Umschau | 22.05.2012 | 20:15 Uhr : Streit um Verbot von Wildtieren im Wanderzirkus
Tierschützer, Zirkusbetreiber und Politik streiten über die Haltung von Wildtieren in Wanderzirkussen. Dass Stress die Tiere krank macht, widerlegt jetzt eine Studie. Trotzdem fordern Tierschützer ein Verbot.
Tierschutzorganisationen fordern in Deutschland ein Verbot von Raubtieren in Wanderzirkussen. Zum einen sehen sie in unzureichend gesicherten Manegen eine Gefahr für die Zuschauer. Entsprechende Gefahrensituationen wurden zum Beispiel von der Stiftung "Vier Pfoten" dokumentiert. Zum anderen sind nach Meinung der Tierschützer die ständigen Transporte und die hektischen Vorstellungen nicht artgerecht. Judith Stich von der Tierschutzorganisation PETA sagt: "Als Folge davon entwickeln viele Tiere schwere Verhaltensstörungen. Viele Tiere sterben auch oft früher als in freier Natur. Die Dressur von Wildtieren kann zudem nur durch die Anwendung von Gewalt und Zwang funktionieren." Zirkusleitlinien und Kontrollen gibt es zwar schon, doch sind die aus Sicht der Tierschützer mangelhaft und unzulänglich. So lange sich daran nichts ändert, rufen sie darum immer wieder zum Boykott von Zirkussen mit Wildtieren auf.
Studie widerlegt Argumente der Tierschützer
Der Verhaltensforscher Dr. Immanuel Birmelin hat als einer der ersten Stress-Messungen durchgeführt. Dafür hat er Raubkatzen und Zirkuselefanten untersucht. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass es keinerlei Indizien für stressbedingte Veränderungen gibt. Er hat beispielsweise die Wirkung von Umweltbedingungen auf die Anfälligkeit für Krankheiten, den Herzschlagfrequenz und die Cortisonwerte im Blut untersucht. All das hat sich nach Angaben des Wissenschaftlers bei den untersuchten Tieren nicht negativ verändert. Tierschutzorganisationen fordern dennoch ein generelles Wildtierverbot in Zirkussen.
Bundesrat fordert Regierung zum Handeln auf
In acht europäischen Staaten gibt es bereits einschränkende Regelungen für Wildtiere in Zirkusunternehmen. In Bulgarien, Dänemark Österreich und Griechenland wurde ein absolutes Verbot erlassen. Da es in Deutschland noch keine zentrale Regelung gibt, haben zwölf Städte mit eigenen Verboten von Zirkussen mit Wildtieren reagiert. Diese Regelungen stehen jedoch auf juristisch wackligen Beinen. Gestützt werden könnten sie durch klare gesetzliche Regelungen auf Bundesebene. Bereits im November 2011 sprach sich auch der Deutsche Bundesrat für ein Verbot bestimmter Wildtiere in Zirkussen aus. Er empfahl der Bundesregierung, ein entsprechendes Gesetz zu erarbeiten.
Regierung setzt auf "Zentrales Zirkusregister"
Doch das zuständige Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz blieb bis jetzt tatenlos. Ministerin Aigner setzt weiter auf das 2008 geschaffene sogenannte "Zentrale Zirkusregister". Darin sollen die Unternehmensdaten aller Zirkusse und die Kontrollen der Amtstierärzte gespeichert werden. Doch selbst die Mediziner sagen, das Register sei unvollständig, schlecht geführt und meist ohne Folgen für die Sünder unter den Zirkusunternehmern.

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