Umschau

Umschau | 13.09.2011 | 20:15 Uhr : Naturkatastrophen: Wie sicher die Stromnetze sind

Unwetter treten in Deutschland immer häufiger auf und richten Schäden in Millionenhöhe an. Die Kraft des Sturmes wirft Bäume und Strommasten um. Das führt immer wieder zu Stromausfällen in tausenden Haushalten und wirft deshalb die Frage auf, wie katastrophensicher unsere Stromnetze sind.

Wie verwundbar die deutschen Stromnetze sind, zeigen viele Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit. Nach dem Unwetter am 11. September 2011 waren Tausende von Haushalten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg ohne Strom. Im Münsterland ließen im November 2005 starke Schneefälle und Blitzeis Fernleitungsmasten zusammenbrechen. Danach waren 250.000 Menschen vier Tage und Nächte ohne Energieversorgung. Nur in den wichtigsten Einrichtungen wie Lebensmittelgeschäften wurde die Versorgung mühsam aufrecht erhalten. Technisches Hilfswerk und Bundeswehr lieferten stundenweise Energie aus Notstromaggregaten.

Aber nicht nur Naturgewalten führen zu Stromausfällen. Im November 2006 kam es in Nordwestdeutschland zu einer Netzüberlastung, weil eine Stromleitung über die Weser abgeschaltet werden musste. Das war notwendig, weil ein Kreuzfahrt-Schiff von der Papenburger Meyer-Werft gen Nordsee überführt wurde. Von diesem Stromausfall waren in Deutschland, Belgien und Frankreich insgesamt zwölf Millionen Menschen eine Stunde lang betroffen.

Experten: Unzureichender Katastrophenschutz

Nach der Winterkatastrophe im Münsterland 2005 ließ die Bundesregierung die Sicherheit der deutschen Stromnetze untersuchen. Im Abschlussbericht heißt es, dass ein Stromausfall "als ein Schlüsselszenario zu verstehen" sei. Die mittelbare und unmittelbare Eintrittswahrscheinlichkeit wird mit "hoch" eingestuft. Der Bundestagsabgeordnete Gerold Reichenbach (SPD) hat an dem Bericht mitgewirkt. Er kommt nach Analyse der Vorfälle im dünn besiedelten Münsterland zu dem Schluss, dass Katastrophenschützer bei einem Stromausfall in einer Großstadt ganz schnell an den Rand ihrer Kapazitäten kämen. Im April dieses Jahres wurde ein weiterer Untersuchungsbericht zum Thema Stromnetzsicherheit veröffentlicht, der vom Deutschen Bundestag initiiert worden war und zu einem besorgniserregenden Ergebnis kommt: "Die Folgeanalysen haben gezeigt, dass bereits nach wenigen Tagen im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen ist."

Staat und Bevölkerung unterschätzen Gefahren

Ein Blick in die privaten Haushalte zeigt, wie lebensnotwendig Energie für den Alltag ist. "Das fängt beim Kochen an und endet bei der Wasserversorgung. Auch Pumpen in Hochhäusern arbeiten nur mit Strom. Die Heizung funktioniert dann nicht mehr. Kläranlagen werden lahmgelegt", zählt Gerold Reichenbach auf und kommt wie der Bericht zu dem Schluss: "Das heißt, es wird ein völliger Zusammenbruch dessen, was wir aus dem alltäglichen Leben an Versorgung kennen." Noch erschreckender sei das Ergebnis, dass weder Staat noch die Bevölkerung darauf wirklich vorbereitet seien. Gerold Reichenbach unterstreicht: "Die Gefahr ist gerade, dass man sich darauf verlässt, dass Energieversorgung und Kommunikation immer da ist, aber, was man völlig übersehen hat ist, dass die Risiken schleichend gestiegen sind." Der Expertenbericht kommt zu dem Schluss, dass sich vermutlich erst im Ernstfall zeigen wird, wo die Schwachpunkte im System sind.

Vorsorge-Tipps für den Stromausfall

Jeder Haushalt kann privat für den Ausfall von Öl-, Gas-, Fernwärme- oder Stromversorgung vorsorgen. Hier ein paar Tipps aus der Broschüre "Für den Notfall vorgesorgt" vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe:

  • Kleinere Mahlzeiten lassen sich auch mit einem Spiritus- oder Trockenspirituskocher zubereiten. Auch Grill- und Holzkohle können unter Umständen hilfreich sein.
  • Die fehlende Heizung kann über einen kurzen Zeitraum meist durch warme Kleidung ersetzt werden. Wer eine Heizung hat, die auch mit Kohle, Briketts oder Holz betrieben werden kann, sollte für den Notfall diese Brennstoffe bevorraten.
  • Bei Ausfall des elektrischen Lichts kann man sich mit Kerzen, Taschen- oder Petroleumlampen behelfen. In jedem Fall müssen auch hier die Vorräte an Kerzen, Brennstoffen, Ersatzbirnen für Taschenlampen, Batterien und die Zündmittel wie Streichhölzer oder Feuerzeuge überprüft werden.

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2011, 19:18 Uhr

Notfall-Vorsorge

Weitere Tipps zur Selbsthilfe gibt es in der Broschüre "Für den Notfall vorgesorgt" vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Interessierte können das Heft im Internet herunterladen oder per Post oder Telefon bestellen.

Post:
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
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