euro |
Aus der Sicht des Experten sollte die Preisrecherche je Reise drei bis fünf Minuten dauern.
Das Ergebnis
Das Ergebnis ist ernüchternd. Kein Reisebüro hat für alle drei Reisen den günstigsten Preis ermitteln können. Bei "HolidayLand" und "Reiseland" waren sogar alle Reisen teurer als der Bestpreis, den der Experte ermittelt hatte. Die größten Preisaufschläge gab es mit mehr als 40 Prozent für die Tunesien-Reise bei "Alltours" (1.760 Euro) und "HolidayLand" (1.720 Euro). "Depart" und "First Reisebüro" waren mit einem Preis von 1.610 Euro mehr als 30 Prozent teurer als der Bestpreis.
Bewertung durch den Experten
Im Reisebüros "HolidayLand" erklärte die Beraterin die hohen Preise so: Sie sei nicht davon ausgegangen, dass wir die günstigsten Zimmer haben wollten. Deshalb habe sie uns ein normales Zimmer angeboten, so die junge Frau. Nach dem Beratungsgespräch erklärte der Filialleiter des Reisebüros zudem, dass wir von einer Auszubildenden im ersten Lehrjahr beraten worden seien. Nach Ansicht unseres Experten geht das nicht.
Im "First Reisebüro" gelang es der Beraterin nicht, die günstigen Preise zu finden, weil sie das EDV-System nicht richtig bedienen konnte.
Bei "Alltours" entschuldigte sich der Berater für die hohen Preise mit Blick auf seinen Computer und den Worten: "Da sind zu viele Daten drin, man sieht nicht alles. Da fällt schon mal was raus."
Für den Preisexperten Rainer Schmidt ist das keine Überraschung. Seiner Meinung nach haben die Mitarbeiter in nahezu allen Reisebüros Probleme im Umgang mit der Software: "Wenn die Mitarbeiter ihre Software kennen würden und damit umgehen könnten, wäre es eigentlich eine Sache von Minuten, das günstigste Angebot unter den verschiedenen Veranstaltern zu finden. Etwas Fleiß gehört natürlich auch dazu."
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