Umschau | 06.11.2012 | 20:15 Uhr : Betrug mit gestohlenen Blanko-Fahrzeugpapieren
Um gestohlene Autos zu verkaufen, haben Banden eine neue Masche: Sie täuschen die Käufer mit gestohlenen Fahrzeugbescheinigungen. Wenn die Seriennummern der Papiere veröffentlicht würden, wäre der Betrug zu entdecken. Doch die Behörden wollen sie nicht veröffentlichen. So ist man als Laie fast chancenlos den Betrügern ausgeliefert.
Ronny R. hatte sein Traumauto im Internet gefunden. Der Golf wurde in Burg bei Magdeburg angeboten. Bei der Übergabe des Wagens überprüfte der gelernte Kfz-Schlosser, ob die Fahrzeugdaten mit denen in den Zulassungspapieren übereinstimmen. Er ließ sich den Personalausweis des Verkäufers zeigen und notierte die Daten. Dann zahlte er 11.400 Euro in bar. Doch als er den Pkw beim Straßenverkehrsamt in Dresden anmelden wollte, stellten die Mitarbeiter anhand der Fahrgestellnummer fest, dass der Pkw gestohlen wurde. Die Polizei beschlagnahmte den Wagen und die Betrüger waren mit dem Kaufpreis verschwunden. Ronny R. blieb auf dem Schaden sitzen.
Banden stehlen Blankofahrzeugpapieren aus Zulassungsstellen
Ronny R. wurde Opfer einer Bande, die mit gestohlenen Blanko-Fahrzeugpapieren arbeitet, die sie aus Zulassungsstellen stehlen. Und so funktioniert der Betrug: Nach dem Diebstahl eines Pkw tragen die Kriminellen die wahren Daten des Fahrzeuges in die gestohlenen und amtlichen Blanko-Dokumente ein. Wenn die Käufer beim Geschäft die Echtheit der Papiere und die Übereinstimmung der Fahrzeugdaten mit denen in den Papieren prüfen, können sie keinen Verdacht schöpfen, dass sie betrogen werden. Wer sich einen Personalausweis zeigen lässt, bekommt von den Gaunern gute Fälschungen präsentiert. Der Betrug kann erst festgestellt werden, wenn das Fahrzeug vom Käufer bei der Kfz-Zulassungsstelle angemeldet wird. Diesen Fakt bestätigt auch das KBA. Anhand der Fahrgestellnummer wird in der Zulassungsstelle geprüft, ob das Fahrzeug als gestohlen gemeldet wurde. Da man an gestohlenen Sachen kein Eigentum erwerben kann - auch nicht gutgläubig, sind die Käufer das Geld und Fahrzeug los.
Behörden lehnen Käuferschutz ab
Nach "Umschau"-Recherchen werden in Deutschland schon seit Jahren immer wieder Blanko-Zulassungspapiere aus Behörden gestohlen. Unsere Recherche ergab 14 Tatorte im gesamten Bundesgebiet. Insgesamt wird nach 14.043 gestohlenen Fahrzeugscheinen und 19.780 Fahrzeugbriefen gefahndet.
Den Autokäufern könnte eine Veröffentlichung der Seriennummern der gestohlenen Papiere helfen. Doch das lehnen die Zulassungsbehörden ab. Wir fragen beim Kraftfahrtbundesamt nach. Dort heißt es, man können die Seriennummern nicht zugänglich machen, da es sich um polizeiliche Fahnungen handele. Das Bundesverkehrsministerium verweist zunächst auf den Datenschutz und meint schließlich "… es würden auch Diebe von gestohlenen Vordrucken in eine Veröffentlichung einsehen können."
Simone Richter, Fachanwältin für Verkehrsrecht, hält diese Argumentation der Bundesbehörde für nicht nachvollziehbar. Eine Veröffentlichung der gestohlenen Blanko-Dokumente sei die einzige Chance, potentielle Kunden zu schützen.
Wie kann man sich schützen
Wer das Risiko begrenzen möchte, sollte sich vorab die Fahrzeugpapiere faxen lassen. Damit kann man versuchen, bei der Polizei die Fahrgestellnummer zu überprüfen. Wurde das Auto vor kurzem gestohlen und der Autodiebstahl noch nicht angezeigt, stellt die Polizei jedoch auch nichts fest.
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