Umschau | 05.06.2012 | 20:15 Uhr : Sperrungen an Tagebauseen wegen neuer Einsturzgefahren
Nach Erdrutschen an mitteldeutschen Tagebauseen bewerten die Verantwortlichen die Gefahrenlage neu. Das führt dazu, dass Seen gesperrt oder verzögert freigegeben werden. Doch das Risiko ist nicht überall gleich.
Der Silbersee gehört zum neuen Lausitzer Seengebiet um Senftenberg und Hoyerswerda. Nach der Schließung der Braunkohletagebaue begann auch hier die Renaturierung: Durch Flutung entstanden hier sogenannte Tagebaurestloch-Seen, die als Naherholungsgebiete dienen sollten. 30 Jahre lang war am Silbersee das Baden erlaubt. Doch seit einigen Jahren ist das verboten. Auch andere Tagebaurestloch-Seen, die bereits freigegeben waren, wurden wieder gesperrt. Und bei einigen Seen, die noch geflutet wurden, verzögerte sich die Freigabe, zum Beispiel der Geiseltalsee bei Merseburg. Er ist seit 2011 komplett geflutet, doch erst jetzt ist ein kleiner Teil des Sees freigegeben.
Unfälle führen zur erneuten Sicherheitsüberprüfungen
Zwei Unglücken an solchen Tagebaurestloch-Seen führten zu einer neuen Bewertung der Gefahrenlage und damit zu den Sperrungen und verzögerten Freigaben. Der erste Unfall war der Erdrutsch von Nachterstedt in Sachsen-Anhalt im August 2009. Dabei starben drei Menschen. Das zweite Ereignis war ein riesiger Grundbruch im Oktober 2010. Dabei rutschten an einem See in Spreetal in der Lausitz mehrere Hektar Uferböschung in den See und begruben vier Lkws unter sich. Wie durch ein Wunder gab es keine Todesopfer. Nach diesen beiden Katastrophen wurden alle ehemaligen Tagebaue im mitteldeutschen Braunkohlegebiet erneut überprüft. Dabei fanden die Experten neue, bislang unbekannte Gefahren. Die lauern vor allem an den Rändern der Löcher, den sogenannten Innenkippen. Wenn Regen und Grundwasser die in der Lausitz verbreiteten sandigen Böden aufweichen, rutscht das Gelände ab und die Ufer stürzen ein. Für Menschen kann der Aufenthalt dort lebensgefährlich werden.
Die meisten Tagebauseen Mitteldeutschland sind sicher
Doch wie der Senftenberger See oder Geierswalder See zeigen, haben auch dort nicht alle Gewässer mit diesem Problem zu kämpfen. An diesen Seen blüht der Wasser-Tourismus auf. Auch an der Goitzsche bei Bitterfeld und im Südraum von Leipzig werden die Seen bedenkenlos genutzt. Hier gibt es keine Gefahrenzonen und daher auch keine Sperrungen. Der Grund: Die Böden dieser ehemaligen Tagebaue enthalten Lehm und Ton und weichen nicht so schnell auf wie die sandigen Böden der Lausitz.
Sanierung soll die Sicherheit erhöhen
Das Ufer des Silbersees wird jetzt saniert. Mit teurer Technik werden Sand und Gestein ins Erdreich gerüttelt und der Boden verdichtet. Bis zu vier Jahre könnte der See gesperrt bleiben, andere Seen sogar noch länger. Für alle, die hier vom Tourismus leben wollten, ist das eine Katastrophe. Denn an einem gesperrten See bleiben die Gäste aus.

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