63. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen Der Glaube an die Kraft des Films

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Unicato ist in der ARD-Themenwoche "Glauben" zu Gast  bei den 63. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen und untersucht, ob und wie Film und Filmkultur Gesellschaft verändern können. Es geht um den Glauben an die Kraft des Films. Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen gelten als ältestes und eines der größten Kurzfilmfestivals der Welt. Sie wurden 1954 vom Leiter der Oberhausener Volkshochschule, Hilmar Hoffmann, unter dem Namen 1. Westdeutsche Kulturfilmtage" gegründet. Das Festival sollte einen bildungspolitischen Auftrag erfüllen, "Kulturfilm – Weg zur Bildung" war das Motto der ersten Veranstaltung.

Ein Raum mit verschiedenen Gegenständen
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Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen sind Katalysator und Schaufenster aktueller Entwicklungen, Forum oft kontroverser Diskussionen, Entdecker neuer Trends und Talente und nicht zuletzt eine der wichtigsten Kurzfilm-Institutionen weltweit. In Zahlen: Rund 7.000 eingereichte Filme pro Jahr, ca. 500 Filme im Festivalprogramm und über 1.100 akkreditierte Fachbesucher.
Zahllose Filmemacher und Künstler, von Roman Polanski bis Cate Shortland, von George Lucas bis Pipilotti Rist, haben hier ihre ersten Arbeiten präsentiert. Durch die Kurzfilmtage wurden viele politische und ästhetische Entwicklungen angestoßen, etwa durch das "Oberhausener Manifest", das vielleicht wichtigste Gruppendokument des deutschen Films. Unicato hat beim aktuellen Festival mit dem Leiter Lars Henrik Gass, dem Leiter des Deutschen Wettbewerbs, Carsten Spicher, der Filmemacherin und Kuratorin Christiane Büchner und mit ausgewählten Künstlern gesprochen und ist der Frage nachgegangen, ob und wie der Film und der Glaube an seine Kraft Einfluss auf die Gesellschaft haben.

Zum zweiten Mal gab es bei den Kurzfilmtagen auch eine Ausstellung. 2017 hieß sie HAPPYLAND. Mit HAPPYLAND bespielte Khavn De La Cruz, kurz Khavn, einer der bedeutendsten philippinischen Künstler und Filmemacher der Gegenwart, die Halle des Vereins für aktuelle Kunst in Oberhausen. HAPPYLAND war ein ambulanter Projektraum, eine Art Pop-up Intervention – Nachbau des gleichnamigen Slums in Manila, Musik, Mode, Film und nicht zuletzt philippinische Küche, eine sechs Tage dauernde Punk-Explosion während der 63. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Unicato wurde vom Künstler Khavn exklusiv durch die Ausstellung geführt und bekam Einblicke in den Geist der Installationen.

Jaan Toomik gilt als einer der bekanntesten estnischen Maler, Video- und Performance-Künstler der Gegenwart. Der Beginn seiner internationalen Karriere war typisch für einen Künstler der Nachwende-Generation. Estland hat seine Unabhängigkeit 1991 wiedererlangt. Jaan Toomik hat seit 1993 an verschiedenen internationalen Kunstveranstaltungen teilgenommen. Toomiks filmisches Œuvre ist vergleichsweise schmal und als Gesamtschau selten präsentiert worden. Die Kurzfilmtage haben es getan. Die kompromisslosen, düsteren Spielfilme erforschen die Abgründe der menschlichen Psyche, oft vor einem persönlichen Hintergrund, von dem sie aber abheben. 2008 gewann er bei den Kurzfilmtagen für "Armulaud" (Communion) den Preis des Festivals und war jetzt in der internationalen Jury. Unicato zeigt den Film, auch auf andere Weise passend zum Thema Glauben.
Der Film hat eine FSK-Freigabe von 22:00 bis 6:00 Uhr.

Amber Bemak hat in Chicago Film studiert, lehrt Film in Texas, arbeitet international als Regisseurin, Kamerafrau, Cutterin, Soundesignerin, Performerin, macht experimentelle Kurz- und Dokumentarfilme. Mit der kolumbianisch-mexikanischen Filmemacherin, Künstlerin und Performerin Nadia Granados hat sich eine tiefe, inspirierende Arbeitsbeziehung entwickelt. Die Künstlerinnen nutzen häufig Archivmaterial und verwenden dabei auch oft Filmmaterialien aus ihrem eigenen Leben für ihre politischen und gesellschaftskritischen Arbeiten. Film und Performance verbinden sich dabei. Im gemeinsamen Schaffen entstand „Borderhole“. Unicato zeigt diese filmische Arbeit. Das Geschehen findet auf einem mythischen Grenzgebiet zwischen Kolumbien und den Vereinigten Staaten statt. Wir erleben Beziehungen zwischen Nord- und Südamerika, den Imperialismus, die Globalisierung durch Popmusik, die Choreographie von weiblichen Körpern und Bezüge zu gesellschaftspolitischen und Öko-Systemen. Die Arbeit erhielt eine lobende Erwähnung im Internationalen Wettbewerb der 63. Kurzfilmtage Oberhausen für "ein starkes feministisches Statement, das mit Hilfe provokativer Performances aufzeigt, wie Grenzpolitik auch Körperpolitik ist", so die Jury.
Der Film hat eine FSK-Freigabe von 22:00 bis 6:00 Uhr.

Mariola Brillowska ist ebenfalls eine Künstlerin, die ein ganzes, kraftvolles Universum zu bieten hat. Sie ist eine ist eine polnisch-deutsche Animations- und Autorenfilmerin, Schriftstellerin, Musikerin und Performance-Künstlerin. Sie hat an vielen deutschen Kunsthochschulen und internationalen Meisterklassen unterrichtet. Ihre Arbeiten sind meist provokant, politisch und feministisch. Bei den Kurzfilmtagen Oberhausen 2017 hat sie schon den Publikumspreis des MuVi für die Arbeit mit einer Songwerkstatt für gehandicapte Jugendliche gewonnen. Wir sehen bei Unicato ihre Animation "Schwarze Welle". Der Film zeigt einen Blick der Künstlerin auf unsere europäische Situation, basierend auf einer Tonspur aus ursprünglich privaten Aufnahmen. Der Film lief im Deutschen Wettbewerb in Oberhausen und wurde als 3D-Arbeit erstellt. Unicato präsentiert eine 2D-Version.

Nicu Ilfoveanu ist ein rumänischer Künstler und Fotograf, der aktuell in Bukarest arbeitet. In seinen Werken beschäftigt er sich mit Fragen zu Ethnien, Umwelt und Gesellschaft. Alexandra Gulea ist eine rumänische Filmemacherin, die in München studiert hat und engagierte dokumentarische Arbeiten realisiert hat. Sie wird vom Festival in Oberhausen schon länger in Ihrem Schaffen begleitet. Gemeinsam mit Nicu Ilfoveanu entstand "Woodn Boy". Wir sehen den Film bei Unicato, als eine aktuelle Arbeit aus dem Deutschen Wettbewerb. Die hölzerne Marionette Pinocchio wird hier in einen Menschen verwandelt, nachdem er, wie es heißt, sein egozentriertes Leben gestoppt und einen gesunden Menschenverstand bekommen hat. Erst ist er mit dieser Belohnung zufrieden. Aber eines Tages blickt Pinocchio einigen präparierten Tieren in einem Museum in die gläsernen Augen.

Filmgespräche

Khavn zur Ausstellung
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Khavn führt durch die Ausstellung "Happyland". Er spricht über seine Intentionen und verweist auf Gelegenheiten, voneinander zu lernen.

Di 06.06.2017 17:51Uhr 17:51 min

http://www.mdr.de/unicato/video-111818.html

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Video
Amber Bemak und Nadia Granados
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Die Künstlerinnen Amber Bemak und Nadia Granados "Kunst kann Gesellschaft verändern"

"Kunst kann Gesellschaft verändern"

Amber Bemak und Nadia Granados sprechen mit Markus Kavka über ihren Film "Borderhole" und die Rolle von Frauen in Kunst und Gesellschaft.

Do 08.06.2017 19:07Uhr 17:45 min

http://www.mdr.de/unicato/video-112418.html

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Jaan Toomik
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Jaan Toomik über seine Arbeit und über "Armulaud" als Auseinandersetzung mit Vorstellungen von Leben, Tod, Zeugung und Seelenheil.

Di 06.06.2017 17:43Uhr 07:10 min

http://www.mdr.de/unicato/video-111800.html

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Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2017, 16:51 Uhr