Umschau | 21.06.2011 | 20:15 Uhr : Zehn Jahre Euro: Was besonders teuer wurde
Seit fast zehn Jahren zahlen wir mit dem Euro. Die Umschau hat jetzt die Preise von heute mit denen vor der Euro-Einführung verglichen. Dazu waren wir im Einzelhandel, Restaurants und bei Behörden unterwegs.
Kaum einer kann sich genau erinnern, welche Preise wir vor zehn Jahren in Deutschland hatten. Bei einer Umfrage nach dem Preis für ein Päckchen Markenkaffee schwanken die Erinnerungen zwischen 3,50 und acht D-Mark. Wie viel es wirklich waren, zeigt das Umschau-Preisarchiv. Ein Kassenzettel aus dem Jahr 2000 beweist: Der Kaffee hat damals genau 6,98 Mark. Das entspricht 3,56 Euro. Heute kostet der gleiche Kaffee beim selben Händler 5,49 Euro. Das ist eine Preis-Steigerung um 54 Prozent. Bei einem anderen Discounter wurde vor gut zehn Jahren Nutella gekauft. Das kostete damals 2,49 D-Mark, also umgerechnet 1, 27 Euro. Heute kostet der Nussnugataufstrich 1,89 Euro und damit rund die Hälfte mehr. Nur wenige Produkte fallen positiv auf. Zum Beispiel das Mehl. Das kostet heute wie damals 25 Cent. Die H-Milch ist dagegen 22 Prozent teurer geworden. Und für die Brechbohnen in der Dose zahlen wir sogar 73 Prozent mehr.
Vor allem der alltägliche Einkauf wurde teurer
"Preissteigerungen betreffen diejenigen Güter, die wir jeden Tag brauchen, also Lebensmittel, Getränke", erklärt Währungs-Experte und Eurokritiker Wilhelm Hankel. "Preissenkungen haben wir nur bei langlebigen Gütern. Aber keiner von uns kauft sich jeden Monat ein Auto oder einen neuen Flachbildschirm", kritisiert er. So müssen die Konsumenten unterm Strich mehr ausgeben als früher. Zu den Dingen, die man täglich braucht, gehört auch das Auto - und das braucht Benzin. Heute kostet der Liter Super-Benzin rund 1,58 Euro. Vor der Euro-Umstellung haben die Autofahrer dafür nur 1,86 D-Mark bezahlt, also umgerechnet 95 Cent. Das heißt, heute zahlen wir 66 Prozent mehr.
Gastronomie mit großen Preisaufschlägen
Für besonders viel Unmut sorgen seit der Euro-Einführung die Gastronomie-Preise. Vor zehn Jahren haben wir in einem gutbürgerlichen Restaurant für 10,50 D-Mark "Chilli con Carne" gegessen, also umgerechnet 5,37 Euro. Heute bezahlen wir dafür 7,30 Euro und damit 36 Prozent mehr. In einem anderen Restaurant kostet ein Nudel-Gericht heute 33 Prozent mehr als vor der Euroeinführung. Die Vorspeise ist sogar 59 Prozent teurer geworden. Und wie sieht es beim Bier aus? Ein Kunde kommentiert die Preisentwicklung: "Früher hätte man wahrscheinlich jeden Wirt erschlagen, wenn er gesagt hätte, er will für sein Bier vier oder fünf Mark. Da hätte man gesagt, trink dein Bier allein. Aber heute ist es gang und gäbe."
Behörden mit größten Preissteigerungen
Das gleiche Bild zeigt sich bei Dienstleistungen. Ein Postpaket kostet uns vor zehn Jahren 11 D-Mark (entspricht 5,62 Euro). Heute muss man dafür schon 6,90 Euro bezahlen, also 23 Prozent mehr. Für die Ausstellung eines Personalausweises verlangte die Behörde damals 15 D-Mark (entspricht 7,70 Euro). Der neue Personalausweis, der heute mit 29 Euro zu Buche schlägt, ist mit einer Steigerung von 287 Prozent der Spitzenreiter in unserer Stichprobe.
Inflation frisst die Lohnsteigerungen auf
Während Preise seit der Euro-Einführung stetig gestiegen sind, hinken die Löhne hinterher. "Keines der Arbeitseinkommen in Deutschland ist in den letzten Jahren auch nur annähernd um die Preissteigerung gestiegen. Das heißt, wir sind das Land in der Eurozone, das mit dem Euro sinkende Realeinkommen bekommen hat.", so Wirtschaftsexperte Hankel. Und die Aussichten sind nicht rosig, denn der Euro-Kritiker befürchtet eine weiter steigende Inflation.
