Umschau | 05.06.2012 | 20:15 Uhr : Wie Hersteller auf schlechte Testergebnisse reagieren
Was tut ein Unternehmen, wenn ein Produkt bei einem Test nicht gut abschneidet? Im besten Fall macht es das Erzeugnis besser. Bei der "Stiftung Warentest" und bei "Ökotest" weiß man allerdings, dass das keineswegs die Regel ist.
Die Testsiegel der "Stiftung Warentest" oder von "Ökotest" haben Gewicht. Wird ein Produkt mit "sehr gut" oder "gut" bewertet, fördert das auch seinen Verkauf. Darum versehen die Hersteller ihre Waren auch gerne mit den Testsiegeln - bei positiver Bewertung. Wie verhalten sie sich aber, wenn ein Produkt den Test nicht gut besteht und mit "mangelhaft" oder "ausreichend" abschneidet?
Problem behoben
Im besten Fall verbessern sie das Produkt. So hat zum Beispiel ein Hersteller von Kinderspielzeugen die beanstandeten Mängel behoben. Auch Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen haben nach einem Test verbraucherunfreundliche Klauseln aus ihren Verträgen gestrichen.
Rechtliche Schritte
Eigentlich sollte dies auch die normale Reaktion sein, wenn man seinen Kunden nur einwandfreie Ware anbieten will. Doch die Tester wissen aus Erfahrung, dass manche Unternehmen lieber versuchen, mit rechtlichen Schritten gegen schlechte Testergebnisse vorzugehen. Der Hersteller Weihenstephan etwa wollte nicht hinnehmen, dass sein Erdbeer-Joghurt nur ein "mangelhaft" erhielt. Er hatte dem Produkt "natürliches Erdbeeraroma" bescheinigt. Die im Test festgestellten künstlichen Aromen führten aber zur schlechten Bewertung. Das Molkereiunternehmen versuchte, mit einer einstweiligen Verfügung die weitere Veröffentlichung des Testurteils zu verhindern - und scheiterte. Dies ist kein Einzelfall. Als das Handbuch "Medikamente" erschien, stellte die Pharmabranche 60 Anträge auf einstweilieg Verfügungen gegen die "Stiftung Warentest".
Diskreditieren
Nicht immer schlagen Hersteller den Rechtsweg ein, um sich gegen schlechte Testergebnisse wehren wollen. Einige versuchen auch, die Ergebnisse schlecht zu reden. Zum Beispiel mit PR-Mitteln. So werden etwa den Testern veraltete Methoden unterstellt oder andere Institute damit beauftragt, den Test zu widerlegen. Dabei werden bei der "Stiftung Warentest" im Vorfeld in einem sogenannten Fachbeirat die Rahmenbedingungen der Tests besprochen. Diesem Beirat gehören neben Sachverständigen und Verbrauchervertretern auch Vertreter der Hersteller an. Darüber hinaus werden die Hersteller rechtzeitig über das Prüfprogramm informiert und haben die Möglichkeit, Ergänzungswünsche zu äußern. Noch bevor der Test überhaupt begonnen hat, wissen die Unternehmen also bereits detailliert, wie ihre Produkte untersucht werden. Würden tatsächlich alte Methoden zur Anwendung kommen, hätten sie die Möglichkeit gehabt, eine Änderung anzuregen.
Abwarten und nichts tun
Manche reagieren auch gar nicht. In einer Giraffe von Vulli, auf der Babys ohne Gefahr kauen sollten, weil sie zu 100 Prozent aus natürlichem Kautschuk bestehen sollte, fand "Ökotest" mehrere gefährliche Schadstoffe. Im Magen von Kindern hätten sich diese Stoffe zu einem krebserregenden Schadstoff umwandeln können. Der Hersteller unternahm daraufhin - nichts. Erst nach der Prüfung durch eine staatliche Kontrollbehörde, bei der der Gehalt an schädlichen Weichmachern 18-fach überschritten wurde und Strafanzeige gegen den Hersteller erstattet wurde, zeigte sich Vulli einsichtig und rief die Kautschukgiraffe vom Markt zurück. Neu produzierte Giraffen sollen jetzt schadstofffrei sein.

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