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Umschau | 09.10.2012 | 20:15 Uhr : Meteorologen wollen Stürme besser in den Griff bekommen

Der Stand der Meteorologie ermöglicht es, kurzfristig vor Stürmen zu warnen. So kann sich zwar jeder in Sicherheit bringen, doch Schäden gibt es immer noch viele und im großen Ausmaß. In einem Projekt will Prof. Uwe Ulbrich von der Freien Universität Berlin Sturmwarnungen verbessern, um mittelfristige und präventive Sturmschutzmaßnahmen zu ermöglichen. "Wir sind im Moment dabei, auch die längerfristigen Risiken, also die Wahrscheinlichkeiten für Stürme, einzuschätzen", so Prof. Ulbrich. Zum einen ist das eine saisonale Vorhersage für die nächsten sechs Monate. Zum anderen versuchen sich die Berliner Meteorologen an einer Risikoeinschätzung für die nächsten zehn Jahre. Dazu laufen derzeit erste Experimente. Für die längerfristige Risikoeinschätzung fließen erstmals Daten aus der Versicherungswirtschaft in die Untersuchung ein. Zahlen zu Versicherungsschäden liefern den Wissenschaftlern wichtige statistische Hinweise. 

Landkarte von deutschland in den Farben organge, gelb und rot.
Schadenersatz pro Winterhalbjahr 1997 - 2007. Je dunkler der Farbton, desto höher der Schaden; Datenquelle: Freie Universität Berlin und Gesamtverband der Versicherungswirtschaft

Stürme folgen Rhythmen

Überraschenderweise haben Häufigkeit und Stärke von Stürmen nicht zugenommen. Die Forschungen zeigen, dass starke Stürme offenbar gewissen Regelmäßigkeiten folgen. Eine bedeutende Rolle spielt dabei die sogenannte Nordatlantik-Oszillation. Mehr Stürme gibt es, wenn der Druckunterschied zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch groß ist. Ist der Unterschied geringer, stürmt es weniger. Prof. Uwe Ulbrich: "Diese Beziehung hat eine direkte Auswirkung auf Sturmintensität und Sturmhäufigkeit. Und gerade in den 1990er-Jahren hat das eben zugenommen. Jetzt  hat die Nordatlantikoszillation wieder abgenommen, auch das Sturmrisiko und die Sturmhäufigkeiten sind danach in den letzten Jahren wieder deutlich niedriger geworden."

Städteplanung und Architektur kann Sturmschäden eindämmen

Weil man nun weiß, dass man auch künftig in bestimmten Abständen mit starken Stürmen rechnen muss, suchen Wissenschaftler nach vorbeugendem Sturmschutz. In Hamburg steht der größte Windkanal Europas. Dort haben Wissenschaftler für ein Experiment die Hamburger Innenstadt maßstabsgetreu nachgebaut. Mit einem künstlich erzeugten Sturm im Miniformat wurde gezeigt, wie sich der Wind ausbreitet. Sobald er auf steile Gebäudekanten trifft, kommt es zu Verwirbelungen. Je höher das Haus, desto stärker sind die Verwirbelungen in Bodennähe und im Dachbereich. Die Folge sind starke Kräfte, die auf Gebäude, Fahrzeuge und Menschen wirken und große Schäden anrichten können. Die Forscher haben durch Experimente herausgefunden, dass man diesen Effekt eindämmen kann, wenn man Häuser mit stufenförmigen Oberkanten baut. Es kommt zu weniger Verwirbelungen im Dachbereich und die Böen werden für Fußgänger und Nachbarhäuser nicht zum Problem. Der Orkan Kyrill hätte in einer so geplanten Stadt weniger Schäden angerichtet, meinen die Hamburger Wissenschaftler.

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Meteorologen wollen Stürme besser verstehen

Vor fünf Jahren fegte der Orkan Kyrill über Europa hinweg. Professor Uwe Ulbrich untersucht Stürme genauer, um Sturmwarnungen zu verbessern und Schutzmaßnahmen zu ermöglichen.

09.10.2012, 20:15 Uhr | 05:12 min

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2012, 21:33 Uhr

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