Unicato - Wir sind Kurzsuechtig!

Unicato war beim Festival „Kurzsuechtig“ in Leipzig zu Gast und nimmt den Festivaltitel sehr ernst. Wir stellen vier sehr unterschiedliche, engagierte Filmprojekte vor und haben Gespräche mit den Machern geführt.

Es geht uns um die grenzenlose Leidenschaft für kurze Filme. Wir dringen bis ins Herz des Festivals vor, das in diesem Jahr wieder um einiges gewachsen ist. Das Festival widmet sich Filmemachern und Filmen, die ihre Wurzeln in Mitteldeutschland haben. Es gibt die Programmbereiche Animation, Dokumentation, Fiktion und Experimental. In das Festival integriert ist neben einem brandneuen Rahmenprogramm auch ein Wettbewerb für Filmmusik und Sounddesign.

Unicato-Moderator Markuas Kavka auf dem Kurzsuechtig-Filmfestival vor der Schaubühne Lindenfels in Leipzig
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eigentlich wollte der Festivalleiter Mike Brandin im Jahr 2003 einen Abend für die Helfer der Kurzfilme, die er bis dahin produziert hatte, organisieren – eine Präsentation, ein Dankeschön. Da kam der Einwurf seines Mitstreiters Torsten Radeck: „Na lass uns doch gleich ein Festival machen“ - das es zu diesem Zeitpunkt in Leipzig so nicht gab. Die Namensidee kam gleich hinterher – süchtig nach kurzen Filmen, also „Kurzsuechtig“. Im Jahr 2004 startete das Festival, mit einem Kurzfilmwettbewerb für Fiktion, 2005 kam schon Dokumentation hinzu, 2006 folgte Animation, schließlich der Wettbewerb für Filmmusik und Sounddesign und seit 2016 gibt es auch einen Experimentalfilmwettbewerb. Seit 2017 hat „Kurzsuechtig“ einen weiteren Spielort, das „Kunstkraftwerk Leipzig“, und ein Rahmenprogramm, unter anderem zu den Themen „360°/Virtual Reality“, „Nachwuchsförderung“ und „Gastland Schweiz“. Unicato hat die Festivalleitung in ihrer „Schaltzentrale“ besucht und traf an den Festival-Orten Schaubühne Lindenfels und Kunstkraftwerk auf engagierte Projekte und ihre Macher.

Mann vor Spielautomaten
Bildrechte: Kunsthochschule für Medien Köln

„Über Druck“ zeigt Wahres, zeigt Persönliches, zeigt Überraschendes. Ein buntes Stimmungsbild zum Mitdenken. Ein jeder kennt ihn, ein jeder hat ihn. Kein Druck im Kessel heißt Stillstand. Dennoch scheint er stets zu groß. Druck ist nicht greifbar, Druck ist meist unsichtbar. Doch ist er erst hoch genug, lastet er spürbar. ÜBER DRUCK forscht filmisch nach den Umgangsformen im Alltag. Sebastian Binder hat sein Studium nach einem Bachelor an der Bauhaus-Universität Weimar an der Kunsthochschule für Medien in Köln fortgesetzt. Dort entstand gemeinsam mit dem Kameramann Fred Schirmer der Abschlussfilm „Über Druck“. Der Film wurde bei „Kurzsuechtig“ mit dem Publikumspreis in der Sektion Dokumentation ausgezeichnet. Für Unicato ist er neben einem Gespräch mit dem Regisseur Sebastian Binder ein passender Einstieg in die Sendung rund um leidenschaftliche Filmprojekte.

Still aus dem Film
Bildrechte: Carsten Lerch

„Wider das Vergessen“ ist ein animierter Dokumentarfilm über das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. Im 70. Jahr nach dessen Befreiung war es das  Vorhaben von Carsten Lerch, mit diesem Film dem Erinnern und Gedenken eine weitere Facette hinzuzufügen.
Der Film mischt Originalbilder mit den Zuständen, die man heute dort vorfindet, zeigt wie es damals im direkten Vergleich zu heute aussah, versetzt den Zuschauer immer wieder vor und zurück in der Zeit zwischen den Aufnahmen der Originalbilder und den Bildern, die während Lerchs Recherche und Stoffsammlung auf dem gesamten Lagergelände 2014/15 entstanden sind. Ein eigener Weg zum Erinnern, der auch mit dem Thema Heimat sehr persönlich verknüpft ist. Ein Jahr lang hat Carsten Lerch an diesem Film gearbeitet. Bei "Kurzsuechtig" wurde er mit dem Nachwuchsförderpreis vom Filmverband Sachsen ausgezeichnet. Unicato konnte mit dem Macher sprechen und bekam Einblick in seine Werkstatt.

Boxer im Ring
Bildrechte: Filmverband Sachsen

Ein ganz anderes engagiertes Projekt, bei dem in kurzer Zeit gemeinschaftlich Filme entstanden sind, ist MY STORY vom Filmverband Sachsen. Genauer gesagt ist das ein cineastisches Integrationsprojekt mit vier- bis siebentägigen Filmworkshops, organisiert in Dresden und Leipzig. Filminteressierte Asylsuchende arbeiten mit Filmschaffenden aus der Region zusammen. Unicato zeigt den so entstandenen fiktiven Kurzfilm „Weisheiten“ inszeniert von Tilman König. Die Macher fragen: Sind es eher Unterschiede oder doch Gemeinsamkeiten die zwischen den Traditionen zweier Kulturen überwiegen? Nur wer sich versteht - kann sich verstehen. Wer ist der andere und was hat er gesagt? Unicato sprach mit der Projektleiterin Kristin Eubling vom Filmverband Sachsen, dem Leipziger Filmemacher Tilman König, dem syrischen Hauptdarsteller Zorba Baxos und dem syrischen Sounddesigner und Übersetzer Rezan Muhammed.

Filmszene: Menschen bevölkern einen Imbisswagen.
Bildrechte: Christoph Eder

Die Dokumentation “Imbiss” von Christoph Eder und Jonas Eisenschmidt erzählt von einer griechischen Familie, die auf der Insel Lesvos einen florierenden Kiosk betreibt – Ihre einzigen Kunden: Gerade angekommene Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten des mittleren Osten. Im Herbst 2015 regte der Regisseur und Grimme-Preisträger Michael Klier die Idee einer gemeinsamen Intervention junger FilmemacherInnen an: sich filmisch verhalten zu einer Situation, die uns alle akut erreicht hatte. 441.899 neue Asylanträge, Millionen besorgter BürgerInnen, mehr als 500 rechtsextremer Übergriffe - und was tun wir? Studierende und AbsolventInnen der Filmuniversität "Konrad Wolf" Babelsberg und der Bauhaus-Universität Weimar schlossen sich zu einem Kollektiv zusammen und machten sich ein eigenes Bild dieses neuen deutschen Herbsts. Die Filme produzierten sie selbst, innerhalb kürzester Zeit und ohne Budget. Das Ergebnis ist der Episoden-Film "Research Refugees": 100 sehr verschiedene, sehr persönliche Minuten die sich jenseits der gängigen Fernsehbilder bewegen, die zu diesem Thema im Überfluss entstanden sind. "Imbiss" wurde bei "Kurzsuechtig" mit dem Jurypreis für Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2017, 22:39 Uhr