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Umschau | 08.01.2013 | 20:15 Uhr : Teure Tickets

Warum manche Rockkonzerte kaum noch bezahlbar sind

Den Lieblingsstar live auf der Bühne zu erleben, ist für viele ein beliebtes Freizeitvergnügen. In den letzten Jahren ist es allerdings auch ein teures geworden. Dreistellige Kartenpreise sind keine Seltenheit mehr. Wer zum Beispiel Depeche Mode auf ihrer aktuellen Tour live sehen will, muss um die 100 Euro für eine Karte einplanen. Robbie Williams verlangt pro VIP-Ticket sogar rund 400 Euro. Doch warum sind die Preise für Live-Auftritte so gestiegen?

Bis zum Ende des letzten Jahrtausends wuchs die Tonträgerindustrie stetig. Die Schallplatte wurde von der CD abgelöst und der begeisterte Musikfan kaufte brav die Alben seiner Stars im Laden.

Robbie Williams singt für die Queen
VIP-Karten für Robbie Williams kosten um die 400 Euro. Dieses Konzert allerdings war ein Geschenk zum Kronjubiläum der Queen.

Doch ungefähr seit 1998 etablierte sich eine zunehmende Anzahl von Musiktauschbörsen im Internet und ein Schattenmarkt entstand. Die Nutzer dieser Musikplattformen stellten ihre eigene digitale Musikbibliothek allen anderen zur Verfügung und konnten dafür im Gegenzug selbst Musik herunterladen. Das passierte meist illegal und im weltweiten Tausch. Die Umsätze der Plattenfirmen gingen zurück und in der Folge verdienten auch die an den Umsätzen beteiligten Musiker weniger.

Erst als ab 2003 legale Musikbörsen begannen, im Internet Musik zu verkaufen, stiegen auch wieder die Umsätze der Tonträgerindustrie. Dennoch können die Einnahmen über digitale Vertriebswege bis heute nicht die Verluste des traditionellen Marktes ausgleichen. Nach wie vor wird über illegale Tauschbörsen mehr Musik heruntergeladen als von offiziellen Musikanbietern.

Die Crux mit den Live-Veranstaltungen

Das hat auch Auswirkungen auf die Konzerttickets. Live-Konzerte waren einst eine Art Werbeveranstaltung für die neueste Scheibe eines Musikers. Heute ist es eher umgekehrt. Die Konzert-Tournee ist zum Ereignis geworden, während die CD als Werbeträger dient. Die Live-Veranstaltungen haben sich also zur Haupteinnahmequelle der Plattenfirmen entwickelt. Mit anderen Worten: Die Musikindustrie erwirtschaftet den größten Teil ihrer Umsätze mit dem Verkauf von Tickets. Kein Wunder also, dass die Plattenfirmen auch in die Rundum-Vermarktung ihrer Künstler einsteigen und im Zuge deren Konzertveranstalter und Künstlermanagementfirmen aufkaufen.

Das Konzert als Ereignis

Der Live-Auftritt der Lieblingsband ist für die Fans einmalig und lässt sich auch nicht downloaden oder kopieren wie eine Musikdatei. Auf diese Einzigartigkeit setzt die Musikindustrie.

Konzertkarte wird geprüft
Konzertkarten sind zur Haupteinnahmequelle der Musikindustrie geworden.

Aber auch die Künstler beeinflussen die Entwicklung der Kartenpreise. Und ihre Verluste beim CD-Verkauf wettzumachen, fordern sie höhere Gagen. Dadurch haben sich die Konzertkarten in den letzten Jahren um durchschnittlich ein Drittel verteuert. Vor allem für Superstars wie die Rolling Stones, Madonna oder Robbie Williams scheint den Fans nichts zu teuer zu sein. Darum können diese Top Acts nahezu unbegrenzte Preise für ihre Konzerte verlangen. Schließlich wollen die Zuschauer ihre Stars sehen und sind bereit, dafür viel Geld auszugeben.

Gespart wird dann bei den mittelgroßen Bands. Die ganz kleinen Bands, die nur durch Live-Auftritte überleben können, haben es besonders schwer, denn ihnen fehlen Auftrittsmöglichkeiten und Zuschauer. Diese Bands zahlen ihre Touren oft selbst, bis sie sich die Fangemeinde erspielt haben, die sie auf die nächstgrößere Bühne katapultiert - bis vielleicht einmal eine Plattenfirma auf sie aufmerksam wird. Erst dann werden auch die Tickets teuer. Mal bei den kleinen Bühnen vorbeizuschauen kann sich also lohnen.

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Konzerttickets bald unbezahlbar?

Über CD-Verkäufe kommt nur noch wenig Geld in die Kassen von Plattenfirmen, Veranstaltern und Künstlern. Die Folge: Livekonzerte werden immer teurer.

08.01.2013, 20:15 Uhr | 05:57 min

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2013, 12:44 Uhr

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