Umschau | 06.11.2012 | 20:15 Uhr : Preiskampf an der Wursttheke
Wo man gut und günstig einkauft
Umschau-Reporter auf Preisrecherche. Wir testen, wer teurer ist: Supermarkt- oder Handwerksfleischer? Dazu haben wir, wie schon vor fünf Jahren, bei verschiedenen Fleischern und Supermarktfleischtheken den Preis für Fleisch- und Wurstpakete ermitteln lassen. Dazu gehören 100 Gramm Teewurst, 150 Gramm Jagdwurst, 150 Gramm Bierschinken, 100 Gramm Schinkenspeck, 150 Gramm Kochschinken, 4 Bockwürste (400 g), 1 Kilogramm gemischter Gulasch und 1 Kilogramm Schweinenacken ohne Knochen. Gekauft haben wir in Geschäften in Dresden, Erfurt und Halle.
Handwerksfleischer nicht immer am teuersten
Die Auswertung hat gezeigt, dass es keine eindeutige Antwort auf die Frage gibt, wo man Fleisch am teuersten kauft. Unter den teuersten sind nur zwei Supermärkte und drei Handwerksfleischer: Fleischerei Zitzmann in Erfurt (29,32 Euro), Fleischerei W. Richter in Dresden (30,04 Euro), Fleischereikette Wolf in der Penny-Filiale Halle (30,36 Euro), Fleischerei Herbst in Dresden (31,30 Euro) und der Supermarkt Tegut in der Erfurter Gorkistraße (36,96 Euro). Unter den fünf preiswertesten Geschäften sind drei Supermärkte und zwei Handwerksfleischer: Fleischer Beer in Erfurt (24,63 Euro), Fleischer Kohlbach in Halle (23,89 Euro), Marktkauf in der Dresdener Endersstraße (21,93 Euro), Globus in Erfurt (21,45 Euro) und Globus in Halle (20,75 Euro). Der stellvertretende Leiter der Globus-Fachmetzgerei in Halle-Burgdorf, Christian Schröter, erklärt, wie die Waren so günstig angeboten werden können. Globus betreibt nach seiner Auskunft eine hauseigene Fleischerei und kann durch große Abnahmemengen günstige Preise kalkulieren.
Fleisch aus der Region muss nicht teuer sein
Der Preisvergleich hat gezeigt, dass es große Preisunterschiede zwischen Supermärkten in einer Stadt geben kann. In Erfurt ist Tegut (36,96 Euro) 70 Prozent teurer als der Globus-Markt (21,45 Euro). An der Theke rechtfertigt eine Verkäuferin den hohen Preis damit, dass das Fleisch aus der Region komme. Bioware sei es aber nicht, erklärt sie auf Nachfrage. Nicht weit von Tegut hat der Handwerks-Fleischer Beer sein Ladengeschäft. Auch hier kommt das Fleisch aus der Region. Der Paket-Preis ist aber mit 24,63 Euro wesentlich günstiger. Das zeigt, dass Fleisch aus der Region nicht immer teuer sein muss.
Preissieger punktet nur mit Qualität bei Wurst
Der Preis ist die eine Sache beim Einkauf, die Qualität die andere. MDR-Fernsehkoch Christian Henze testet, ob man den Unterschied zwischen dem teuersten Fleisch- und Wurstpaket (Tegut 36,96 Euro) und dem günstigsten (Globus 21,45 Euro) aus unserem Preisvergleich erkennt. Bei seiner Begutachtung weiß er nicht, welche Ware er vor sich hat. Optisch fällt beim Aufschnitt vor allem der Kochschinken auf. Der entpuppt sich beim teuren Tegut als Formschinken. "Das ist ein aus Fleischteilen mit Enzymen zusammengeklebtes Stück Fleisch. Im Vergleich dazu hat der echte Kochschinken eine Schwarte, eine Fettschicht und ein Stück Fleisch aus der Keule", erklärt der Koch. Beim Geschmackstest liegt der günstigere Anbieter vorn. Beim Bierschinken lobt Henze den fleischigen Geschmack, mehr Einlage und tolle Rezeptur. Das Tegut-Produkt schmeckt für ihn wie industriell hergestellt. "Hat zwar Eigengeschmack, aber nicht den typischen Wurstgeschmack", so der Experte. Beim Fleisch hingegen zieht der MDR-Fernsehkoch bei Globus-Punkte ab. Beispielsweise glänzt ihm der Schweinekamm unangenehm.
Fleisch und Wurst im 5-Jahresvergleich um 14 Prozent verteuert
Da die Umschau schon vor fünf Jahren einen ähnlichen Preisvergleich gemacht hat, konnten auch Preissteigerungen der vergangenen fünf Jahre ermittelt werden. Im Durchschnitt ist im Umschau-Test das Fleischpaket um 16 Prozent teurer geworden. Das ist fast identisch mit dem Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes. Danach sind die Preise von Januar 2008 bis September 2012 um rund 14 Prozent gestiegen. Was die Mittelwert-Statistik aber nicht zeigt, ist die Spannbreite in der Realität. So ist beispielsweise das Fleisch- und Wurstpaket im Real-Markt in Erfurt um mehr als 50 Prozent teurer geworden, im Dresdner Marktkauf blieb der Preis dagegen nahezu konstant.

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