Umschau | 17.01.2012 | 20:15 Uhr : Absturzrisiko: Vögel auf Distanz zu Flugzeugen halten
Das Flugzeug zählt zwar zu den sichersten Verkehrsmittel. Doch wenn es zu einem Vogelschlag kommt, kann es auch in der Luft brenzlig werden. Die Prävention solcher Unfälle geschieht oft am Rande der Legalität.
Jährlich entsteht der Luftfahrtbranche durch Vogeleinschläge ein Schaden bis zu 45 Millionen Euro. Erst im Oktober letzten Jahres musste eine Maschine der Fluglinie Condor zum Flughafen Hamburg zurückkehren, weil sie einen Greifvogel gestreift hatte.
Das bekannteste Beispiel eines Vogelschlags ist die Notlandung eines Airbus A320 im New Yorker Hudson-Fluss. Ein Schwarm Kanadagänse hatte zuvor die Flugbahn der startenden Maschine gekreuzt und beide Triebwerke zerstört. Dem Piloten Chesley Sullenberger blieb nur noch das Wasser des Hudson als einzig mögliche Landefläche. Tests von Triebwerksherstellern weltweit belegen, dass Vogelschlag ein ernst zu nehmendes Problem ist. Auch bei der Ausbildung der Piloten werden in speziellen Simulatoren solche Situationen nachgestellt.
Gefahrengebiet Flughafen
Bei Start- und Landung eines Flugzeugs ist die Gefahr eines Vogelschlags besonders groß, denn in einer Höhe von 1 bis 300 Metern kreuzen sich die Flugbahnen von Flugzeug und Vögeln. Beispiel Leipzig: Hier bereitet vor allem die Renaturierung der umliegenden Tagebauseen Probleme. Gewässer und Grünflächen locken vor allem Möwen an. In Frankfurt sind es eher der Main und die vielen Waldgebiete um den Flughafen, die Greifvögel wie Bussard und Turmfalken anziehen. Sie haben ihre Brutplätze im Wald und kommen zur Mäusejagd auf das Flughafengelände. Auch entlang des Mains sind große Vögel oft zur Nahrungssuche unterwegs. In Frankfurt soll deshalb ein weltweit einzigartiges Vogelerkennungssystem Zusammenstöße mit diesen Vögeln vermeiden. Es funktioniert mittels Internetüberwachung über Wärmebildgeräte. Das System ermöglicht, drohende Kollisionen mit Flugzeugen sekundengenau zu berechnen. Flugbahn, Geschwindigkeit und Höhe der Vögel reichen den Fluglotsen, um die Piloten rechtzeitig zu warnen. Diese Technik kostet aber etwa zwei Millionen Euro und wird deshalb nicht in jedem Flughafen eingesetzt.
Vogelschlagbeauftragte agieren am Rande der Legalität
Zusätzlich setzen Flughäfen spezielle Vogelschlagbeauftragte ein. Sie sollen gefährliche Großvögel vom Flughafen fernhalten. Neben jährlichen Beobachtungen und Analysen der Vogelpopulationen besteht ihre Hauptaufgabe im so genannten Biotop-Management. Dabei wird das Flughafengelände so umgestaltet, dass es möglichst unattraktiv für Großvögel ist, also ohne offene Wasserfläche, Müll oder Landwirtschaft. Entdeckt der Vogelschlagbeauftragte jedoch mehrere große Vögel auf einmal, kann er diese mit Pyrotechnik vergrämen, im Notfall sogar abschießen. Beim Abschuss bewegt er sich allerdings auf rechtlich unsicherem Terrain.
Laut Paragraph 29 Luftverkehrsgesetz ist es zwar erlaubt, bei drohender Gefahr auch geschützte Vögel zu jagen. Das steht aber in Widerspruch mit Paragraph 44 Bundesnaturschutzgesetz. Der verbietet es, geschützte Vögel zu bekämpfen. Das gilt zudem für die geschützten Beutetiere der Vögel, die eigentlich auch von Flughäfen ferngehalten werden müssten. Nur Ausnahmeregelungen seitens der Länder ermöglichen hier eine rechtlich saubere Arbeit der Vogelschlagbeauftragten. Um endlich bundeseinheitliche Regelungen gegen Vogelschlag zu schaffen, legt die Luftfahrtbehörde Hamburg nun im Namen aller Länder dem Bund ein Gutachten zur Gesetzesänderung vor. Das zuständige Bundesverkehrsministerium prüft diesen Vorschlag derzeit noch.
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