Umschau extra | 25.10.2011 | 20:15 Uhr : Skimming: EC-Karten-Betrug im Supermarkt
Seit Jahren verschaffen sich kriminelle Banden an Bankautomaten Kartennummern und Pin-Codes nichts ahnender Bankkunden. Schäden in Millionenhöhe haben die Banken zu Maßnahmen veranlasst, die dieses sogenannte Skimming merklich erschweren. Die Täter weichen deshalb zunehmend aus – zum Beispiel auf Supermärkte.
Als das Ehepaar N. in Osnabrück ein paar Tage nach dem letzten Einkauf im lokalen Supermarkt seine Kontoauszüge kontrolliert, stellt es Unglaubliches fest: Über das Wochenende hatte es elf Abbuchungen gegeben – alle aus den USA. "Ich war noch nie in New York", sagt Herr N., "aber mein Geld ist jetzt dort." Knapp 6.000 Euro hoben Kriminelle innerhalb von zwei Tagen ab. Dabei schöpften sie das Tageslimit voll aus. Kein Einzelfall.
Um auf fremde Konten zugreifen zu können, kopieren Kriminelle die Daten von EC-Karten. Bislang wurden dazu frei zugängliche Bankautomaten mit raffinierten Vorbauten versehen und die PIN mit einer versteckten Kamera ausgespäht. Jetzt hat es eine Serie von Fällen gegeben, in denen manipulierte EC-Terminals an den Kassen von Supermärkten die Kartendaten samt Geheimnummer speicherten. Wer darauf Zugriff erlangt, kann eine Dublette der EC-Karte herstellen und verfügt auch gleich über die passende PIN dazu. Somit können die Täter über das Konto verfügen.
Ein Einbruch - und seine Folgen
Einen ungewöhnlichen Einbruch in seinen Laden muss vor zwei Wochen der Inhaber Mark K. feststellen. Waren und Wertgegenstände haben die Täter verschmäht. Einzig zwei EC-Terminals sind verschwunden. Kurz darauf beginnen in den Banken der Umgebung die Telefondrähte zu glühen. Hunderte von Kunden berichten von ungewöhnlichen Abbuchungen von ihren Konten. Bald stellt die Polizei fest: Alle hatten zuvor bei Mark K. eingekauft – oder in einem benachbarten Supermarkt, in dem es zu einem ähnlichen Diebstahl der EC-Geräte gekommen war.
Normalerweise speichert ein EC-Terminal keine Daten. Die Täter bringen die Dreistigkeit auf, zunächst ein manipuliertes Gerät in den Markt zu bringen. Dies kann durch einen Einbruch geschehen, der unbemerkt bleibt, weil er durch das Dach erfolgt. Oder die Datendiebe lassen sich einschließen, tauschen die Terminals aus und verschwinden ebenso diskret wieder. Von außen nicht sichtbare Umbauten verwandeln das Kartenlesegerät in einen Rekorder, der einige Zeit später wieder "abgeholt" wird. Oder ein zusätzlicher Chip überträgt sogar gestohlene Daten per Funk. Aufwand und Risiko lohnen sich, weil sich so in kurzer Zeit große Mengen an Kontodaten sammeln lassen – mehr als an angezapften Bankautomaten. Denn viele Kunden bezahlen mittlerweile selbst kleine Beträge per Karte.
Unmittelbar nach den Einbrüchen werden hunderte von Datensätzen via Internet ins Ausland übertragen. Die Magnetstreifen werden auf Kartendubletten kopiert und damit sofort Abhebungen in Serie vorgenommen. An die 1000 Konten von Supermarktkunden wurden so in den letzten Wochen geplündert. Alleine bei dem geschilderten Fall betrug die Beute mehr als eine halbe Million Euro.
Abhebungen in Übersee
Die Abhebungen erfolgen immer in Übersee. In Europa wäre dies nicht mehr möglich. Hier spuckt der Geldautomat nur seine Scheine aus, wenn neben dem Magnetstreifen auch der Chip gelesen werden kann. Automaten in Übersee beherrschen diese Sicherheitstechnik noch nicht.
Um sein Konto selbst besser zu sichern, kann man den Zugriff vom Ausland sperren lassen. Möglich ist dies entweder bei der Bank oder teilweise sogar noch einfacher am Automaten oder per Internet. Fährt man in den Urlaub, lässt sich die Sperre vorübergehend aufheben. So ist die Karte auch weiterhin sorglos im Supermarkt nutzbar. Doch auch wenn es einen "erwischt" besteht kein Grund zur Panik: Die Banken müssen bei Fremdverschulden die Schäden ersetzen.
