Umschau | 18.10.2011 | 20:15 Uhr : Internethandel mit Treuepunkten: Prämien auch für untreue Kunden
Viele Händler wollen die Kunden an sich binden und belohnen Einkäufe mit sogenannten Treuepunkten. Wer genug zusammen hat, kann ein Produkt aus dem aktuellen Treuesortiment zu einem Vorzugspreis kaufen. Wir haben recherchiert, ob sich Treue lohnt.
Bei der Lebensmitteleinzelhandelskette Rewe bekommt man für einen Umsatz von fünf Euro einen Treupunkt. Davon muss man 30 sammeln bzw. für 150 Euro einkaufen, um ein Produkt zum Vorzugspreis aus dem Treusortiment erstehen zu können. Im Rewe-Treusortiment sind derzeit WMF-Küchenartikel wie Schnellkochtöpfe, Toaster, Besteck und Geschirr. Im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers kosten sie für treue Kunden etwa die Hälfte. Ähnliche Treueaktionen bieten derzeit auch die Supermarktkette Real und der Baumarktbetreiber Obi.
Punkte sammeln im Internet günstiger als im Supermarkt
Für Stammkunden der Händler lohnt sich das. Es lohnt sich jedoch nicht, extra wegen der Treueprämien einzukaufen, wenn es beispielsweise bei den Discountern den Einkauf günstiger gibt. Wer ohne Einkauf Punkte sammeln möchte, wird im Internet fündig. Bei Ebay gibt es eine Vielzahl von Treuepunkt-Anbietern. Wir kaufen 30 Real-Punkte für 2,22 Euro, 120 Rewe-Punkte für fünf Euro und 30 Obi-Punkte für 16 Euro. Kurze Zeit später liegen die Treuepunkte in unserem Briefkasten. Alle sind echt. Bei Rewe wollen wir dafür den Schnellkochtopf kaufen. Dafür zahlen wir 69 Euro und legen unsere 30 der 120 Rewe-Punkte vor, die wir für fünf Euro bei Ebay ersteigert haben. Das heißt, insgesamt kostet uns der Topf nur 74 Euro. Im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers (159 Euro) ist das weniger als die Hälfte. Im Vergleich zum günstigsten Preis im Internet (85,71 Euro) gibt es immer noch einen Preisvorteil. Ähnlich sparen wir auch bei der Supermarktkette Real und im Baumarkt Obi.
Zweifelhafte Herkunft der Treupunkte im Internethandel
Als wir bei Ebay nach Treuepunkten suchen, merken wir schnell, dass es einen schwunghaften Handel damit gibt. Da werden bis zu 3.000 Rewe-Punkte aus einer Hand angeboten. Dafür müsste man Waren im Wert von 15.000 Euro bei Rewe eingekauft haben. Da die Aktionen zeitlich auf wenige Monate begrenzt sind, schafft das auch keine Großfamilie. Woher stammen die Punkte dann, wenn nicht aus einem Einkauf? Der Frage gehen wir bei einem Treffen mit einem Ebay-Händler nach. Er bietet uns 1.500 Rewe-Punkte für 45 Euro an. Bei einem Treffen erklärt er uns, dass er die Punkte bei Ebay ersteigert habe, um sie weiterzuverkaufen. Der Mann erscheint nicht glaubwürdig. Wir haben Zweifel an der Geschichte. Kurz darauf entdecken wir in der Nähe unseres Treffpunktes einen Rewe-Markt und haben einen Verdacht: Vielleicht arbeitet die Frau des Mannes dort? Wir fragen nach und der Verdacht bestätigt sich. Das hat unser Ebay-Verkäufer mitbekommen und fragt, was wir im Rewe-Markt gemacht haben. Als wir ihm gegenüber den Verdacht äußern, dass seine Frau die Quelle für die Rewe-Punkte sein kann, streitet er das ab. Doch unsere Zweifel kann er nicht ausräumen. Vermutlich sind die Treuepunkte für manche Mitarbeiter ein kleines Nebengeschäft.
Punktesystem ohne Kontrolle
Bei unseren Recherchen scheint es, als sei Kontrolle über die Vergabe der Punkte offenbar gering. Das zeigt auch ein weiteres Beispiel. Bei Obi kaufen wir Bohrhammer für rund 300 Euro. Dafür bekommen wir an der Kasse 30 Treuepunkte. Diese werden sogar auf dem Kassenzettel vermerkt. Wenig später bringen wir den Bohrhammer wieder zurück, monieren das Gerät als Fehlkauf. Und bekommen die 300 Euro zurückgezahlt. Nach den Treuepunkten fragt niemand. Die dürfen wir behalten, kleben sie ins Sammelheft und fahren zum nächsten Obi. Und dort kaufen wir jetzt eine Akku-Astschere aus dem Treuesortiment. Statt der sonst fälligen 149,99 Euro zahlen wir an der Kasse nur 30 Euro.
