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Umschau | 15.01.2013 | 20:15 Uhr : Ernähungsirrtümer beim Obstsaft

Ist der Obstsaft aus dem Supermarkt genauso gesund wie ein Stück Obst? Keineswegs! Der Saft enthält viel Zucker und nur wenig Ballaststoffe. Besser ist ein frisch gepresster - oder Obst pur.

Ein roter und ein grüner Apfel, in denen jeweils ein Trinkhalm steckt.

Was viele nicht wissen: Obstsaft hat genau so viele Kalorien wie die gleiche Menge Cola. Das liegt unter anderem am Zuckergehalt. So enthält zum Beispiel ein 200-Milliliter-Glas frisch gepresster Orangensaft die Menge von sechs Stück Würfelzucker, im industriell hergestellten sind es im Schnitt sieben Stück und bei Mango-Maracuja-Smoothies sogar bis zu acht. Acht Stück Zucker sind auch in einem Glas Cola enthalten. "Es ist schon sehr viel Zucker im Saft, aber es ist eben der natürliche Zuckergehalt, so wie er in der reifen Frucht vorkommt", erklärt Michael Benner vom KIN Lebensmittelinstitut. Auf den Etiketten der Säfte steht zwar "100 Prozent Fruchtgehalt" und "Ohne Zusatz von Zucker", doch solche Angaben bedeuten nicht, dass der Saft zuckerfrei ist. Er darf im Unterschied zu Nektar lediglich keinen zugesetzten Zucker enthalten.

Bei der Saftherstellung gehen gesunde Wirkstoffe verloren

Obst ist nicht gleich Obst, das sollte man bei einer gesunden Ernährung beachten. Es macht nämlich einen Unterschied, ob man Obst als Saft trinkt oder am Stück isst. Beim Apfel etwa enthält die ganze Frucht viele sekundäre Pflanzenstoffe. Die Wissenschaftler des Bundesforschungsinstituts für Ernährung haben festgestellt, dass der Verzehr von Äpfeln deshalb Darmkrebs vorbeugt. Im Vergleich haben die Forscher Apfelsaft analysiert. Das Ergebnis: Naturtrüber Apfelsaft hat ebenfalls eine vorbeugende Wirkung, klarer jedoch nicht. Denn je häufiger ein Saft gefiltert und konzentriert wird, desto weniger Gesundes steckt drin.

Hersteller filtern gesunde Ballaststoffe heraus

aufgeschnittene Orangen
Nur im frisch gepressten Orangensaft sind die Ballaststoffe der Frucht noch reichlich erhalten.

Es gibt noch einen weiteren Unterschied zwischen Früchten und Saft: Früchte enthalten sehr viele Ballaststoffe. Die sorgen dafür, dass der Zucker nur langsam in den Stoffwechsel gelangt. Das beugt Dickdarmkrebs und Diabetes vor, wie Studien des Bundesforschungsinstituts für Ernährung zeigen. Doch bei industriell hergestellten Säften ist der Ballaststoffanteil im Vergleich zu frisch gepressten Säften relativ gering. Bei gekauften Orangensäften enthalten 100 Milliliter 0,2 oder 0,3 Gramm Ballaststoffe Der Grund sei die industrielle Verarbeitung, sagen die Hersteller. Mango-Maracuja-Smoothies enthalten rund 0,7 Gramm. Zum Vergleich: Bei frisch gepressten Orangen sind es 2,6 Gramm.

Experten-Empfehlung

Säfte und Smoothies enthalten viel Zucker und wenig Ballaststoffe. Deshalb sie sind gerade für Menschen, die abnehmen wollen, eher nicht empfehlenswert. Prof. Bernhard Watzl vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung empfiehlt darum: "Es ist immer besser im Vergleich zu keinem Obstverzehr gelegentlich einen Smoothie zu konsumieren, aber es stellt keine Alternative zu einem natürlichen Stück Obst dar." Zu empfehlen ist flüssiges Obst für ältere Menschen, die keine ganzen Früchte mehr kauen können.

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2013, 17:21 Uhr

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