unicato-Awards Die Preisträger 2012

Die Entscheidungen sind gefallen. Die Preisträger der nunmehr 6. unicato-Awards stehen fest. 15 Filme waren in sieben Kategorien nominiert. Ins Rennen gingen die besten Filme, die im vergangenen Jahr im Programm von unicato, dem studentischen Filmmagazin des MDR FERNSEHENS, liefen.

Gewinner der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" - "Testfahrer"

Der unicato-Award 2012 für den besten Dokumentarfilm - prämiert vom MDR - geht an "Testfahrer" von Arvid Neid und Florian Arndt von der Filmfabrik Mühlhausen.

Der Film ist alles andere als leichte Kost. Schließlich porträtieren die Filmemacher Arvid Neid und Florian Arndt einen Schwerbehinderten. Wenn der Mühlhäuser Volkmar Kirschbaum vor der Kamera seine körperlichen Gebrechen aufzählt, dann hat man es mit einer nicht enden wollenden Liste schwerster Krankheiten zu tun. Dass er überhaupt noch lebt, grenzt an ein Wunder. Dennoch pendelt "Testfahrer" immer zwischen Komödie und Tragödie, wechseln brüllend komische Alltagsszenen und berührende Momente einander ab. Das liegt nicht zuletzt an den fröhlichen Selbstinszenierungen des Protagonisten. Aber auch die bildgewaltige Erzählweise der jungen Filmemacher trägt dazu bei, dass sämtliche Fallstricke eines rührseligen "Behindertenfilms" vermieden werden. Entstanden ist eine heiter bis wolkige, aber stets sensible Dokumentation über einen Mann, der eigentlich jede Krankheit hat, aber trotzdem immer weiter fährt.

Gewinner der Kategorie "Bester Spielfilm" - "Trigger"

Der unicato-Award 2012 für den besten Spielfilm - prämiert vom MDR - geht an "Trigger" von Till Krücken, Maximilian König und Christian Fleischer.

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Jonas wird von drei Jungen auf seinem Weg nach Hause angegriffen, gedemütigt und geschlagen. Danach hat sich Jonas verändert; er ist nicht mehr derselbe. Seine Freunde und Eltern wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Jonas ist allein in seiner Suche nach Verständnis und Antworten, und muss sich selbst rekonstruieren. Mit der Hilfe eines Psychologen wird er lernen, diese Erinnerung nicht auszulöschen, sondern, wie er mit ihr leben und wie er sich mit der Situation erneut auseinander setzen kann.

"Trigger" von Till Krücken ist ein aufwühlender Film über Gewalt und ihre Opfer, über eine traumatisierende Erfahrung inmitten der Pubertät. Der Film sucht nicht das große Spektakel, zeigt aber doch schonungslos die Demütigung, die dem Opfer durch die Täter zuteil wird. Es kann jeden treffen.

Gewinner der Kategorie "Bester Experimentalfilm" - "Getrieben"

Der unicato-Award 2012 für den besten Experimentalfilm - prämiert vom MDR - geht an "Getrieben" von Alexander Stephan von der Bauhaus-Universität Weimar.

Eine junge Frau ist auf einem paranoiden Trip durch eine Kleinstadt. Am Ende wird sie sowohl Täterin als auch Opfer einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Regisseur Alexander Stephan kombiniert Mystery mit Horror, Slasher- und Fantasyfilm.

Dabei produziert er nicht nur einen virtuosen Genre-Mix, sondern besticht auch durch den experimentellen Umgang mit der Stereoskopie. 3D nutzt er nicht als sinnentleertes Element im Sinne eines bloßen Attraktionskinos, sondern lässt die Stereoskopie einer narrativen Logik folgen. Dazwischen setzt Alexander Stephan auf den Grusel guter alter Schwarz-Weiß-Bilder. "Getrieben" ist ein gelungenes erzählerisches Genre-Experiment mit einer dichten Atmosphäre und zahlreichen Handlungsverzweigungen, die der Filmemacher immer wieder auf das Hauptgleis umleiten kann.

Gewinner der Kategorie "Bester Animationsfilm" - "Ich-Apparat"

Der unicato-Award für den besten Animationsfilm - prämiert vom MDR - geht an "Ich-Apparat" von Susan Kreher und Mandy Blaurock von der Hochschule Anhalt, Fachbereich Design Dessau.

"Ich-Apparat" führt den Zuschauer in fantastischen Bildern auf eine Reise durch den menschlichen Körper - kongenial begleitet von den Texten des italienischen Schriftstellers Tiziano Scarpa aus dessen Bestseller "Körper". Der Leib ist hier eine wunderliche Maschine, robust und fragil, unerbittlich, aber auch voller Humor. Die Filmemacherinnen Susan Kreher und Mandy Blaurock haben einen ungewöhnlichen Animationsfilm geschaffen, der bis ins grafische Detail eine fesselnde Augenweide ist. Genau wie Scarpa haben die Dessauer Absolventinnen für jedes Körper-Motiv eine liebenswerte, manchmal grotesk-abstoßende, aber immer surreale Entsprechung gefunden. Besonders überzeugt, dass der Film von einer ganz eigenen, unverwechselbaren grafischen Handschrift geprägt ist.

Gewinner der Kategorie "Europa Preis" - "Les temps qui changent"

Den Sonderpreis Europa 2012 - prämiert von der Thüringer Staatskanzlei - erhält Thomas Oswald von der Hochschule für bildende Künste Hamburg für sein experimentelles Plädoyer "Les temps qui changent".

Zwei Freunde stehen auf einem Balkon eines gewaltigen Plattenbaues und sprechen über ihre alten Ideale. Dabei werden sie sich ihrer Position in der heutigen Gesellschaft bewusst. Mit der Metapher des Hochhauses, die sich aus der langsamen Zurückfahrt der Kamera erschließt, findet Thomas Oswald von der Hochschule für bildende Künste Hamburg ein greifbares Bild für die Atomisierung und insbesondere Resignation des Individuums in der Masse.

Die alten Ideale sind zwar noch präsent, aber nicht mehr umsetzbar. Der Kampf ist vorbei und nur noch Anekdote beim Rauchen auf dem Balkon. Durch die Verwendung der französischen Sprache stellt der Filmemacher gleichzeitig einen Bezug zu den letzten "Aufständischen" Europas her: den Bewohnern der Banlieues rund um die französischen Großstädte. Die Europäische Union ist zwar derzeitiger Träger des Friedensnobelpreises, aber der Weg zu einem gerechten sozialen Frieden für alle Europäer ist noch lang.

Gewinner der Kategorie "Weimar Filmpreis" - "Vielleicht Biarritz"

Der Leipziger Andreas Hell erzählt in seinem Collagen-Animationsfilm von der allmählichen Machtergreifung der Nazis, die nicht nur die Schlüsselpositionen des Deutschen Reiches besetzten, sondern auch die Seelen der Deutschen. Exemplarisch dafür stehen die behutsam animierten Ton- und Bildfragmente, die der Filmemacher eindrucksvoll zu einer Geschichte zweier deutscher Frauen in einem südthüringischen Dörfchen vor, während und nach dem Dritten Reich montiert hat. Fotografien aus Familienalben dokumentieren persönliches Erleben und die Gleichzeitigkeit von Routine und Gewalt. Andreas Hell gelingt es mit einer seltenen Kombination aus Animations- und Essayfilm, sowohl die Stimmung der Zeit als auch die Zeugenschaft des Dokuments miteinander zu verweben.

Weimar steht nicht nur für den Geist von Toleranz, Aufklärung und Demokratie. Weimar steht auch für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, als ein Ort der Erinnerung, mit dem unweit der Klassikerstadt befindlichen Konzentrationslager Buchenwald. Für seine ungewöhnliche Auseinandersetzung mit den "kleinen Leuten" im Getriebe des Faschismus erhält Andreas Hell den Weimar Filmpreis - prämiert von der Sparkasse Mittelthüringen - für seinen Film "Vielleicht Biarritz".

Gewinner der Kategorie "Bestes Musikvideo" - "Reactivity 5"


Das Voting für die unicato-Awards fand erstmalig im Internet statt. In der Kategorie "Bestes studentisches Musikvideo" hatten die die User die Gelegenheit, ihren Favoriten via Internetabstimmung direkt zu wählen. In allen übrigen Kategorien entschied eine Jury. Die Jury bestand aus den Mitgliedern des unicato-Fachbeirates: Prof. Günther Graßau (Mittweida) und Prof. Dr. Rüdiger Steinmetz (Leipzig) für Sachsen, Prof. Dr. Gerhard Lampe (Halle) und Prof. Angela Zumpe (Dessau) für Sachsen-Anhalt sowie Prof. Dr. Gabriele Schade (Erfurt) und Prof. Wolfgang Kissel (Weimar) für Thüringen. Alle unicato-Awards sind mit jeweils 1.000 Euro dotiert.

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2013, 15:00 Uhr