unicato | MDR FERNSEHEN | 25.02.2013 | 00:25 Uhr : "Marriages are made in heaven"
Ein Film von Anna Martinetz (Hochschule für Fernsehen und Film München)
Der junge Inder Karthik hat es sich in den Kopf gesetzt zu heiraten. Eine traditionelle indische - eine arrangierte - Hochzeit soll es sein. Dazu reist der Harvard-Absolvent aus den USA zurück nach Indien. Filmemacherin Anna Martinetz begleitet ihn.
"Ehen werden im Himmel geschlossen, aber hier auf Erden gefeiert.", lautet ein schönes Sprichwort. Der Dokumentarfilm "Marriages are made in heaven" von Anna Martinetz begleitet den heiratswilligen jungen Inder Karthik, dessen Familie und seine Braut Sri beim Kennenlernen im Internet, durch die ritualisierte Ehe-Anbahnung, die pompöse Hochzeit und trifft die beiden nach Jahren in den USA wieder, wo sie sich ein bürgerliches Leben aufbauen wollen.
Doch wie ist es, wenn man plötzlich mit einem Partner zusammenleben soll, den man erst fünfmal in seinem Leben gesehen hat? Kann daraus Liebe entstehen? Karthik bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Im Westen heiratest du die Person, die du liebst. In Indien liebst du die Person, die du heiratest."
Filmemacherin Anna Martinetz lernte Karthik während ihrer gemeinsamen Studienzeit am Trinity College in Cambridge kennen. Sie war wie ihr gesamtes Umfeld überrascht von den Hochzeitsplänen des liberalen jungen Inders. Kurzentschlossen begleitete sie Karthik im Jahr 2003 nach Indien, um mit Erlaubnis seiner Familie die Hochzeit zu dokumentieren. Besonders gespannt war Martinetz auf die Braut, die auch Karthik bis zu seiner Eheschließung nur fünf Mal zu Gesicht bekam. Und umgekehrt.
Der Film nähert sich dem Thema "arrangierte Hochzeit" zwar aus westlicher Sicht, aber immer unvoreingenommen und offen. Vielmehr zeigt er eine Vielzahl von herzlichen Begegnungen, auf Kosten des für interkulturelle Dokumentationen oft so üblichen erhobenen Zeigefingers. Bisweilen hätte ein wenig mehr Distanz dem Film gut getan, insbesondere die Perspektive der Braut und ihrer Familie gerät im Film ins Hintertreffen.
Alle Seiten konnte Martinetz nicht widerspiegeln. Das hatte schon produktionstechnische Gründe, meisterte sie den Dreh doch als Einzelkämpferin. Und so musste sie sich auch mit allen Problemen herumschlagen, die einer Filmemacherin auf dem "Subkontinent" begegnen können: schlechte Stromversorgung, strapaziöse Zugfahrten, Kriminalität. Auch das Elend, das einem in Indien auf Schritt und Tritt begegnet, insbesondere die vielen Straßenkinder, ließen Martinetz nicht unberührt.
Vier Jahre nach der Hochzeit besuchte sie Sri und Karthik erneut in den USA. Davon handelt der zweite Teil des Films. Beide arbeiten an ihrer Karriere, arrangieren sich gut mit den westlichen Gepflogenheiten. So wie viele Inder im Ausland. Und sie scheinen auf eine seltsam distanzierte Weise glücklich miteinander - wie gute Kameraden. Mittlerweile leben die Beiden in San Diego. Karthik ist Assistenzprofessor, Sri ist Hausfrau und betreut den gemeinsamen Sohn. Ein Wiedersehen mit Anna Martinetz ist angedacht. Fortsetzung folgt …
"Marriages are made in heaven"
Deutschland, Indien (2009)
92 min.
HFF München, Weimar
Filmstab:
Buch, Regie, Kamera, Produktion, Ton: Anna Martinetz
Montage: Stephan Stabenow
Sounddesign, Mischung: Orange Sound
Protagonisten: Karthik und Sri



