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Umschau extra | 12.06.2012 | 20:15 Uhr : Klo verstopft – abgezockt

Ein Alptraum: Toilette verstopft, Überschwemmung, der Super-GAU im Badzimmer. Rohrreinigungsfirmen versprechen schnelle Hilfe. Im Branchenbuch oder im Internet werben sie großflächig: Notdienst rund um die Uhr. Aber wie seriös sind diese Firmen?

Verstopfte Toilette

Wir machen den Test: Eine Toilette wird mit mehreren Lagen Klopapier präpariert, so dass eine künstliche Verstopfung entsteht. Ein seriöser Notdienst sollte das rasch beheben können. Über eine versteckte Kamera beobachtet ein Sachverständiger für uns die Arbeit mehrerer Anbieter. Seiner Einschätzung nach sollte das Problem binnen einer Stunde behoben sein. Für diese Leistung hält er eine Rechnung über 80 bis 100 Euro für angemessen – die Mehrwertsteuer bereits inbegriffen.

Kandidat 1

Die Firma ist einer der Branchenführer. Sie wirbt bundesweit damit, schnell, preiswert und sauber zu arbeiten. Tatsächlich kommt der Monteur mit einer Stunde Verspätung und wirkt zunächst ratlos. Schließlich wählt er eine Methode, die unseren Sachverständigen nicht überzeugt. Mit einer Rohrfräse wurde die Verstopfung zwar gelöst, jedoch nur weiter in die Fallleitung gestoßen. Dort droht sie sich wieder festzusetzen. Die Forderung für diese Leistung, bei der neuerliche Probleme nicht unwahrscheinlich sind: 129 Euro.

Kandidat 2

Er wählt den einfachsten Weg und geht die Verstopfung mit einem so genannten "Pumpfix" an, der mit Luftdruck arbeitet. Nach nur acht Minuten ist das Problem gelöst, die Arbeit ist handwerklich in Ordnung – was man von der Rechnung nicht behaupten kann: 196 Euro sind üppig, und das Angebot sich mit 150 zu begnügen, wenn auf eine Rechnung verzichtet wird, kann man auch nicht als seriös bezeichnen – ein klarer Fall von Steuerhinterziehung.

Kandidat 3

Er wirbt mit "kostenloser An- und Abfahrt" sowie "fairen Preisen". Dafür rücken gleich zwei Mann an. Und die wollen auch beide bezahlt werden. 195 Euro lautet die Forderung. Zu viel, denn die korrekt ausgeführte Reinigung hätte auch einer alleine bewältigt. Da eine Monteurstunde in dieser Branche normalerweise mit rund 35 Euro zu Buche schlägt, wurde außerdem erheblich zu viel Arbeitszeit berechnet.

Kandidat 4

Er kommt alleine, stellt aber eine noch höhere Forderung: 219,92 möchte er in bar haben. Seine Rechnung: "An- und Abfahrt, eine Stunde, plus 12 Euro 40 der laufende Meter und der Notdienst sind 29,50." Hier wird doppelt abkassiert, nämlich einmal pro Arbeitsstunde und einmal pro Meter. Korrekt wäre nur eine der beiden Abrechungsmethoden.

Kandidat 5

Der Monteur ist nach einer halben Stunde da. Sein Vorgehen macht auf unseren Sachverständigen einen guten Eindruck. Nach 30 Minuten ist er fertig, nimmt sich aber weitere zehn Minuten, um alles gründlich sauber zu machen und sogar zu desinfizieren. Dafür berechnet er drei Viertel seines Stundensatzes von 36 Euro, eine halbe Stunde für die Fräsmaschine, Fahrtkosten und die Mehrwertsteuer – zusammen 86 Euro. Gute Arbeit zum fairen Preis – so sollte es sein.

Unser Fazit

Seriöse Anbieter sind offenbar eher die Ausnahme als die Regel. Vier von fünf Firmen in unserem Test sind nicht empfehlenswert. Sie arbeiteten schlampig und zu völlig überzogenen Preisen. Offenbar machen viele Abfluss-Dienste mit der Notsituation ihrer Kunden schamlos Geschäfte.

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Rohr zu - Geldbörse auf

Wenn die Toilette verstopft ist und das Bad langsam voll Wasser läuft, herrscht Alarmstufe Rot. Wir haben getestet, wie gut in diesem Fall der Notdienst arbeitet.

12.06.2012, 20:15 Uhr | 07:15 min

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2012, 21:45 Uhr

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