Umschau | 24.01.2012 | 20:15 Uhr : Wie gefährlich rodeln ist
Dass Skifahren gefährlich ist, haben viele Wintersportler mittlerweile begriffen und tragen einen Helm. Beim Rodeln hingegen wird die Gefahr oft unterschätzt. Viele sehen es noch immer als harmlosen Freizeitspaß. Doch das ist ein Trugschluss. Auch beim Rodeln gibt es immer häufiger schwere Unfälle. Mitunter enden die sogar tödlich.
Ein mehrfach gebrochenes Sprunggelenk, mit acht Schrauben und zwei Metallplatten operiert. Mit dieser Verletzung lag eine Frau zehn Tage im Krankenhaus. Sie war auf der bayerischen Wallberg-Rodelbahn nahe dem Tegernsee verunglückt, als sie versuchte, einem Baum auszuweichen. Zum Unfall kam es, weil die Piste im Auslaufbereich vereist war und dort ein Baum steht. Der ist zwar gepolstert. Doch das schützt nur wenig vor Verletzungen. Auch andere Rodler verletzten sich auf der Wallberg-Rodelbahn. Schaut man sich den aktuellen Rodelbahn-Test des ADAC an, dann überrascht das nicht. Dort schneidet die Bahn am Tegernsee nur mit "mangelhaft" ab. Die Tester bemängeln das Fehlen durchgehender seitlicher Begrenzungen und nicht ausreichend gesicherte Gefahrenstellen.
"Wenn Sie Begrenzungen wollen, dann müssen Sie in die Halle gehen"
Wir sprechen den Betreiber der bayerischen Wallberg-Rodelbahn auf die vom ADAC festgestellten Mängel an. Doch der versteht die Kritik nicht. An einer natürlichen Rodelbahn könne man nicht alles absperren, heißt es. "Wenn Sie Begrenzungen wollen, dann müssen Sie in die Halle gehen", erklärt der Verantwortliche. Das sehen die Tester ganz anders. Laut ADAC besteht für jeden Betreiber einer Rodelbahn eine Verkehrssicherungspflicht. Und das schließe eine vernünftige Absicherung mit ein.
Die unterschätzte Gefahr
Eine solche Kennzeichnung von Rodelbahnen wäre durchaus sinnvoll, denn viele Rodler unterschätzen die Gefahr, wenn sie mit hohen Geschwindigkeiten die Piste herunter rasen. Scharfe Kurven und ungesicherte Hänge können leicht zur Falle werden.
Wir messen an einer Piste Rodler mit bis zu 44 km/h. Selbst mit Helm kann so eine Geschwindigkeit bei einem Sturz schlimme Folgen haben. Denn Helme sind nur bis 20 km/h ausgelegt.
Schlitten im Test
Nach Ansicht des ADAC beeinflusst jedoch nicht nur die Geschwindigkeit das Fahrverhalten, sondern auch der Schlitten. Wir haben uns deshalb gemeinsam mit dem ehemaligen Profi-Naturbahnrodler Stefan Niedermaier vier Schlitten genauer angesehen: einen klassischen Holzschlitten, einen Plastikbob, einen Sportrodel und einen vor allem bei Kindern beliebter Poporutscher.
"Auf einer richtigen Rodelbahn würde ich das Teil nicht empfehlen"
Unser Experte jagt zunächst mit dem Sportschlitten die Piste hinunter. Sein Fazit fällt positiv aus: "Der Rodel ist, solange man Bodenkontakt hat, voll lenkbar, also vom Unfallrisiko relativ gering. Wobei man die Geschwindigkeit anpassen muss, am Steilhang wird er richtig flott." Außerdem würden durch die große, weiche Sitzfläche Huckel gut abgedämpft.
Anders beim klassischen Holzschlitten. Auch der kommt schnell auf Touren, wird dann nach Ansicht von Stefan Niedermaier aber unberechenbar: "So gut wie nicht zu steuern, nicht zu kontrollieren, man hat keinen Halt auf dem Schlitten, weil er eben hart ist, macht jetzt nicht wirklich Spaß."
Den Plastikbob unterschätzt selbst unser Rodel-Experte. Er ist schnell, lässt sich nach Ansicht von Stefan Niedermaier aber gut lenken: "Man lenkt mit dem Popo, wie man es vom Kart kennt, bisschen mit Gewichtsverlagerung und den Armen. Das macht richtig Speed und Laune."
Sogenannte Poporutscher sind schon für wenig Geld zu haben. Aber sind sie optimale Schlitten für eine Abfahrt? Unser Profi hat dazu eine ganz klare Meinung. Er rät davon ab, solche Schlitten auf richtigen Rodelbahnen zu fahren: " Man konnte kaum dagegen halten, für Kinder sicherlich ein Spaß, aber auf einer richtigen Rodelbahn würde ich das Teil nicht empfehlen."
Sehr gefährlich und absolut ungeeignet für die Rodelbahn sind Plastikschüsseln, denn die kann man gar nicht lenken.

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