Umschau

Umschau | 26.07.2011 | 20:15 Uhr : Luft in Kosmetikverpackungen

Wie groß darf eine Verpackung sein? Einige Kosmetikhersteller scheinen darauf nur eine Antwort zu kennen: so groß wie möglich. Denn Kosmetikschachteln sind oft viel größer als das Produkt. Doch ist das überhaupt erlaubt?

Eine Frau mit einem Geschenkpaket

Eine große Verpackung lässt viel Inhalt vermuten. Bei Kosmetikprodukten befindet sich neben dem Produkt allerdings nicht selten auch noch etwas anderes darin: jede Menge Luft. Was Verbraucher auf den ersten Blick nicht erkennen können, hat die "Umschau" jetzt zusammen mit Peter Schropp vom Eichamt Fellbach mit Röntgenaufnahmen sichtbar gemacht.

Kosmetik und viel Luft

Beim Durchleuchten der Waren wurde Erstaunliches zu Tage befördert. Da steckte etwa in einer großen Schachtel nur ein kleiner Flakon. Oder eine einzelne Tube befand sich in einer Verpackung, die so groß war, dass locker zwei Tuben hineingepasst hätten - und selbst die Tube war noch nicht einmal ganz voll. Eichämter kritisieren immer wieder solche übertriebenen Verpackungen:

"Es wird geprotzt. Dem Kunden soll suggeriert werden, bei mir bekommst du mehr für dein Geld."

Peter Schropp, Eichamt Fellbach

Verbraucher können den Schummel beim Kauf oft nicht aufdecken, da im Supermarkt die meisten Produkte nicht geöffnet werden dürfen. Auch durch Schütteln lassen sich oft keine Rückschlüsse auf den Inhalt ziehen, weil viele Verpackungen raffiniert konstruiert sind, wie Peter Kropp anhand der Verpackung eines Kosmetiktiegels demonstriert:

"Den Konstrukteuren der Verpackung gehört fast schon ein Diplom: Sie haben unter dem Produkt eine Aufstellfläche gemacht und darüber auch eine, um zu verhindern, dass der kleine Tiegel Geräusche macht, wenn man die Packung schüttelt. Beim Schütteln denkt man, top befüllt. Doch was haben wir wirklich? Jede Menge Hohlräume, sodass man sagen kann, da passen eigentlich zwei von den Tiegeln rein."

Peter Schropp

Wie groß darf eine Verpackung sein?

Laut Eichgesetz darf eine Verpackung nicht zu viel Inhalt vortäuschen, sonst ist es eine Mogelpackung. Eine DIN-Norm gibt die Maße vor. Danach ist zum Beispiel die Verpackung für eine kleine Nivea-Tube 127 Prozent zu groß. Auf Anfrage rechtfertigt sich der Hersteller Beiersdorf mit der Begründung, die Tuben oder Dosen selbst seien "zu klein, um alle wichtigen Daten und Fakten darauf abzudrucken. Daher verwenden wir entsprechend gestaltete und dimensionierte Schachteln, deren Größen allerdings manchmal größer ausfallen können, als das Produkt in Wirklichkeit ist."

Henkel lenkt ein

Auch eine Tube des Antifalten-Mittels "Diadermine" von Henkel ist deutlich überdimensioniert. Doch hier verspricht der Hersteller Besserung: "Aufgrund vereinzelter kritischer Anfragen von Verbrauchern ... haben wir uns bereits entschieden, die Faltschachtel zu optimieren, sodass das Produkt ab der nächsten Produktion in einer volumenreduzierten Verpackungsform angeboten werden wird."

Es geht also auch anders.

Von den Kunden bestärkt?

Ein Karton von Bogner, in dem sich neben einem Eau de Toilette und einem Duschgel für den Mann noch ein Prospekt und viel Einwickelpapier befinden, ist Peter Schropp zufolge sogar 309 Prozent zu groß. Doch bei Bogner ist man sich keiner Schuld bewusst. Stattdessen wird behauptet, man handele nach Verordnung, und noch ein weiterer Grund wird angeführt: "Die positive Rückmeldung unserer Kunden bestärkt uns in unserem Konzept." Für Peter Schropp dagegen bleibt der Karton eine klare Mogelpackung. Ist der Hersteller nicht einsichtig, wird der Eichbeamte ein Verfahren einleiten. Dann drohen Ordnungsgelder bis zu 10.000 Euro.

"Wir versuchen, das vom Markt zu beseitigen, indem wir mit den Herstellern reden. Indem wir, wenn es sein muss, auch Anzeigen erstatten und auch vor Gericht versuchen, das durchzusetzen."

Peter Schropp

Fast 500 Prozent zu groß

Die größte Luftnummer aber entdecken wir bei Dolce & Gabbana. Unterm großen Deckel befinden sich um eine Tube und einen Flakon stolze 491 Prozent zuviel Verpackung. Verbraucherschützer wollen so etwas aus den Geschäften verbannen.

"Die beste Lösung wäre, dass solche Hohlräume einfach verboten werden. Das heißt, es müsste eine Formel gefunden werden, die das mehr beschränkt. Man kann vielleicht sagen, 20 Prozent mehr Verpackung als Inhalt gehen noch. Damit könnten wir leben. Aber nicht so, wie es jetzt ist."

Silke Schwartau, Verbraucherzentrale Hamburg

Fazit: Ohne Röntgenblick landet beim Kosmetik-Kauf viel Luft im Einkaufswagen.

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2012, 20:44 Uhr

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK