Gewalt, Tod, Hunger, Zerstörung Völkerschlacht "erleben" - Leipzig und das Kriegselend

Die Trümmer der französischen Armee bey ihrer Rückkehr ins Vaterland im Jahr 1813, Christian Gottfried Heinrich Geißler, kolorierte Radierung von 1813
Vorboten des Schreckens Im Januar 1813 machen die Leipziger das erste Mal Bekanntschaft mit den Schrecken des Krieges. Die Reste der in Russland vernichteten Grande Armée ziehen durch die Messestadt. Der Leipziger Kupferstecher Christian Gottfried Heinrich Geißler schreibt unter diese Radierung: "Einst war der Erdkreis gegen uns erbittert, Europas Boden hat vor uns gezittert, Schaut nun mit Grausen, mit Entsetzen hier, Ein warnend Jammerbild sind wir." Doch das "Jammerbild" ist auch eine echte Gefahr. Die kranken Russland-Rückkehrer bringen den Typhus in die Stadt. Nachdem sich die Fälle im Februar häufen, werden die französischen Lazarette nach Weißenfels verlegt. Nur ein kleiner Vorgeschmack auf den Horror, der Ende Oktober über die Stadt hereinbricht. Dann werden 10.000 verwundete Soldaten der Völkerschlacht und 3.000 Leipziger – immerhin zehn Prozent der Bevölkerung – von einer Typhus-Epidemie hinweggerafft. Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Die Trümmer der französischen Armee bey ihrer Rückkehr ins Vaterland im Jahr 1813, Christian Gottfried Heinrich Geißler, kolorierte Radierung von 1813
Vorboten des Schreckens Im Januar 1813 machen die Leipziger das erste Mal Bekanntschaft mit den Schrecken des Krieges. Die Reste der in Russland vernichteten Grande Armée ziehen durch die Messestadt. Der Leipziger Kupferstecher Christian Gottfried Heinrich Geißler schreibt unter diese Radierung: "Einst war der Erdkreis gegen uns erbittert, Europas Boden hat vor uns gezittert, Schaut nun mit Grausen, mit Entsetzen hier, Ein warnend Jammerbild sind wir." Doch das "Jammerbild" ist auch eine echte Gefahr. Die kranken Russland-Rückkehrer bringen den Typhus in die Stadt. Nachdem sich die Fälle im Februar häufen, werden die französischen Lazarette nach Weißenfels verlegt. Nur ein kleiner Vorgeschmack auf den Horror, der Ende Oktober über die Stadt hereinbricht. Dann werden 10.000 verwundete Soldaten der Völkerschlacht und 3.000 Leipziger – immerhin zehn Prozent der Bevölkerung – von einer Typhus-Epidemie hinweggerafft. Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Österreichische, preußische und russische Gefangene werden am 4. September 1813 nach Leipzig gebracht, Christian Gottfried Heinrich Geißler, kolorierte Radierung 1813
Gefangene des Krieges Auch das Elend der Kriegsgefangnen lernen die Leipziger kennen, noch ehe die Völkerschlacht die Stadt und das Umland Mitte Oktober 1813 überrollt. Anfang September ziehen etwa 5.000 österreichische, preußische und russische Gefangene ein, die Napoleon bei Dresden in die Hände gefallen sind. Während der Völkerschlacht kommen weitere Tausende hinzu. Der Totengräber des Johannisfriedhofs, Johann Daniel Ahlemann, schreibt später: "Bald darauf wurden auch die von den Franzosen gemachten Gefangenen, viele Tausende an der Zahl, in den Gottesacker eingesperrt. Ich wurde als Totengräber streng beauftragt, alle Schwibbögen zu öffnen, damit die Gefangenen darin ein Obdach fänden. [...] Doch brannten in jedem Schwibbogen mehrere Wachtfeuer, und es wurde bei den Leichen gekocht und gebraten ..." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 272) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Durchzug französischer Marketender durch Leipzig, kolorierte Radierung um 1830
Unersättliche Heere Während der Feldzüge des Jahres 1813 ziehen etwa eine Million Soldaten durch Sachsen, das gerade mal zwei Millionen Einwohner hat. Da die Armeen der napoleonischen Zeit aus Gründen einer größeren Beweglichkeit auf große Versorgungstrosse verzichten, werden die Einwohner der an den Marschstraßen liegenden Orte zur Unterbringung und Versorgung der Heere herangezogen. Leipzig, wo sich gleich zwei große Heerstraßen kreuzen, trifft es besonders hart. Der Leipziger Ferdinand Grautoff schreibt später: "Nach den ununterbrochenen Durchzügen der Truppen, mit denen der französische Kaiser während des Sommers sein Heer ergänzte, schien schon der Wohlstand der Mittelklasse ganz erschöpft; auch jetzt blieb eine zahlreiche Besatzung der Stadt mehr zur Last als zum Schutze; dazu die vielen Lazarette und ein französisches Gouvernement, das sich selbst in einem feindlichen Orte nicht größere Gewalttat hätte erlauben können." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 76) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Kosaken stürmen ein mit Napoleon sympatisierendes Dorf, Philipp Heinrich Dunker, Aquarell von 1819
Plünderndes Kriegsvolk Je näher die Kämpfe an Leipzig und sein Umland heranrücken, desto erdrückender wird die Lage der Bevölkerung. Sowohl Napoleons Truppen als auch die Alliierten nehmen Zivilisten gegenüber kaum Rücksicht. So werden vor allem die zahlreich umherschweifenden leichten Reitereien zu einer regelrechten Landplage. Der Pfarrer von Gautzsch erinnert sich später an den Tag, als die Kosaken des Hetmann Platow in sein Dorf kamen: "In dem Augenblicke kamen mehrere in die Stube und nahmen alles vom Tische weg, was darauf stand. Ja, sie gingen weiter, suchten in Stuben und Kammern, in Keller, Küche und auf dem Boden und wo sie nur glaubten etwas zu finden, nahmen, was da war und schlugen Hühner, Gänse und Schweine todt." (Zitiert nach: Steffen Poser, Die Völkerschlacht bei Leipzig, "In Schutt und Graus begraben", Leipzig 2013, S. 84-85) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Bauern aus einem Dorfe, welche die Leipziger Schlacht mit ansehen, Ludwig Richter, Radierung um 1830
Zwischen den Fronten Spätestens mit dem Ausbruch der Schlacht am 16. Oktober geraten auch Zehntausende Zivilisten in Leipzig und den Dörfern der Umgebung zwischen die Fronten. Der Markkleeberger Schulmeister Christian David Schumann erinnert sich später, wie er mit seiner Familie, unter den Bänken der Schulstube Schutz suchend, mitten in die Kämpfe zwischen Polen und Österreichern geriet: "Unsere Schrecken vermehrten sich, als die Haustüren mit Äxten zerschlagen wurden und ein fürchterliches Geschrei entstand: 'Leutchen, Leutchen, um Gottes Willen heraus, Sie sind alle des Todes, das Haus wird weggebrannt!' riefen viele Stimmen. Mitten im dicksten Kugelregen mussten wir, wie wir gingen und standen, heraus. [...] Wir waren kaum zur Tür heraus, als schon das Scheunendach in Brand gesteckt wurde. Wir wussten nun weder aus noch ein, überall sahen wir schon Tote liegen, und die Kugeln pfiffen wie Erbsen um unsre Köpfe." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 283) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Die Erstürmung des Dorfes Liebertwolkwitz am 16. Oktober 1813, kolorierte Radierung um 1814
Nur das nackte Leben Kaum besser erging es den Bewohnern des fünf Kilometer von Markkleeberg entfernten Liebertwolkwitz, wo sich am 16. Oktober Franzosen, Österreicher und Russen grausame Gefechte lieferten, in deren Folge das ganze Dorf ein Raub der Flammen wurde. Der Chaussee-Einnehmer Karschdorf, der mit anderen Einwohnern aus der von beiden Seiten unter Feuer genommenen Dorfkirche flüchten musste, schrieb dazu später: "Ein schreckliches Schauspiel bot sich nun auch vor der Kirche unseren Blicken dar. Tote und im Todeskampf begriffene Krieger lagen hier umher und das Würgen und Wüten währte besonders auf dem Markte und den unteren Teilen des Ortes immer noch fort, während ein großer Teil unserer Wohnungen uns als rauchende Ruinen erschienen. [...] Von allem entblößt, getrennt von den Unsrigen, befanden wir uns nun auf der Flucht nach Leipzig, und hinter uns sahen wir, wie in unserm Orte ein Gebäude nach dem anderen in Flammen aufging." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 97) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Kampf um Probstheida am 18. Oktober 1813, Ernst Wilhelm Straßberger, Ölgemälde
Rauchende Trümmer Zwei Tage später, am 18. Oktober, erreicht der Furor des Krieges auch das vier Kilometer von Liebertwolkwitz entfernte Probstheida. Das Dorf ist eine Schlüsselstellung auf dem Weg nach Leipzig. Napoleon will es um jeden Preis halten. Russen und Preußen versuchen, den Ort mehrfach vergebens zu stürmen. Als die Einwohner am 20. Oktober zurückkehren, bietet sich ihnen ein Bild des Grauens: "... Tausende von Todten, die allenthalben herumlagen und von den Dorfbewohnern unter die Erde gebracht werden mussten. Mitten im Dorfe, auf allen Feldern sind Gruben gegraben worden, deren jede 40-50 Todte aufnehmen sollte, und dieses traurige Tagewerk ist bis zu Martini getrieben worden, an welchem Tage die letzten Todten beerdigt worden sind." (Zitiert nach: Steffen Poser, Denkmale zur Völkerschlacht, Leipzig, S. 137) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Schlacht bei Leipzig, Friedrich Harnisch, Öl auf Leinwand 1884
Bilder des Ekels Noch Tage nach der Schlacht bieten die Schlachtfelder vor Leipzig ein Bild des Grauens. So erinnert sich ein Einwohner von Gohlis später an die schrecklichen Eindrücke, die er beim Nachhauseweg auf dem Schlachtfeld von Möckern sammelte. Dort hatten am 16. Oktober rund 10.000 Preußen und Franzosen den Tod gefunden: "Ich musste über die Todten hinweg treten und auf ihnen hinlaufen und trat ins Blut, Gehirn und Gedärme der Franzosen, die da niedergehauen, niedergerissen, zerrissen und niedergeschossen dalagen, dass mir schaudert, ich fror und mir ekelte, als ich nach Hause kam." (Zitiert nach: Hans-Ulrich Thamer, Die Völkerschlacht bei Leipzig, Europas Kampf gegen Napoleon, München 2013, S. 65) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Kampf vor dem Grimmaischen Tor am 19. Oktober 1813, Ernst Wilhelm Straßberger, Öl auf Leinwand um 1850
Kampf in den Straßen Am 19. Oktober erreichen die Kämpfe auch Leipzig selbst. Nun spielt sich das grausame Gemetzel, das die Tage zuvor vor den Toren der Stadt getobt hatte, direkt vor den Häusern und in den Wohnungen der Bürger ab. Der preußische Major Carl Friccius, der mit seinem Landwehrbataillon das Grimmaische Tor stürmt, schreibt später darüber: "Da aus mehreren Häusern in unserm Rücken fortwährend auf uns geschossen wurde, so war es nicht zu hindern, dass einzelne Truppen von uns in die Häuser eindrangen, wo sich der furchtbarste Kampf entspann. Einige Franzosen wurden hoch aus den Fenstern geworfen. [...] Es entstand nun hier ein entsetzliches Gemetzel, ein wahres Schlachten. Wie das Gewehr handgerecht war, wurde es gebraucht, dem nächsten Franzosen, wenn er gegenüberstand, das Bajonett durch den Leib gejagt und einen Augenblick später dem andern, welcher seitwärts stand, der Schädel mit dem Kolbe zerschmettert." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, hrsg. von Karl-Heinz Börner, Ost-Berlin1988, S. 210-211) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Ansicht des Fleischerplatzes in Leipzig am 19. Oktober 1813, C. Schule, Radierung von 1813
Soldaten im Blutrausch Besonders brutal sind die Kämpfe am 19. Oktober in der Hallischen Vorstadt, wo polnische und russische Soldaten wie im Blutrausch aufeinander losgehen und selbst nach dem Ende der Kämpfe das Töten nicht aufhört. Ein russischer Stabsoffizier erinnert sich später: "Der feindliche Widerstand hatte nach und nach ganz aufgehört; was von den Feinden nicht getötet war, floh in wilder Eile und warf von selbst die Waffen fort und bat um Pardon. Wir Offiziere hatten genug zu tun, ihnen diesen zu verschaffen, denn die vom Sturm erhitzten und wütenden russischen Soldaten zeigten anfänglich große Lust, alles schonungslos zu töten. Ein Adjutant des Kaisers Alexander von Russland kam jetzt angesprengt und machte alle Korpsbefehlshaber persönlich dafür verantwortlich, dass ihre Truppen nicht in den Häusern plünderten oder sonst Brutalitäten gegen die Einwohner verübten." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 216-217) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Sprengung der Elsterbrücke am 19. Oktober 1813, Ernst Wilhelm Straßberger, Öl auf Leinwand um 1850
Fluss voller Leichen Während die alliierten Truppen gegen Mittag des 19. Oktober die Innenstadt stürmen, jagt ein französischer Pionier-Korporal voreilig die Elsterbrücke am Ranstädter Tor in die Luft. Ein russischer Stabsoffizier, der auf dem 300 Meter entfernten Fleischerplatz steht, erinnert sich: "Die Explosion war sehr bedeutend. Quadersteine, Holzwerk und zerrissene Pferde- und Menschenkörper flogen durch die Luft, ... Zwei russische Jäger, die neben mir standen, wurden zerschmettert." Hunderte Soldaten Napoleons werden bei der Explosion getötet, Hunderte weitere sterben bei dem Versuch, schwimmend ans anderer Ufer zu gelangen. Der Leipziger Ferninand Grautoff besucht einen Tag später den Ort des Geschehens: "Der schwarze moorige Fluß war wie gedämmt von Leichen der Menschen und Pferde. Längs beiden Rändern des schmalen Flusses hoben sich bald über das Wasser viele tausend Arme, die zum Teil schon mit den Händen in das Gras des hohen Ufers fassten." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 218, 307-308) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Ansicht des Grimmaischen Tores in Leipzig am 20. Oktober 1813, Ernst Wilhelm Straßberger, kolorierte Radierung
Das Elend danach An den Tagen nach der Schlacht ist Leipzig voller Leichen und Pferdekadaver. Überall liegen Verwundete und Sterbende. Jammergestalten sind auf der Suche nach Essbarem. Ferninand Grautoff hält die gespenstigen Szenen später fest: "Selbst in den Straßen der Stadt - denn in den ersten Tag ließ man die gefangenen Kranken und Verwundeten noch ungestört umherziehen - durchwühlten sie jeden Kehrichthaufen, verschlangen heißhungrig die schmutzigen Kartoffelschalen und stritten um jeden Knochen. In den Vorstädten und vor den Toren, wo so viele getötete Pferde lagen, sah man nicht selten diese von den Unglücklichen umlagert [...] Ganz nahe am Grimmaischen Tore fand ich einen unglücklichen Franzosen, der, am Beine verwundet, hier liegengeblieben war. Glücklich genug lag neben ihm ein Pferd, dem eine Kugel den Leib aufgerissen hatte. In der Höhlung des Bauches fand nun der Unglückliche Schutz vor der Witterung und Nahrung zugleich." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 310) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Blick von der Quandtschen Tabacksmühle über das Schlachtfeld auf Leipzig, Ernst Wilhelm Straßberger, Aquarell von 1813
Felder des Grauens Nicht weniger schrecklich sieht es im Leipziger Umland aus. Die damals 16-jährige Pfarrerstochter Auguste Vater aus Seifertshain erinnert sich später an die Grässlichkeiten des Schlachtfeldes vor ihrem Heimatdorf: "Pferde und Menschen lagen noch überall in größter Menge herum und hemmten oft geradezu den Weg mit den schaudervollsten Anblicken. Der Kolmberg war wie übersät von toten Pferden und dunkelte grauenhaft herüber. Wir Mädchen waren außer uns und wollten nicht weiter. Doch der Vater trieb uns fort mit der Vorstellung, dass die Not gebiete, sich darüber wegzusetzen. [...] Einzelne Bilder dieses mörderischen Kampfes aber, die wir auf diesem Gange erblickten, sind meiner Seele unvergesslich geblieben. So sah man auf einer Wiese unweit des Fußsteiges nach Zweinaundorf zu eine ganze Reihe noch völlig montierter französischer Infanterie liegen, die eine einzige Batteriesalve auf einmal niedergeschmettert zu haben schien; denn sie lagen und standen zuletzt ganz regelmäßig aneinandergelehnt, als wenn sie schliefen." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 331) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Bestattung von Leichen nach der Völkerschlacht, Ernst Wilhelm Straßberger, Aquarell 1813
Berge von Toten Noch Wochen nach der Schlacht liegen rings um Leipzig Zehntausende tote Menschen und Pferde unbestattet auf den Feldern, von Raben, Hunden und Raubtieren angefressen. Einwohner und Kriegsgefangene heben riesige Massengräber aus, um die Leichenberge, die auch ein Seuchenherd sind, unter die Erde zu bekommen. Ferninand Grautoff berichtet: "Das größte Grab, das vielleicht jemals gezogen ist, war zwischen dem äußeren Grimmaischen und dem Hintertore angelegt. An 3.000 Leichen wurden in ihm geherbergt und darüber eine Schicht ungelöschten Kalkes gelegt. Auf den weiter von den Stadt entlegenen Feldern blieben manche Leichen fast drei Wochen lang liegen, ja, als ich Ende November Leipzig verließ, war vielleicht nicht mehr als die Hälfte der gefallenen Pferde verscharrt." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 313) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Brotkrawalle in Leipzig im November 1813, Radierung
Entsetzlicher Hunger Neben Krankheiten und Seuchen, wird auch der Hunger zu einer ernsten Bedrohung für die Leipziger und die Menschen des Umlandes. Im November brechen sogar Hungerrevolten aus. Der Leipziger Ferdinand Grautoff erinnert sich später: "Wie viele Hunderte von ihnen starben wirklich den gräulichen Hungertod. Und das mitten in dem gesegneten Sachsen, auf den Fluren, die jüngst noch die reichste Ernte boten, in den Straßen und vor den Toren der glücklichen Stadt, wo sonst nur Fülle und Wohlleben herrschte. Aber keiner hatte Nahrungsmittel zu geben und mit Geld war nicht zu helfen. [...] Jetzt aber, wo alle Dörfer ringsumher im Schutte lagen, der Bauer heimatlos umherirrte, stand der Markt leer und öde, und jedes Lebensmittelbedürfnis fehlte." (Zitiert nach: Die Völkerschlacht in Augenzeugenberichten, Vor Leipzig 1813, hrsg. von Karl-Heinz Börner, 2. Auflage, Husum 2012, S. 309-310) Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
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