MDR FERNSEHEN | 16.10.2009 | 22:00 Uhr
"Unter uns" - Geschichten aus dem Leben
Unter uns" im Domizil "Felsenkeller" in Weimar - das sind außergewöhnliche Geschichten aus dem ganz alltäglichen Leben. Sie sind spannend und tragisch, nachdenklich und anregend, heiter und lebensfroh.

Swantje (31) und Marcus Reichl (32) aus Leipzig
Swantje und Marcus Reichl verloren vor einem Jahr ihr eigentlich gesundes Baby durch Komplikationen bei der Geburt. Die Mutter hätte nach der Kaiserschnittgeburt ihres ersten Kindes auf die Gefahr hingewiesen werden müssen, dass bei einer späteren natürlichen Entbindung die Gebärmutter reißen könnte. Doch das geschah nicht. Swantje Reichl wurde mit starken Schmerzen in der 35. Woche ihrer zweiten Schwangerschaft ins Krankenhaus eingeliefert. Da dort das Personal nicht über die erhöhte Gefahr informiert worden war, trat die Katastrophe tatsächlich ein. Das Baby starb. Swantje und Marcus Reichl kämpfen seitdem darum, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Christina (52) und Mario Manteufel (47) aus Spremberg
Christina und Mario Manteufel kämpfen seit 15 Jahren darum, ihr Haus nicht abreißen zu müssen. Sie kauften das Gebäude nach der Wende als Lebensmittelladen und stockten es mit einer Wohnung auf. Die Behörde genehmigte dies problemlos. Doch später klagte der Nachbar dagegen. Mit Erfolg, ein Gericht entschied, die Baugenehmigung nachträglich aufzuheben. Familie Manteufel müsste demnach ihr Haus abreißen. Doch auch ihr gab die Justiz recht: Für den Schaden hat das Landratsamt aufzukommen. Die Behörde zahlte jedoch bisher nicht. Christina und Mario Manteufel können deshalb den Abriss nicht finanzieren - sie leben in ihrem Haus weiter auf Abruf.
Hans-Peter Spitzner (55) aus Chemnitz
Hans-Peter Spitzner glückte im August 1989 als letztem DDR-Bürger die Flucht über den Berliner Checkpoint Charlie in den Westen. Gemeinsam mit seiner damals siebenjährigen Tochter Peggy (27) gelangte er im Kofferraum des Autos eines amerikanischen Militärangehörigen nach Westberlin. Seine Ehefrau Ingrid Spitzner (53) besuchte zur gleichen Zeit mit der Genehmigung der DDR-Behörden eine Tante in Österreich. Sie erfuhr hier gerade noch rechtzeitig von der Flucht, so dass sie zu ihrer Familie nach Westberlin fliegen konnte.
Margot Franke (61) aus Chemnitz
Margot Franke war und ist eingefleischter Fan von Rex Gildo. Nach dem Tod des Schlagerstars vor zehn Jahren verwandelte sie ihr Haus in eine regelrechte Gedächtnisstätte. Sie erhielt dazu von der Ehefrau Rex Gildos viele Devotionalien, darunter die berühmte Hossa-Weste und rund 800 Fotos. Mit ihnen dekorierte Margot Franke die Wände ihres Hauses. Die große Fanliebe begann 1966, als sie den Schlagersänger bei einem Konzert in Chemnitz erlebte. Nach der Wende besuchte sie fast jeden seiner Auftritte und es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zwischen ihr und dem Star. Nach Rex Gildos Tod schwor sie sich, sein Vermächtnis zu bewahren.
Michael Grolm (37) aus Tonndorf
Michael Grolm ging für seine Überzeugung als Gegner der Gentechnik ins Gefängnis. Der sogenannte Feldbefreier hatte auf einem Feld in Brandenburg gentechnisch veränderten Mais zerstört. Er weigerte sich danach, ein Ordnungsgeld von über 1.000 Euro zu zahlen und dem Gericht Auskunft über seine Vermögensverhältnisse zu geben. Michael Grolm wurde deshalb in Erzwingungshaft genommen. Nach 27 Tagen Gefängnis ist er jetzt durch eine einstweilige Anordnung des Bundesverfassungsgerichtes wieder auf freiem Fuß. Der Landwirt und Imker widmet sich wieder seinen Bienen, doch ihm drohen weitere Haftstrafen.
Helga Heinrich-Steudel (70) aus Mylau
Helga Heinrich-Steudel fährt seit über 50 Jahren Motorrad- und Autorennen. Mit ihrem Sieg auf dem Sachsenring im Jahr 1965 ist sie bis heute die einzige Frau, die jemals ein Sachsenring-Rennen auf dem Motorrad gewann. Weil sie als Frau damals keine Lizenz für den internationalen Motorrad-Rennsport erhielt, wechselte sie 1970 zu den Rennwagen und wurde nicht nur in ihrer vogtländischen Heimat eine Berühmtheit. Noch immer will Helga Heinrich-Steudel von Ruhestand nichts wissen. Selbst ein schwerer Unfall im vergangenen Jahr hält sie nicht davon ab, bei Classic-Veranstaltungen Rennen zu fahren.
Roland Kehr (60) aus Eisenach
Roland Kehr will mit einem Buch über den erotischen Alltag der DDR die finanziellen Schwierigkeiten überwinden, in die sein Familienbetrieb KEHI-Modellbau geraten ist. Vandalen hatten vor zwei Jahren das Ladengeschäft seiner Firma angezündet. Doch Roland Kehr war nicht gegen Vandalismus versichert, er bekam nur einen kleinen Teil des Schadens ersetzt. Um wieder Geld für die Herstellung von Modellbahnen und –autos zu haben, schrieb er nachts an dem Buch. Der Verkauf verläuft allerdings zögerlich, denn die großen Buchhändler ignorieren den neuen Autor aus dem Osten.
Wie bekommt man Eintrittskarten für "Unter uns"?
Karten für die Sendung "Unter uns" erhalten Sie an allen bekannten Vorverkaufsstellen und in der Ticketgalerie in Leipzig. Dort sind Vorbestellungen für die im Weimarer "Felsenkeller" stattfindende Sendung telefonisch möglich unter der Nummer: 0341 141414 sowie über das Internet: www.ticketgalerie.de
Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2009, 18:29 Uhr
