Umschau

Umschau | 14.02.2012 | 20:15 Uhr : Im Test: Rohrreinigungsdienste

Bei einer verstopften Toilette hilft meistens nur der Profi. Die meisten Rohrreinigungsfirmen versprechen neben schneller Hilfe auch günstige Preise. Bei manch einer getesteten Firma war das Ergebnis aber alles andere als sauber.

Verstopfte Toilette

Für unseren Test präparieren wir eine Rohrverstopfung. Dabei unterstützt uns Reinhard Hofstetter. Er ist Sachverständiger einer Handwerkskammer in Sachen Rohrreinigung. Im Keller eines Einfamilienhauses stopfen wir zwei Putzlappen in den Abwasserschacht. Das Ergebnis: In der Toilettenbecken steht das Wasser und kann nicht mehr ablaufen. Der Experte weiß, wie diese Verstopfung beseitigt werden muss. Nach seiner Expertenmeinung benötigt man eine Rohrreinigungsmaschine. Den Zeitaufwand kalkuliert er mit 30 bis 45 Minuten und die Gesamtkosten mit 120 bis 140 Euro.

1. Testkandidat: kleines Unternehmen aus der Region

Als erstes testen wir einen kleinen regionalen Anbieter. Der will mit einer elektrischen Rohrspirale die Verstopfung über den Reinigungsschacht im Garagenboden beseitigen. Nach knapp 30 Minuten hat dieser Notdienst die Verstopfung beseitigt. Die Rechnung: 136,85 Euro. Der Experte Hofstetter ist mit dieser Leistung zufrieden. "Verkehrt gemacht hat er nichts", resümiert er. Der Preis liegt innerhalb des Preiskorridors.

2. Testkandidat: bundesweit tätige Kette rechnet nach Einsatzmetern ab

Wir präparieren den Kanal erneut. Auch der zweite Kandidat scheint alles richtig zu machen, benötigt ebenfalls nur 30 Minuten. Doch dann misst der Mann die Entfernung zur Straße ab. Er will offenbar nicht nach Stunden, sondern nach Einsatzmetern abrechnen. Das ist für den Kunden meist teurer. In diesem Fall sind es nach Auskunft des Rohrreinigers 22 Meter je 6,39 Euro. Hinzu kommt An- und Abfahrt. Unterm Strich sind des 211,81 Euro. Das sind rund 70 Euro mehr, als die erste Firma verlangt hat.

3. Testkandidat: Anbieter mit Pauschalpreis – Vorsicht geboten

Diese Firma bietet einen Pauschalpreis von 239 Euro an. Die Kosten für die An- und Abfahrt sind darin bereits enthalten. Auch hier dauert der Einsatz nur eine halbe Stunde. Aus der Sicht des Experten ist das ein überhöhter Preis. Die Firma rechtfertigt sich damit: "Im Internet können Sie auf unserer Homepage nachlesen, welche aktuellen Pauschalpreise wir in Rechnung stellen, u.a. für eine Hauptleitung 239 Euro."

Diese Summe war zwar bekannt. Aber viele Verbraucher können nicht einschätzen, ob ein Festpreis angemessen ist. Fachleute warnen vor Pauschalangeboten.

4. Testkandidat: Filiale eines internationalen Entsorgungskonzerns

Der Handwerker findet einen der beiden versteckten Putzlappen nach kurzer Zeit. Doch damit ist die Verstopfung noch nicht behoben. Der Mann macht weiter. Nach zwei Stunden ist er fertig. Der Experte meint, dass war kein Zeitschinden, sondern wirkliche Hilflosigkeit des Monteurs. Am Ende stellt der 27 Meter Spiralen-Einsatz zu je rund zehn Euro in Rechnung. Und er verlangt 25% extra, weil der Einsatz nach 16 Uhr erfolgte. Der Endbetrag liegt bei 443 Euro. Das Expertenurteil von Hofstetter: "Für zwei Stunden Arbeitsaufwand ist das einfach zu viel." Der Entsorgungskonzern meint aber, dass die Rechnung nicht zu beanstanden sei und verweist dabei auf seine Geschäftsbedingungen. Die akzeptiere der Kunde mit seiner Unterschrift auf dem Auftrag, heißt es auf unsere Anfrage.

Fazit

Vier Notdienst-Firmen haben wir getestet. Die Billigste stellte 136 Euro in Rechnung, die Teuerste 443 Euro. Das sind mehr als drei Mal so viel. Unser Experte Hofstetter rät deshalb: "Wer das Gefühl hat, dass er richtig abgezockt wurde, sollte auf jeden Fall auf den Zettel, den er bekommt, den Vermerk ‚unter Vorbehalt bezahlt’ schreiben. Dann sollte er sich an die Handwerkskammer oder die Innung wenden. Da wird ihm dann bestimmt geholfen."

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2012, 19:29 Uhr

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