Umschau | 29.11.2011 | 20:15 Uhr : Meteorologen unsicher bei Winterprognose
Die wohl häufigste Frage, die Meteorologen in den kommenden Tagen gestellt wird, ist die nach dem Schnee zu Weihnachten. Viele Wetterexperten wagen nur Vorhersagen im Bereich von 14 Tagen. Einige lehnen sich weiter aus dem Fenster.
Vor genau einem Jahr begann in Mitteldeutschland eine der schneereichsten Perioden der vergangenen Jahre. Heute herrschen hingegen milde Temperaturen und Trockenheit. Dabei wurde doch bereits im Oktober ein Wintereinbruch für Mitte November angekündigt. Die Hamburger Morgenpost spekulierte: "Bald kommt der Arktiswinter." Und die Bild-Zeitung legte sich sogar schon auf die genauen Temperaturverlauf fest. MDR-Wettermann Thomas Globig hält von solchen konkreten Langfrist-Prognosen für "kompletten Unsinn": "Wir haben solche Trends überprüft. Für den Sommer stellte sich heraus, dass man die Temperaturkurve hätte komplett umdrehen müssen, damit die Vorhersage gestimmt hätte", so Globig.
Klimaforscher: Dezember milder wird als im Mittel
Doch wie wird er denn nun, der kommende Winter? Beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie beschäftigt sich Klimaforscher Wilfried Küchler mit Klimaprognosen für die nächsten hundert Jahre. Für die "Umschau" schaut er sich das mittelfristige Wetter an, also für den Dezember 2011. Die Wetterkarten zeigen eine so genannte Westwetterlage. Sie zeichnet sich durch ein starkes Islandtief in Nordwesteuropa und ein starkes Azorenhoch im Südwesten aus. Beide lassen milde Luft vom Atlantik in Mitteleuropa einströmen. Die kalte Luft aus dem Norden wird so abgelenkt. Solche Wetterlagen können über einen längeren Zeitraum stabil sein, weiß der Klimaforscher. Seine Prognose für den Dezember lautet: "Im Dezember wird es milder als im Mittel." Die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten hält er genau so groß wie die für ein schneefreies Fest.
Vorhersagen für Anfang 2012 mit Unsicherheiten behaftet
Mit der Vorhersage für Januar und Februar wird es schon schwerer. Je weiter man in die Zukunft schaut, umso unsicherer werden die Prognosen. Bislang liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Prognose für die nächsten drei Monate richtig ist, nur zehn Prozent höher, als wenn man die Wetterprognosen einfach auswürfeln würde. An einer höheren Treffsicherheit arbeitet Dr. Christina Koppe vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Dort ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass bei langfristigen Prognosen vor allem die Temperaturen der Meere eine wichtige Rolle spielen. Die DWD-Vorhersage-Karte für den kommenden Winter zeigt im Bereich der Nordsee leicht über dem Durchschnitt liegende Temperaturen. "Das Modell zeigt keinen harten Winter an. Allerdings sind die Unsicherheiten in der Modellsimulation sehr hoch, so dass auch nicht ausgeschlossen ist, dass es einen harten Winter gibt", so Dr. Koppe.
MDR-Wetterexperte: Jahresanfang könnte kräftigen Winter bescheren
Auch wenn MDR-Wettermann Thomas Globig sich mit Langfristprognosen zurückhält, berichtet er zumindest aus seiner Erfahrung. Der Meteorologe hat in seinen vielen Dienstjahren eigene Beobachtungen gemacht, die nach seiner Auskunft bisher immer gestimmt hat. "Wenn der Winter einen langen Anlauf braucht, dann wird er kräftig", so Globig. Doch gleich hinterher sagt er: "Das bedeutet aber nicht, dass das hundertprozentig eintreffen muss. Aber die Wahrscheinlichkeit ist da häufig größer."
