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Umschau | 18.09.2012 | 20:15 Uhr : Unfallrisiko - Wie moderne Technik Autounfälle verhindern soll

Eine Hauptursache bei Unfällen, die Senioren verursachen, liegt in der eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit älterer Menschen. Wissenschaftler der TU Chemnitz entwickeln seit Herbst vergangenen Jahres ein neues Warnsystem, um das Unfallrisiko zu vermindern. Sie setzen dabei auf Brems- und Fahrassistenten.

Feuerwehr bei Bergungsarbeiten nach einem schweren Verkehrsunfall auf der A 81, Ludwigsburg.

Wenn Senioren in einen Unfall verwickelt sind, dann haben sie diesen häufig auch verursacht. Das zeigen Zahlen aus dem Jahr 2010. Von allen Verkehrsteilnehmern über 75 Jahren, die an einem Unfall beteiligt waren, hatten ihn in drei von vier Fällen die Senioren verursacht. Für diese Altersklassen gibt es nach Untersuchungserkenntnissen des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft auch ganz typische Unfallszenarien. "Ältere Verkehrsteilnehmer verursachen Unfälle in Situationen, bei denen man eine hohe Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit braucht. Das sind Kreuzungs- und Einmündungsunfälle, wo sie mit verschiedenen Verkehrsteilnehmern zur gleichen Zeit zurechtkommen müssen", erklärt Unfallforscher Siegfried Brockmann. Das heißt, die optischen und akustischen Reize im Straßenverkehr nehmen zu. Gerade für alternde Menschen werden komplexe Wahrnehmung und schnelle Verarbeitung immer schwerer.

Serienreife Bremsassistenten helfen nur bedingt

Um das zu kompensieren, setzt die Autoindustrie seit Jahren auf die Entwicklung so genannter Fahrerassistenten. Einige sind schon serienreif. Volkswagen hat beispielsweise seinen neuen Kleinstwagen "Up" mit einem Notbremssystem ausgestattet. Andere sind noch in der Entwicklung. Die Forscher von Mercedes setzen auf eine hochauflösende Stereokamera. Die kann, im Gegensatz zum Menschen, überall gleichzeitig genau hinschauen. Sie erkennt Gefahren, selbst wenn sie von der Seite kommen. Das System errechnet Abstand, Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit. Das Fahrzeug weicht aus oder bremst automatisch. Beide Systeme funktionieren aber nur in der Stadt und bei einer Geschwindigkeit vom maximal 30 Kilometer pro Stunde.

Neuer Fahrassistent von der TU Chemnitz

An der Technischen Universität Chemnitz entwickeln Forschungsingenieure und Verkehrspsychologen seit Herbst vergangenen Jahres einen Fahrassistenten für Senioren. Der soll bei der Wahrnehmung von komplexen Verkehrssituationen und deren schneller Verarbeitung helfen. Dafür werden Fahrzeuge mit allen verfügbaren Sensoren ausgestattet. Diese kompensieren die Wahrnehmungsausfälle der Fahrer. Die Chemnitzer Software ersetzt dann die Defizite bei der Informationsverarbeitung. Sie sammelt und wertet alle Daten aus. Daraus werden Warnhinweise generiert, die auf die Windschutzscheibe projiziert werden. "Die Grundidee unseres Systems ist, die Informationen direkt sichtbar für den Fahrer im Bild vorne einzublenden, als würden die Informationen direkt auf der Straße liegen", beschreibt Verkehrspsychologin Franziska Hartwich den Ansatz. Bislang gibt es das System nur in einem Fahrsimulationsgerät der TU Chemnitz. Dort wurden Situationen wie das falsche Auffahren auf die Autobahn getestet. Das System hat sich dabei bewährt. Es hat u.a. an Verkehrsschildern das Fehlverhalten erkannt, darauf reagiert und die Warnmeldung mit einem "Durchfahrt-verboten"-Schild auf die Windschutzscheibe projiziert. Bis zur Serienreife des Systems wird noch einige Zeit vergehen.

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Gefahr erkannt?

Autofahrer, die älter als 75 Jahre sind, verursachen häufiger Unfälle als jüngere. Die Automobilindustrie arbeitet an Systemen, die zum Beispiel Geisterfahrten verhindern sollen.

18.09.2012, 20:15 Uhr | 06:08 min

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2012, 21:21 Uhr

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