Umschau

Umschau | 20.03.2012 | 20:15 Uhr : Schandflecke: Warum Baulöcher und Investruinen nicht verschwinden

In fast jeder Stadt gibt es sie: verfallende Häuser, ungefüllte Gruben, verwaiste Baustellen. Sie verunstalten das Stadtbild und verärgern gleichermaßen Einwohner wie Besucher. Dennoch lässt sich kaum etwas dagegen tun.

Verfallende Häuser, ungefüllte Gruben, Baustellen, die allmählich zu Naturparks mutieren: In fast jeder Stadt gibt es solche Schandflecke, die das Stadtbild verunstalten und Anwohner wie Touristen gleichermaßen verärgern. Wir haben uns die größten Ärgernisse im Sendegebiet aufgespürt und nachgefragt, warum das so ist.

Dresden: Das "Wiener Loch"

Die Baustelle am Wiener Platz in Dresden
"Wiener Loch" nennen die Dresdner die seit 14 Jahren bestehende Baugrube am Wiener Platz.

Wir starten in Dresden am sogenannten "Wiener Loch". Diesen Namen trägt eine Baugrube am Wiener Platz. Sie ist sechs Meter tief, so groß wie ein Fußballfeld und "beglückt" seit 14 Jahren die Passanten. Das Loch gilt als teuerste Baugrube Deutschlands. 30.000 Euro muss die Stadt Dresden jeden Monat für die Sicherung aufbringen, zum Beispiel für das Abpumpen des Grundwassers. Geplant war hier schon vieles: Ein Einkaufszentrum, ein Operettentheater, es gab sogar Ideen für ein riesiges Aquarium. Doch die Stadt findet für die Baugrube einfach keinen Käufer. Die Stadtväter hätten sich mit ihren Plänen verspekuliert, meint ein Stadtrat. Mit den erzielbaren Preisen für das Areal seien die auf hochfliegende Hoffnungen gegründeten Investitionen früherer Jahre nicht zu refinanzieren. Im Rathaus will sich dazu niemand vor der Kamera äußern. Wir erfahren: Man suche gerade einen Investor - mal wieder ...

Leipzig: Ein Loch und ein verfallendes Hotel

Blick in eine bereits mit Vegetation überwucherte Baulücke am Burgplatz in Leipzig
Das Burgplatzloch in Leipzig ist zwar kleiner, klafft aber schon seit 15 Jahren.

Auch in Leipzig gibt es so ein Loch, das Burgplatzloch, das direkt neben dem Rathaus gähnt. Es ist zwar kleiner als die Baugrube in Dresden, dafür aber mit 15 Jahren noch älter. Dabei hat die Stadt, anders als Dresden, sogar einen Investor gefunden, den britischen Baukonzern Amec. Doch der will nicht bauen, weil das Projekt nicht rentabel sei. Und aus dem Rathaus heißt es stets, man könne die Investoren nicht zum Bauen zwingen. Nun hofft man, den Konzern wenigstens veranlassen zu können, das Loch zu verfüllen und zu bepflastern. Notfalls beabsichtigt die Stadt dies selbst zu tun und die Kosten dem Grundstücksbesitzer in Rechnung zu stellen.

Investoren, die nicht bauen wollen sind eine häufige Ursache innerstädtischer Schandflecke. So auch beim Leipziger Hotel Astoria, das einer amerikanischen Gruppe gehört. Seit der Erbauung 1915 war das Astoria lange das beste Haus am Platz. Zu DDR-Zeiten war das Hotel als Nobelabsteige für Staats- und Messegäste ein wichtiger Devisenbringer. Seit mehr als 15 Jahren steht das Hotel leer und verfällt, was für frühere Angestellte und Gäste besonders schmerzlich ist. Ob sich das ändern wird, ist ungewiss: Das deutsche Baurecht schützt das Eigentum, so lange davon keine Gefahr ausgeht. Auch wenn die Besitzer es verfallen lassen.

Zeitz: Stadt will Verfall stoppen

In Zeitz sind die Bürger von dem Problem in weitaus größerem Umfang betroffen. Die Kleinstadt im Süden Sachsen-Anhalts hat seit der Wende die Hälfte ihrer einst 50.000 Einwohner verloren. Ganze Straßenzüge verfallen, denn ohne Mieter lohnt sich die Sanierung für die Besitzer nicht. Auch hier kann die Stadt wenig tun, solange keine Einsturzgefahr besteht. Doch ganz tatenlos zusehen, wie seine Stadt mit immer mehr Schandflecken übersäht wird, will Bürgermeister Volker Kunze nicht. Sanierungsgebiete sollen Abhilfe schaffen. Denn Städte können zwar nicht über einzelne Gebäude bestimmen. Bei Ausweisung ganzer Sanierungsgebiete jedoch können Eigentümer zur Instandsetzung ihres Eigentums gezwungen werden.

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2012, 18:04 Uhr

1. Gesine Schuppe:
Vielen Dank für ihren Beitrag zur Schrottimmobilienproblematik. Es ist hilfreich für ein besseres Verständnis der Allgemeinheit über die Schwierigkeiten in der Verwaltungspraxis zu informieren. Der Bundesgesetzgeber kennt die Problematik und reagiert in seinem aktuellen Gesetzesentwurf zur Änderung des BauGB darauf. Demnach soll es in Zukunft für die Kommunen leichter werden auf verwahrloste Gebäude angemessen zu reagieren. § 179 BauGB soll dahingehend geändert werden. http://www.bmvbs.de/cae/servlet/contentblob/78756/publicationFile/51061/baugesetzbuch-referentenentwurf-14-02-2012.pdf Der Vollständigkeit halber wäre es gut gewesen auch das in ihrem Vortrag zu erwähnen. Mit freundlichen Grüßen Gesine Schuppe
21.03.2012
11:22 Uhr

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