Umschau | 27.03.2012 | 20:15 Uhr : "Schrottautos" illegal wieder in den Verkauf gebracht
Eine Frau hatte sich einen Jahreswagen von einem Gebrauchtwagenhändler gekauft. Bei Werkstattbesuch stellt sich heraus, dass der Wagen theoretisch gar nicht mehr existiert. Er gilt nämlich als verschrottet und das schon seit zwei Jahren.
Elke D. aus Senftenberg kaufte im Herbst 2011 einen Citroën C4 Picasso von einem freien Händler in der Oberpfalz. Der bot ihn als Jahreswagen an, die Erstzulassung war den Papieren zufolge im Juli 2010. Die 58-Jährige sah sich den Wagen an und hatte nichts daran zu bemängeln. Drei Wochen nach dem Kauf fuhr sie wegen kleinerer Probleme in eine Fachwerkstatt. Dort wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Wagen eigentlich gar nicht mehr existiert. Wie der Werkstattmeister anhand der Fahrzeugnummer ermitteln konnte, gilt der Wagen als verschrottet.
Beschädigte Pkw nicht verschrottet
Was war passiert? Am 6. Februar 2009 stand der Wagen, den Elke D. später kaufte, in einem Auslieferungslager in der italienischen Hafenstadt Livorno. An diesem Tag setzte sintflutartiger Regen das Gelände unter Wasser. Nach Auskunft von Citroën Deutschland, trugen dabei 535 Autos einen Wasserschaden davon. Daraufhin ließ der Autobauer nach eigenen Angaben die Wagen verschrotten. Mit der Verschrottung wurde die Autoverwertungsfirma "Careco Rubio" im französischen Lons beauftragt. Der Redaktion liegt ein Schreiben vor, in dem die Firma die Verschrottung von 161 Citroëns bestätigt. In diesem Schreiben wird auch Auto von Elke D. angeführt. Doch das Fahrzeug wurde nicht zerstört, sondern wieder in den Handel gebracht.
Tschechischer Autohändler bringt "Schrottautos" wieder in Verkehr
Wie die "Schrottautos" nach Deutschland kamen, verrät der Autohändler aus der Oberpfalz, der Elke D. den Citroën verkauft hat. Nach seiner Auskunft gingen Fahrzeuge von der französischen Verschrottungsfirma direkt zum tschechischen Autohändler "AAS Partner" in Kosmonosy in der Nähe von Mladá Boleslav. Von dem hat der deutsche Autohändler nach eigener Auskunft 50 Wagen gekauft, darunter auch den Citroën C4 Picasso, den er Elke D. später verkauft. Als Beweis dafür zeigt er die Rechnung. "Die Autos waren verkehrssicher und technisch in Ordnung. Also wenn sie einen Wasserschaden hatten, dann wurden die Autos in Italien, Frankreich oder Tschechien perfekt aufgearbeitet", erklärt der deutsche Autohändler. Um den C4 Picasso zuzulassen, benötigte er die Begleitpapiere von Citroën, die jedoch fehlten. Als Ersatz besorgte er sich ein Einzelgutachten vom TÜV. Im Juli 2010 bekam er ganz legal die Erstzulassung auf seinen Namen. So konnte er Elke D. den Pkw als Jahreswagen verkaufen. Die wahre Vorgeschichte verschwieg er.
"Schrottwagen" werden auch in der Slowakei verkauft
Auch andere Käufer dieser Autos kennen die Vorgeschichte ihres Wagens nicht. Von den 535 offiziell verschrotteten Citroëns tauchten 68 in der Slowakei auf. Dort kämpft unter anderem Zuzana S. um ihr Auto. Die Polizei teilte ihr nämlich mit, dass der Wagen innerhalb von 15 Tagen verschrottet werden müsse. "Die Bürger können den Schaden, dass ihnen so ein Auto verkauft wurde, ja auf dem Gerichtswege zurückfordern", erklärt ein Sprecher des slowakischen Verkehrsministeriums. Derzeit verhandelt die Familie von Zuzana S. mit den Behörden, ihr Auto nicht verschrotten zu müssen.
Käuferin fordert Rückabwicklung des Kaufs
In Deutschland muss Elke D. ihr Auto zwar nicht verschrotten, fürchtet jedoch andere Probleme. Sie meint, dass sie mit dieser Vorgeschichte den Wagen nicht mehr verkauft bekommen würde. In einem Rundschreiben erklärt Citroën-Deutschland seinen Händlern und Werkstätten: "Die Autos dürfen nicht verkauft, zurückgekauft und auch nicht repariert werden." Citroën verbietet sogar, Ersatzteile zu liefern. Für Elke D. kann es deshalb nur eine Lösung geben. Sie will den Kauf rückgängig machen. Dafür muss sie sicherlich vor Gericht ziehen. Doch so ein Prozess kann sich über Jahre hinziehen.
Listen mit betroffenen Fahrzeugen im Internet
Neben Citroëns sind auch als verschrottet geltende Peugeots wieder in den Handel gebracht worden. Das Ministerium für Verkehr, Bau und Regionalentwicklung der Slowakischen Republik hat auf seiner Internetseite Gerichtsunterlagen veröffentlicht, die Fahrzeugnummern-Listen der betroffenen Pkw enthalten. Dort können Sie prüfen, ob Ihr Citroën oder Peugeot auch zu jenen Fahrzeugen gehört, die als verschrottet erfasst sind.
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