Umschau

Umschau | 13.12.2011 | 20:15 Uhr : Neue Masche der Versicherungsbetrüger

Derzeit sind Kriminelle mit einer neuen Masche beim Versicherungsbetrug unterwegs. Sie suchen gezielt in Gebrauchtwagen-Portalen im Internet nach Autobildern, auf denen die polizeilichen Kennzeichen zu erkennen sind. Mit diesen Daten kassieren sie dann die Versicherungen ab und schädigen damit auch indirekt die Versicherungskunden.

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Thomas M. bekam Post von seiner Kfz-Versicherung. Die informierte ihn über die Übernahmen von Reparaturkosten von rund 1.200 Euro für einen Glasschaden an der Windschutzscheibe.

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Dieses Auto stand mit gut erkennbarer Nummer im Internet.

Das wunderte den Mann, denn er hatte gar keinen Schaden zu beklagen. Er rief bei seiner Versicherung an. Dort erfuhr er, dass seine Daten wie bei rund 150 anderen von Versicherungsbetrügern missbraucht worden sind. Alle Versicherungskunden hatten in den Wochen zuvor einen Pkw in Gebrauchtwagenportalen im Internet inseriert. Dabei hatten sie Fotos ihrer Fahrzeuge ins Netz gestellt, auf denen das polizeiliche Kennzeichen vollständig zu erkennen war. Das war ein Fehler.

Betrüger horchen Opfer aus und fälschen Rechnungen

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Auch Thomas M. hatte ein Bild seines Autos mit Nummernschild online gestellt. Später meldete sich ein neugieriger Anrufer.

Auf die Anzeige von Thomas M. hatten sich fünf Leute am Telefon gemeldet. Das Interesse war unterschiedlich. Der letzte kaufte den Wagen schließlich. Doch einer der Anrufer, so weiß Thomas M. jetzt, wollte nicht sein Auto, sondern nur seine Daten wie Name, Anschrift und die Versicherung des Autos. Die brauchte er, um die Versicherung mit einem vorgetäuschten Schaden abzukassieren. Außerdem gaben sich die Gauner als Werkstatt aus, in deren Namen die Rechnung für die vermeintliche Reparatur geschrieben wurde. Dieser Rechnung wurde außerdem eine gefälschte "Abtretungserklärung" beigelegt, in der der Versicherte angeblich erklärte, dass die Versicherung den Betrag direkt auf das Konto der Werkstatt zahlen soll.

Experte: Versicherungen begünstigen Betrug

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Detlev Burgartz, Experte für Versicherungsbetrug

Bei der Versicherung fallen diese Fälschungen nicht auf, weiß Detlev Burgartz, Experte für Versicherungsbetrug. Zum einen seien solche Abtretungserklärungen in der Praxis üblich, zum anderen erfolge die Überprüfung der Rechnungen nur noch maschinell, erklärt der Experte. Aufgrund des starken Wettbewerbs haben die Gesellschaften immer mehr Mitarbeiter eingespart. Das spielt den Tätern in die Hände, wie Burgartz meint: "Die Täter verfügen über tiefstes Insiderwissen. Sie wissen ganz genau, wie eine Rechnung auszuschauen hat, damit sie bei einer maschinellen Prüfung einer Versicherung nicht auffällt. Ich vermute, dass die Täter aus dem Kfz- oder Versicherungsbereich kommen."

Polizei tappt bislang im Dunkeln

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Polizeisprecher Lutz Flaßnöcke

Die Kontodaten hätten eine heiße Spur bei der Aufklärung sein können, doch sie lief bislang ins Leere. Polizeisprecher Lutz Flaßnöcker erklärt, dass die Betrüger Strohmänner mit der Eröffnung der Konten beauftragen würden. Die wiederum würden ihre Auftraggeber nur mit Spitznamen kennen. Der Schwindel selbst fliegt selten und oft nur durch Zufall auf. Im Fall von Thomas M. kam die Sache ans Tageslicht, weil er sich bei seiner Versicherung verpflichtet hatte, Reparaturen nur in einer bestimmten Vertragswerkstatt durchführen zu lassen. Die Versicherung meldete sich bei ihm, weil die Rechnung diesmal von einer anderen Werkstatt gekommen war.

Versicherungsbetrug lässt Prämien steigen

Der Schaden durch Versicherungsbetrug mit vorgetäuschten Glasbruchschäden geht inzwischen in die Millionen. Auch wenn die Versicherten wie Thomas M. davon nicht unmittelbar finanziell betroffen sind, haben die Versicherten doch die Last zu tragen: in Form von erhöhten Beiträgen.

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2011, 12:51 Uhr

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