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Umschau | 22.05.2012 | 20:15 Uhr : Angebote bei Groupon & Co sind nicht immer die günstigsten

Gutscheinportale im Internet locken mit Reiseschnäppchen mit sehr hohen Rabatten. Der Umschau-Test ergab, dass es diese vermeintlichen Schnäppchen woanders günstiger gab und bei der Qualität der Hotels teilweise geschummelt wird.

Werbung für Rabatt-Reisen

Eines der weltweit größten Gutscheinportale ist Groupon. Hier bieten Firmen ihre Dienstleistungen mit Rabatten an. Auch ein Reiseveranstalter offeriert dort ein Dreisternehotel in Prag. Zwei Übernachtungen mit Frühstück sollen 69 Euro kosten. Diesen Preis gibt es aber nur, wenn man erst Ende des Jahres verreist. Gegenwärtig und noch bis zum 30. Juni, kostet das Hotel mit 119 Euro fast doppelt soviel wie beworben. Beim Preischeck vor Ort zeigt sich, dass man diesen Preis (118 Euro) auch ohne Rabattportal bekommt.

Anspruch auf Minderung bei falschen Versprechungen

Aber nicht nur der suggerierte Preisvorteil ist in diesem Fall fragwürdig. Die im Angebote beschriebene "Top-Lage" zum Zentrum erweist sich nach einem Blick auf den Stadtplan als eine sehr optimistische Beschreibung. Das Hotel liegt nicht im historischen Stadtzentrum. Zudem soll sich nach der Beschreibung bei Groupon das Hotel in "ruhiger Lage" befinden. Doch vor dem Haus ist eine stark befahrene Autobahn mit Auffahrt. Nach Auffassung des Reiserechtsexperten Philipp Lange hat der Kunde gegebenenfalls Anspruch auf Minderung, wenn im Angebot von einer ruhigen Lage gesprochen wird, es sich in Wirklichkeit jedoch ganz anders darstellt: "Dann ist die Leistung nicht vertragsgemäß erbracht worden", so Lange. Den Anspruch muss man jedoch gegenüber dem Reiseveranstalter geltend machen, der für den Inhalt des Angebotes verantwortlich ist, und nicht gegen Groupon.

Urlaubsangebote im Internet
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Groupon-Gutscheine nicht immer günstig und gut

Groupon ist eines der größten Gutscheinportale im Internet. Jeden Tag locken dort Reiseschnäppchen mit zum Teil 90 Prozent Ersparnis. Das entspricht nicht immer der Realität.

22.05.2012, 20:15 Uhr | 07:39 min

Hotel-Schnäppchen fehlen die Sterne

Bei einer weiteren Reise, die bei Groupon zu finden war, soll es sechs Übernachtungen im Doppelzimmer für 29 Euro geben. Dafür erhält man einen Gutschein. Der soll nach Angaben von Groupon einen Wert von 499 Euro haben. Mit dem Gutschein kann man dann in ausgewählten europäischen Hotels übernachten können. Die stehen in der Datenbank des Anbieters. Darin war auch ein Fünf-Sterne-Hotel in Niedersachsen aufgelistet. Das entpuppte sich beim Check vor Ort als Ein-Sterne-plus-Hotel. Aus der Sicht von Rechtsanwalt Philipp Lange ist das eine Irreführung des Kunden. In diesem Fall suggeriere der Anbieter dem Kunden auf den ersten Blick, dass das Hotel bombastisch sei und ihn Luxus erwarte, so der Anwalt. Ob Groupon oder der Veranstalter eine falsche Angabe gemacht hat, konnte nicht geklärt werden. Nach unserer Reklamation bei Groupon wurde das Hotel jedoch nur noch mit einem Stern ausgewiesen.

Nebenkosten machen Schnäppchen teuer

Bei einem weiteren Angebot bei Groupon findet Reiserechtsexperte Lange einen anderen Haken. Zwei Übernachtungen für zwei Personen in einem Hotel der eigenen Wahl in Oberitalien sollen 39 statt 100 Euro kosten, so der Anbieter. Aus den Vertragsbedingungen wird jedoch ersichtlich, dass 39 Euro noch nicht der Endpreis sind. Dort steht: "Zuzüglich obligatorischer Kosten für Frühstück und Abendessen". Das heißt, die Hotelgäste sind verpflichtet, im Hotel zu frühstücken und zu Abend zu essen. Das kostet beispielsweise in einem Vier-Sterne-Hotels in Mailand bei zwei Übernachtungen für zwei Personen 269 Euro. Mit den 39 Euro für die Übernachtung sind es 299 Euro. Bucht man dieses Paket auf der Internetseite des Hotels, zahlt man nur 247 Euro. Für diesen Preis gibt es zum Abend nur das Buffet und kein Gericht von der Karte, wie beim Groupon-Gutschein. Zur "Zwangsverköstigung" greifen die Hotels, um bei solchen Deals überhaupt etwas zu verdienen, erklärt Rechtsanwalt Lange. Nach seiner Auskunft bleibt meistens die Hälfte der Einnahmen bei Vermittlern wie beispielsweise Groupon.

Angebotene Hotels gibt es gar nicht mehr

Ein anderes Rabatportal ist Topdeals. Das dort offerierte Angebot: zwölf Nächte im Doppelzimmer in einem von über 1.700 Hotels Europas für 44,90 Euro. U.a. wird auch ein Hotel mit fünf Sternen in Rheinland-Pfalz angeboten. Die Anreise für den Vor-Ort-Check erfolgt ohne Reservierung. Vor Ort präsentiert sich ein geschlossenes Hotel. Nach Auskunft des Eigentümers ist der Gutscheinanbieter Topdeals  nicht bekannt und das Haus schon seit einem guten Jahr geschlossen. Topdeals erklärt jedoch: "In dem von Ihnen angesprochenen Fall prüft unser Partner jedes Hotel einmal jährlich."

Verbraucher-Tipp

  • Prüfen Sie über Preisvergleichsportale im Internet welche Alternativangebote es gibt
  • Suchen sie ggf. nach Preisen auf der Internetseite des Hotels
  • Nehmen Sie ggf. vor Reiseantritt Kontakt mit dem Hotel auf und fragen Sie nach Preisen
  • Die Zahl der Hotel-Sterne kann man im Internet unter holtelsterne.de prüfen.

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2012, 09:27 Uhr

1. Irina Bernert:
In Deutschland ist der Spartrieb stark ausgeprägt, vor allem bei der Urlaubsplanung. Daher sind Hotelgutscheine immer mehr im Kommen, denn mit ihnen wird der nächste (Kurz-)Trip einfach, günstig und flexibel. Doch es gilt: Augen auf beim Gutscheinkauf. Es lohnt es sich in jedem Fall, auf Seriosität und Glaubwürdigkeit des Anbieters sowie die Qualität der Häuser zu achten. Diese Kriterien findet man – wie so oft – beim Experten. [...]Letztendlich darf bei „Schnäppchen“ nicht nur der Preis zählen. Wer Qualität erwartet, sollte beim Kauf von Hotelgutscheinen lieber auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis sowie auf die Angebotsbeschreibung achten, bevor er sich für den Kauf entscheidet. [Kommentar wegen Werbung gekürzt; MDR.DE_Redaktion]
23.05.2012
11:04 Uhr

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