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Umschau | 29.11.2011 | 20:15 Uhr : Wie sich Wildunfälle vermeiden lassen

Seit 1975 hat sich die Zahl der Wildunfälle verfünffacht. Rund 250.000 solcher Unfälle gibt es pro Jahr. Dabei werden immer wieder Menschen verletzt und getötet. Einen gewissen Schutz bieten Wildschutzzäune, doch die gibt es nicht an allen Straßen und Autobahnen.

Wildunfall

Durch Wildunfälle gefährdet sind vor allem Fahrer auf Autobahnen, weil sie mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs sind. Erst vor einigen Tagen krachte es auf der A 14. Ein Pkw landete im Straßengraben, weil ein Wildschwein auf die Fahrbahn gelaufen war. Der Fahrer wurde verletzt. Bei einem schweren Unfall auf der A 5 in Richtung Kassel wurden bei einem Wildunfall drei Menschen getötet.

Nach Ansicht von Jäger Gerhard Keil ist das Fehlen eines 300 Meter langen Teilstückes des Wildschutzzaunes am Rastplatz nahe der Unfallstelle schuld an dem tragischen Unfall. Wildschweine kämen auf den Parkplatz, um in den Mülltonnen nach Futter zu suchen. Würden sie dann hinter den Wildschutzzaun und in Panik geraten, liefen sie in die Lichtkegel der Autos.

Wie aus einem Wildschwein ein Nashorn wird

Ein Zusammenstoß mit einem Wildtier ist deshalb so gefährlich, weil das Aufprallgewicht des Tieres deutlich höher ist als sein Eigengewicht. So entspricht das Gewicht eines Wildschweins beim Crash mit 60km/h beispielsweise der Stärke eines Nashorns. Der Zusammenstoß mit einem Hirsch bei dieser Geschwindigkeit ist mit dem Aufprall gegen einen Elefanten vergleichbar.

Umschau | 29.11.2011 | 20:15 Uhr: Wie simple Zäune Wildunfälle reduzieren können

Maschendrahtzaun Rotes Auto kracht mit einem Wildschwein zusammen. das Tier fliegt über die Motorhaube. Grafik: Weißes Auto, davor ein Hirsch und eine Elefant.

Simple Zäune haben sich als sehr wirkungsvoll erwiesen, wenn es daraum geht, Wildunfälle zu reduzieren. [Bilder]


Wie sich Unfälle verhindern lassen

Wildunfälle kosten die Versicherungen viel Geld. Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft beziffert den finanziellen Schaden auf etwa eine halbe Milliarde Euro pro Jahr. Auch die Unfallforscher der Versicherer versuchen deshalb herauszufinden, wie sich Wildunfälle verhindern lassen. Doch eine Langzeitstudie zu verschiedenen Präventionsmaßnahmen brachte Ernüchterung. Ob Reflektoren, akustische Warnsignale und zusätzliche Warnschilder für Autofahrer – der Effekt blieb stets zu vernachlässigen. Und auch sogenannte Duftzäune, die durch unangenehme Gerüche das Wild von der Straße fernhalten sollen, brachten keinen messbaren Erfolg.

Als wirksam gelten Wildschutzzäune. Laut Wildschutzrichtlinie des Bundesverkehrsministeriums müssen diese an jeder neuen Autobahn durchgehend verbaut werden. An älteren Autobahnen und Bundesstraßen werden die Zäune in der Regel nur an Unfallschwerpunkten gebaut. Und zwar erst dann, wenn innerhalb eines Kilometers Straße mindestens ein Wildunfall pro Jahr auftritt und das drei Jahre hintereinander. Das gilt pro Kilometer! Kommt es einen Kilometer weiter zum Unfall, wird neu gerechnet.

Lücken in den Wildschutzzäunen in Mitteldeutschland

Laut Umschau-Recherchen gibt es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aktuell 1.748 Kilometer Autobahnstrecke. Davon sind rund 61 Prozent mit Wildschutzzäunen gesichert. Die Verteilung ist ausgesprochen unterschiedlich. So existiert auf der neu gebauten A 38 ein fast lückenloser Wildschutzzaun. Anders auf der viel älteren Autobahn A 9 Richtung Leipzig. Dort gibt es keinen Zaun.

Tipps für Autofahrer

Wildunfälle lassen sich am sichersten durch angepasstes Fahren verhindern. Dabei muss man nicht viel beachten. Einige wenige Regeln können am Ende Unfälle vermeiden oder Folgen von Unfällen mindern.

  • Nehmen Sie den Fuß vom Gas, wenn Sie durch Wald oder an Feldern vorbei fahren
  • Beobachten Sie die Straßenränder aufmerksam
  • Besonderer Vorsicht gilt in der Dämmerung und während der Erntezeit
  • Läuft ein Tier auf die Fahrbahn, dann bremsen Sie voll durch. Blenden Sie ab und hupen Sie.
  • Bleibt das Tier stehen, unterlassen Sie hektische Ausweichmanöver. Bremsen Sie weiter, halten sie das Lenkrad fest und lassen sie es auf eine Kollision ankommen.
  • Optimal ist es, die Warnblinkanlage anzuschalten, um den nachfolgenden Verkehr auf die Gefahrensituation aufmerksam zu machen.
  • Ist es zu einem Zusammenprall mit einem Tier gekommen, muss die Unfallstelle mit einem  Warndreieck gesichert werden.
  • Melden Sie den Unfall bei der Polizei oder einem Jagdpächter.
  • Lassen sie sich von Polizei oder Jagdpächter den Unfall für ihre Kfz-Versicherung dokumentieren.

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2011, 18:44 Uhr

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