Aus Leipzig, Deutschland und Europa Korrespondenten-Blog zur Leipziger Schlacht

Wie erleben die Menschen in und um Leipzig die Schrecken der Schlacht? Wie wird das Ereignis in den Hauptstädten Europas bewertet? Welche Reaktionen gibt es? Hier finden Sie täglich aktuelle Blog-Einträge unserer Reporter und Korrespondenten aus Leipzig, Sachsen, Deutschland und Europa.

Dieter Moor
Bildrechte: ARD/Thorsten Eichhorst

Publiziert am 19. Oktober 1813, 19:00 Uhr, von Wien-Korrespondent Max Moor Beethoven und Napoleon - Verratene Ideale

Beethoven und Napoleon - Verratene Ideale

Wer kennt sie nicht: Ludwig van Beethovens monumentale 3. Sinfonie in Es-Dur. "Heroische Sinfonie", auch "Eroica" hat der Komponist das 1804 vollendete Werk genannt. Doch der ursprüngliche Titel lautete ganz anders: "Sinfonia grande, intitolata Bonaparte". Gewidmet Napoleon Bonaparte?

Tatsächlich empfand auch Beethoven, wie viele bürgerliche Intelektuelle, einst große Bewunderung für den Korsen. Dem griechischen Halbgott Prometheus gleich, der den Göttern Feuer stahl, um die Menschen zu befreien, sahen sie in dem jungen General einen Helden der Aufklärung: Durch seine Siege über das absolutistische Europa brachte er die Freiheitsideen der Französischen Revolution nach Italien und Deutschland.

Doch der bewunderte Erste Konsul der Französischen Republik krönte sich im Dezember 1804 selbst zum Kaiser. Für Beethoven ein Verrat an den Idealen der Revolution. "Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten; er wird sich nun höher wie alle Anderen stellen, ein Tyrann werden", soll er einem Jugendfreund gesagt haben. Trotz seiner Enttäuschung ließ der Komponist die "Eroica" unverändert. An den Idealen "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" hielt er fest, wollte diese aber nicht mehr durch, sondern im Kampf gegen Napoleon verwirklicht sehen.

Beethovens erster musikalischer Beitrag dazu war der vor fünf Jahren entstandene Marsch Nr. 1 oder "Marsch für die Böhmische Landwehr", der mittlerweile auch als "Yorckscher Marsch" Eingang in die preußische Militärmusik gefunden hat. Derzeit arbeitet der Meister an einer neuen Sinfonie, das wäre dann seine siebente, die er, so ist zu hören, den österreichischen Invaliden des Kampfes gegen Napoleon widmen will. Die Uraufführung ist für Dezember in Wien geplant.

Anja Kohl
Bildrechte: ARD/Rüdiger Jürgensen

Publiziert am 19. Oktober 1813, 15:00 Uhr, von Börsen-Expertin Anja Kohl Die Dillinger Hütte - Auf und Ab einer Aktiengesellschaft

Die Dillinger Hütte - Auf und Ab einer Aktiengesellschaft

Man sollte meinen, dass es Unternehmen, die ihr Geld mit Waffen und Rüstungsgütern verdienen, in Kriegszeiten immer besonders gut geht. Dass das nicht per se der Fall sein muss, zeigt das Beispiel der Dillinger Hütte. Zwar stimmt es: Noch bis vor einem Jahr (1812) gehörte das Eisenhütten- und Blechwalzwerk aus Dillingen an der Saar zu den großen Profiteuren der napoleonischen Rüstung und Kriegführung. Kupferplatten für die Schiffsrümpfe der Marine, Kanonenkugeln, Haubitzen und Waffenstahl für die Armee - die Bilanzen konnten sich sehen lassen. Fast 400 Mitarbeiter beschäftigte die Firma in Spitzenzeiten. 1809 genehmigte Kaiser Napoleon höchstpersönlich die Umwandlung der Hütte im französischen Departement "Sarre" in eine Aktiengesellschaft. Übrigens die erste auf deutschsprachigem Boden und eine der ältesten in Europa überhaupt.

Doch ausgerechnet der Krieg, der seit der Französischen Revolution 1789 den ehemaligen Hersteller von Ofenplattem, Töpfen und Sensen zu einem der größten Rüstungsproduzenten Europas gemacht hatte, sorgte am Ende auch für dessen Niedergang. Denn was nützen die besten Waffen, wenn es an Soldaten fehlt, die diese auch bedienen können, sagte sich Frankreichs oberster Kriegsherr Napoleon. Der hatte gerade in Russland eine ganze Armee verloren und brauchte eine neue, um es auf dem deutschen Kriegsschauplatz mit seinen Gegnern aufnehmen zu können. Frankreich mobilisierte daraufhin seine letzten Reserven an jungen Männern. Die aber fehlen seither in der Produktion.

Auch in der Dillinger Hütte herrscht aufgrund forcierter Rekrutierungsmaßnahmen akuter Arbeitskräftemangel. Stark sinkende Produktions- und Absatzzahlen sind die Folge. Die Aktie ist auf Talfahrt. Doch eine Patentlösung scheint es auch nicht zu geben. Zwar würde ein baldiges Kriegsende das Arbeitskräfteproblem lösen, doch für Waffen und Munition aus Dillingen gäbe es dann auch kaum noch Bedarf. Zudem beschäftigt die Börsianer die Frage, was passiert eigentlich, wenn das Saargebiet in einem künftigen Frieden von Frankreich abgetrennt würde? Immerhin würde die Dillinger Hütte dann über Nacht ihre angestammten französischen Märkte verlieren.

Hanno Griess
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Publiziert am 19. Oktober 1813, 13:00 Uhr, von Sachsen-Korrespondent Hanno Griess Der Dresdner Brücken-Streit

Der Dresdner Brücken-Streit

Er gilt als gemütlich, gesittet, gefällig, freundlich und kontaktfreudig - auch Fremden gegenüber. Wer den höflichen Dresdner aus der Reserve locken will, der muss schon dessen über alles geliebte Stadt beleidigen. Und wer ihn gar zum Feind haben will, der legt am besten Hand an die barocke Pracht der Elbe-Metropole an. Die Franzosen scheinen die Heimatliebe der Residenzstädter jedenfalls völlig unterschätzt zu haben, als sie im März daran gingen, die prächtige Augustusbrücke, die einzige Verbindung zwischen Alt- und Neustadt, zur Sprengung vorzubereiten.

Dabei ging es Napoleons Soldaten nach ihrer Retirade aus Russland nur darum, die einigermaßen gut zu verteidigende Elbe-Linie für die Armee des Zaren unpassierbar zu machen. Dumm nur, dass die Dresdner Neustadt rechts davon liegt und durch die schöne barocke, 400 Meter lange Augustusbrücke mit dem linken Ufer verbunden ist. 23 Zentner Schwarzpulver sollten Abhilfe schaffen. Doch das war zu viel für die ihrer Stadt ergebenen Elbflorenzler. Ein aufgebrachter Volkshaufen verjagte die Sprengmeister und warf im Brühlschen Palais, dem Quartier des französischen Generals Reynier, die Fenster ein. Es hat nichts geholfen: Nachdem die ersten Kosakenschwärme auftauchten, jagten die Franzosen am 19. März einen Brückenpfeiler samt angrenzenden Brückenbögen in die Luft.

Verziehen haben die Dresdner diesen Frevel nie. Als die Franzosen im Mai - die bei Großgörschen geschlagenen Preußen und Russen vor sich hertreibend - abermals in Dresden auftauchten, war das Verhältnis fast feindselig. Nachdem Napoleon im September/Oktober seine Hauptmacht auf Leipzig verlegte, ließ er 35.000 Mann unter Marschall Saint-Cyr in Dresden zurück. Wohl wollte er den sächsischen König mit dem Schutz der Residenzstadt bei der Fahne halten. Böse Zungen behaupten aber, nicht das russische Milizkorps, das die Stadt seither belagert, sei das Problem, sondern die Dresdner, die die Demolage ihrer schönen Augustusbrücke nie verwunden haben.

Rolf Seelmann-Eggebert
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Publiziert am 18. Oktober 1813, 19:00 Uhr, von ARD-Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert Eine Habsburgerin auf Frankreichs Kaiserthron

Eine Habsburgerin auf Frankreichs Kaiserthron

"Bella gerant alii, tu felix Austria nube. - Kriege führen mögen andere, du glückliches Österreich heirate." Seit Jahrhunderten hat das Haus Habsburg seine Macht durch eine geschickte Heiratspolitik zu mehren und zu erhalten gewusst. Auch Kaiser Franz von Österreich dürfte sich Anfang 1810 daran erinnert haben, als Napoleon am Wiener Hof um die Hand seiner ältesten Tochter Marie-Louise anhalten ließ. Der Habsburger war alles andere als abgeneigt. Nach vier verlorenen Kriegen gegen das nachrevolutionäre Frankreich sah er in einem Heiratsbündnis mit dem auf dem Gipfel seiner Macht stehenden Kaiser der Franzosen die Chance, Österreichs ramponierte Stellung in Europa wieder aufzupolieren.

Erzherzogin Marie-Louise war gerade mal 18 Jahre, als sie am 11. März 1810 im Wiener Stephansdom den zwar abwesenden, doch durch seinen Generalstabschef Berthier vertretenen Franzosen-Kaiser heiratete. Der Mann ihrer Träume sah sicher anders aus. Seit frühester Kindheit hatte der "Antichrist", wie Marie-Louise Napoleon bis dahin genannt hatte, ihrem geliebten Vater schwere Niederlagen und schlaflose Nächte bereitet. Die französischen Revolutionäre, denen Napoleon seinen Aufstieg verdankte, hatten ihre Tante, Königin Marie Antoinette, unter die Guillotine gelegt. Doch die Interessen einer Monarchie und eines Landes nehmen keine Rücksicht auf die Gefühle einer Prinzessin. Kaiser Franz wollte endlich auf der Gewinnerseite stehen. Und Napoleon wollte eine Dynastie mit einem der angesehensten Häuser Europas begründen. Beides gelang - zumindest vorerst.

Ein Jahr nach ihrer Ankunft in Paris, am 20. März 1811, brachte Marie-Louise mit Napoléon-François-Charles-Joseph Bonaparte den lange ersehnten Thronerben des Franzosen-Kaisers zur Welt. Der hatte es nicht nur geschafft, seine 22 Jahre jüngere Frau als Liebhaber zu erobern, sondern auch als Mensch zu gewinnen. Er nahm ihr die Furcht vor der fremden Umgebung, ermunterte sie, ihr künstlerisches Talent auszuleben, und gewann ihr Vertrauen. Und als der Arzt im Angesicht einer erwarteten schweren Geburt die Frage stellte, ob er im Ernstfall das Leben des Kindes oder das der Mutter erhalten solle, entscheid sich Napoleon für die Mutter. Marie-Louise erinnert sich bis heute in Dankbarkeit daran. Sie zahlt es ihrem Gatten mit Aufrichtigkeit und Loyalität zurück, auch wenn sie als Regentin Frankreichs sogar gegen ihren eigenen Vater steht. Wenn es ein Beispiel dafür gibt, dass Liebe und Respekt in einer Ehe wachsen können, dann scheint es die Verbindung zwischen Kaiser Napoleon und seiner habsburgischen Gemahlin zu sein.

Udo Lielischkies
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Publiziert am 17. Oktober 1813, 22:00 Uhr, von Russland-Korrespondent Udo Lielischkies Der Vaterländische Krieg

Der Vaterländische Krieg

Ein knappes Jahr ist es her, dass Napoleons Grande Armeé in Russland vernichtet wurde. Im Zarenreich sind die Spuren des Feldzuges bis heute präsent. Eine Schneise der Verwüstung zieht sich 1.000 Kilometer durchs Land. Das einst prächtige Smolensk - ein Raub der Flammen. Ebenso Moskau, die alte Hauptstadt. Waren es plündernde Franzosen, die es anzündeten? Oder doch die Russen selbst, die nicht wollten, dass ihr heiliges Moskau, das "Dritte Rom", ein Zentrum der Orthodoxie , den "gottlosen Franzosen" in die Hände fiel.

Vieles spricht dafür, dass es vor allem Russen waren, die der überwiegend aus Holz gebauten Metropole den roten Hahn aufsetzten. Und was ist mit den Verheerungen ganzer Landstriche? Fest steht: Soldaten des Zaren waren die ersten, die sich auf der Flucht vor Napoleons Truppen aus dem Land ernährten und sich einen Dreck um das Elend der Bevölkerung scherten. Die nachrückenden Franzosen, vom eigenen Tross-System verlassen, plünderten den Rest und kümmerten sich noch weniger darum. Das hatten sie auch schon vor über einem Jahrzehnt in Italien und Deutschland getan. Der große Unterschied: Dort reichte es selbst für die Ausgeplünderten noch zum Überleben. Im bitterarmen Russland nicht. Und auch das "Tauschgut", das die Franzosen auf früheren Feldzügen mit sich führten - die Ideen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - interessierten in Russland niemanden, wenn sie denn überhaupt noch angepriesen wurden. Denn kein General oder Konsul der Französischen Republik zog durch das Zarenreich, sondern ein selbstgekrönter Kaiser, gefolgt von Vasallen.

"Napoleon ist der leibhaftige Antichrist", schärften die Popen ihren strenggläubigen Schäfchen ein. Und die taten ihr Bestes, sich an den geschlagenen Soldaten des "Antichristen", die sich ab Oktober 1812 aus Moskau als Jammergestalten zurückkämpften, mit perverser Grausamkeit zu rechen. Wehe dem, der ihnen in die Hände fiel. Der Weg durch ihr zerstörtes Land hat die russischen Soldaten nicht sanftmütiger gemacht. Und ihr Zar, von dem böse Zungen behaupten, er fürchte die bürgerliche Ideenwelt der Franzosen mehr als die Hölle, wird einen Teufel tun, ihren Rachedurst zu zähmen, bevor Napoleon gestürzt und die Ideen der französischen Revolution aus ganz Europa vertrieben sind.

Vivienne Radermacher
Bildrechte: WDR/Herby Sachs

Publiziert am 17. Oktober 1813, 09:00 Uhr, von Frankreich-Korrespondentin Vivienne Radermacher "Marie Louises" - Frankreichs letztes Aufgebot

"Marie Louises" - Frankreichs letztes Aufgebot

Sie sind 17, oft schmächtig und nur schlecht ausgebildet. "Marie Louises" nennt der Volksmund jene 150.000 jungen Männer, die Anfang des Jahres vorzeitig zu den Waffen gerufen wurden, um Napoleons Armee aufzufüllen. Ihren Namen "verdanken" sie jener 22-jährigen Monarchin, die für die umstrittene Rekrutierungsmaßnahme verantwortlich zeichnet: Marie Louise von Österreich, Ehefrau Napoleon Bonapartes, Kaiserin der Franzosen und Regentin von Frankreich.

Beim Volk hat sich die junge Monarchin mit der Maßnahme nicht beliebter gemacht. Doch der Zorn trifft die Falsche. Es war ihr Gatte, der beschlossen hatte, den Rekrutierungsjahrgang 1814 ein Jahr früher auszuheben. Und es war nicht das erste Mal, dass der "Empereur" von dieser Maßnahme Gebrauch machte. Bereits im Herbst 1812 waren auf seine Veranlassung hin 120.000 17-Jährige des Rekrutierungsjahrganges 1813 vorzeitig eingezogen worden. Immerhin standen diese zu Beginn des Frühjahrsfeldzuges einigermaßen gut gedrillt zur Verfügung, was man von den "Marie Louises" kaum sagen konnte. So war nicht mal Zeit, die bedauernswerten Jungs ordentlich einzukleiden. Statt aufwendig gearbeiteter Röcke und teurer Tschakos gab's nur einen Mantel und eine Lagermütze mit Ohrenklappen.

Den Umgang mit der Muskete lernten die "Marie Louises" erst auf dem Marsch nach Deutschland. Dort kamen viele von ihnen oft gar nicht mehr an, weil ihr junger Körper den Strapazen gewaltiger Eilmärsche mit Tornister, Muskete, Patronentasche und Säbel oft gar nicht gewachsen war. Wer es schaffte, der hatte die ersten Schuhsohlen und Hosen abgetragen und zog nicht selten barfuß ins Gefecht. Und das wiederum überlebten viele dieser jungen Kerls nicht, weil ihnen Routine und Können fehlten. Doch der nächste Jahrgang von "Marie Louises" kommt bestimmt, fürchtet man bereits jetzt in Frankreich.

Sascha Fröhlich MDR TOPNEWS Frontreporter Nord
Bildrechte: MDR/Steffen Junghans

Publiziert am 16. Oktober 1813, 19:00 Uhr, von Frontreporter Sascha Fröhlich General "Vorwärts" - Attacke statt Altenteil

General "Vorwärts" - Attacke statt Altenteil

Wer heutzutage die 70 erreicht, der ist froh, wenn er noch einigermaßen gerade gehen kann. Strapazen und Gefahren wird er meiden, denn sie könnten seiner Gesundheit abträglich sein. Gebhard Leberecht von Blücher ist da eine Ausnahme. Der sitzt noch fest im Sattel, schwingt den Säbel und treibt seine Männer zum Angriff. 71 Jahre hat der Kommandierende der Schlesischen Armee auf dem Buckel. Bereits für Friedrich den Großen hat der alte pommersche Husar seine Knochen hingehalten, bei Auerstedt 1806 als Reiter-Führer tapfer gekämpft und dennoch verloren und als einer von lediglich zwei preußischen Generalen die anschließende Militärreform überstanden.

Und dennoch: Die jahrzehntelangen Strapazen von Krieg und abendlichem Umtrunk scheinen für seine Motorik nicht ohne Folgen geblieben zu sein. Der alte Blücher kennt nämlich nur eine Bewegungsrichtung: "Vorwärts!" Seine ganze Kriegskunst scheint darin zu bestehen, immer nur anzugreifen. Von gelehrten kriegerischen Bewegungen hat er keine Ahnung, notwendige Dispositionen, Befehle und Anordnungen überlässt er seinem genialen Generalstabschef Gneisenau. Doch mit seinem einfältigen Vorwärts-System hat er Napoleon bisher mehr geschadet, als die gelehrtesten Kombinationen es je hätten tun können. Mit seinem "Ran wie Blücher" hat er im August nicht nur den deutschen Redensarten-Fundus bereichert, sondern auch 100.000 Franzosen an der Katzbach in Schlesien geschlagen.

Und auch der heutige Sieg der Schlesischen Armee über das VI. französische Korps bei Möckern ist vor allem ein Ergebnis der Blücherschen Vorwärts-Strategie. Denn Freund wie Feind scheinen mit dem Eingreifen des Preußen-Generals kaum gerechnet zu haben. Doch angelockt vom Kanonendonner aus dem Süden war der alte Haudegen mal wieder zur Stelle. Die französischen Truppen, die Blüchers Armee dabei gebunden und vernichtet hat, fehlten Napoleon (44) bei Wachau zum Sieg und dem alliierten Oberbefehlshaber Schwarzenberg (42) zur Niederlage. Offenbar hat's der Alte den Jungen mal wieder gezeigt.

Steffen Quasebarth MDR TOPNEWS-Frontreporter Süd
Bildrechte: MDR/Steffen Junghans

Publiziert am 16. Oktober 1813, 12:00 Uhr, von Frontreporter Steffen Quasebarth Die Leiden der Dorfbewohner

Die Leiden der Dorfbewohner

Wie auch immer die große Schlacht um Leipzig ausgehen mag, eines steht bereits fest: Zu den großen Verlieren des gewaltigen Waffengangs wird das geschundene Landvolk gehören. Seit Tagen werden die Bauern im Leipziger Süden systematisch ausgeplündert. Erst kamen die Franzosen und trieben ihnen das Vieh weg. Später rückten die Heere der Verbündeten an. Die sind auch nicht besser. Sie zertrampeln Äcker und Wiesen, rauben Hafer und Saatgut und nehmen das Stroh für ihre Lager. Vor allem die Kosaken des Zaren sind eine regelrechte Landplage. Alles was essbar und nicht niet- und nagelfest ist, wandert in ihre Taschen: Geld, Kleidung, Schuhe und Werkzeuge. Auch für Möbel und Türen haben die Kriegsleute eine Verwendung. Sie werden kurzerhand zu Feuerholz gemacht.

Viele Dörfer sind bereits menschenleer. Wer das Unheil rechtzeitig ahnte, nahm, was er tragen konnte, und das Vieh, das er wegschaffen konnte, und setzte sich in die Wälder ab. Diejenigen, die auf Gott vertrauten, suchten in den Dorfkirchen Schutz. Doch wie gefährlich das Dorfleben zwischen den Fronten ist, erfuhren vor zwei Tagen die Bewohner von Liebertwolkwitz. In dem neun Kilometer südöstlich von Leipzig gelegenen Ort waren am 14. Oktober Voraustruppen Napoleons und der alliierten Hauptarmee aneinander geraten. Die Bewohner, die in der Dorfkirche Schutz suchten, gerieten ins Feuer der Kontrahenten. Mitten im Kampfgetümmel mussten sie aus dem Gotteshaus fliehen, in das Kanonen- und Kartätschenkugeln einschlugen. Ein Junge, der dabei war, hat mir darüber berichtet: Mit Müh und Not sei es ihm und seinen Leidensgenossen gelungen, einigermaßen heil aus dem brennenden Ort heraus zu kommen. Andere hätten weniger Glück gehabt. Sie seien von Querschlägern und verirrten Kugeln getroffen worden. Wieder andere seien in ihren Häusern verbrannt.

Roland Kühnke MDR TOPNEWS-Stadtreporter Leipzig
Bildrechte: MDR/Steffen Junghans

Publiziert am 16. Oktober 1813, 08:00 Uhr, von Leipzig-Reporter Roland Kühnke Die Not mit dem Brot

Die Not mit dem Brot

Man ist ja in Leipzig einiges gewöhnt. Seit dem Frühjahr hat die Messestadt alle möglichen Heere durchmarschieren sehen. Erst kamen Russen und Preußen, dann kehrten die Franzosen zurück. Und jeder hat sich in der Stadt und dem Umland bedient. Lazarette, Truppeneinquartierungen, nach der Schlacht bei Dresden auch Tausende österreichische Kriegsgefangene. Große Verpflegungsengpässe hat es bis vor einigen Tagen aber kaum gegeben. Die Bauern des Umlandes haben es immer wieder geschafft, die Märkte der 30.000 Einwohner-Stadt mit dem Nötigsten zu versorgen.

Doch jetzt lagern Hunderttausende Soldaten Napoleons und seiner Gegner in und um Leipzig. Sie verstopfen nicht nur die Zufahrtsstraßen, sondern plündern auch die Dörfer systematisch aus. Fleisch gibt es interessanterweise noch ausreichend. Die Franzosen hatten in den vergangenen Tagen riesige Viehherden zusammengetrieben. Doch Brot ist mittlerweile absolute Mangelware. Dabei scheint es so, als würden die Leipziger das Problem durch ihre Hamsterkäufe selbst noch anheizen. Kaum erreicht ein Brotwagen die Stadt, wird er von einer schreienden und rempelnden Menge aus Weibern und Männern umlagert, die bereit sind, jeden Preis für die Backwaren zu zahlen und so viel wie möglich davon zu horten. Nach ersten Übergriffen auf Bäckereien ist die französische Stadtkommandantur mittlerweile dazu übergegangen, die Backstuben durch Soldaten schützen zu lassen.