Umschau | 06.09.2011 | 20:15 Uhr : Lebensgefahr am Strand
Klaus Z. aus Saalfeld machte im vergangenen Jahr auf der thailändischen Ferieninsel Phuket Urlaub. Bei scheinbar ruhiger See geht er an einem ausgewiesenen Strand baden. Dann passiert das für ihn Unfassbare. Er ist kaum bis zum Oberschenkel im Wasser, da verliert er den Boden unter den Füßen und wird ins Meer gezogen. Klaus Z. hatte schon mit seinem Leben abgeschlossen, da spürt er eine Hand, die nach ihm greift. Sie gehört dem Einheimischen Thu. "Ich habe Klaus ins Wasser gehen sehen, aber nicht wieder raus. Und dann schaute ich noch mal zu ihm, er sah müde aus und kam nicht an den Strand zurück", berichtet der Retter heute. Er ist kein Rettungsschwimmer, er lief zufällig am Strand entlang. An diesem Tag wurden zwei weitere Menschen an diesem Strand Opfer der Wellen. Einer überlebte, so wie Klaus Z. nur knapp, der andere konnte nur noch tot geborgen werden. In der zurückliegenden Saison gab es nach Auskunft des Rettungsschwimmer-Clubs von Phuket 15 Badetote. Darunter waren drei Deutsche.
Rip-Strömung kann zur Todesfalle werden
Das Problem beim Badeunfall von Klaus Z. und den anderen war die sogenannte Rip-Strömung. Sie entsteht so: Die Wellen strömen in eine Bucht. In ihr gibt es Sandbänke oder Felsen. Das Wasser fließt darüber, kann aber nicht gleichmäßig zurückströmen. Es sucht sich einen freien Korridor in der Mitte und reißt hier je nach Stärke Sand und eben auch Badegäste mit sich hinaus. "Man kann die Rip-Strömung gut erkennen. Das Wasser ist braun und fließt schnell hinaus in den Ozean und das bringt die Gefahr mit sich", erklärt der Leiter des Rettungsschwimmer-Clubs von Phuket Prathaiyuth Chuayuan. Die Rip-Strömung ist kein regionales Problem der thailändischen Insel, sondern ein weltweites. 80 Prozent aller Rettungseinsätze an Meeren gehen auf Rip-Strömungen zurück. Auch in anderen beliebten Urlaubsgebieten treten sie auf, auf Mallorca zum Beispiel. Als gefährlich gilt der Meeresabschnitt zwischen Son Baulo und Son Serra de Marina im Nordosten der Insel. Gefährlich ist auch die Famara Bucht auf Lanzarote im Atlantik und der Playa de Nogales auf La Palma.
Unzureichende Hinweise im Reisekatalog
Reise-Veranstalter hängen das nicht gern an die große Glocke. Zwar werden Ausstattung und Lage der Hotels in Katalogen ausführlich beschrieben, aber Warnungen zu gefährlichen Ständen gibt es nur im Kleingedruckten. In einem Katalog heißt es: "Auf Phuket kann es vor allem im Norden (...) teilweise zu starken Unterströmungen und verstärktem Wellengang kommen." Doch vor den gefährlichen Stränden im Westen der Insel wird nicht gewarnt. Reiserechtler Ronald Schmid hält solche Hinweise für zu versteckt und zu unpräzise. Warnhinweise, die Leib und Leben des Touristen betreffen, so der Experte, gehören im Katalog direkt an das Hotel und den jeweiligen Strand.
Unmotivierte Rettungsschwimmer
Wer an Thailändischen Stränden in Lebensgefahr gerät, kann nur bedingt auf die Hilfe der Rettungsschwimmer bauen. Vor Ort sehen wir, dass sie statt den Strand zu beobachten, lieber Fußball spielen. Ein Grund für die fehlende Motivation könnte die schlechte Bezahlung sein. Nach Auskunft des Lebensretters von Klaus Z. beträgt das Anfangsgehalt eines Rettungsschwimmers 8.000 Bath pro Monat, also knapp 200 Euro. Fast das Doppelte verdiene er als Angestellter im JetSki-Verleih. Auch die Ausstattung der Rettungsschwimmer ist eher spartanisch. Statt Rettungsboote gibt es nur Surfbretter. Trotz dieser Unzulänglichkeiten, sind aber auch Fortschritte bei der Sicherheit am Strand zu erkennen. An einigen Stränden wird mittlerweile mit Schildern vor den Rip-Strömungen gewarnt. Bei unserem Vororttermin am Strand von Phuket sehen wir auch, dass bei unruhiger See rote Flaggen gesetzt werden, um den Urlaubern Gefahr beim Baden zu signalisieren. Wir werden auch Zeuge, wie ein Rettungsschimmer einen Touristen aus dem Wasser rettet.
