Waldis Club

Ein Franke ist zu Gast in Sachsen : "Waldis Club" im Bayerischen Bahnhof in Leipzig

Ob WM oder EM – zu diskutieren gibt es immer reichlich, wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt. 80 Millionen "Bundestrainer" streiten sich über die wichtigste Nebensache der Welt: den Fußball in all seinen Facetten. Waldemar Hartmann spricht seit 2006 mit Fußballexperten, Kabarettisten und prominenten Fußballfans in "Waldis Club". Ab August wird die Sendung nun vom MDR in der Leipziger Gaststätte „Bayerischer Bahnhof“ produziert und im Ersten gesendet.

Waldemar Hartmann

Wie ist denn Ihr erster Eindruck vom neuen Arbeitsplatz?

Also, ich habe den "Bayerischen Bahnhof" ja bisher nur auf Bildern gesehen, aber konnte mir schon ein bisschen was vorstellen. Jetzt bin ich ziemlich überwältigt. Es gibt hier viele Dinge, die für eine Sendung wichtig sind: z. B. einen Riesenparkplatz für die Gäste und für den Übertragungswagen. Dazu kommt der tolle Biergarten, wo man bei Bedarf während der Europameisterschaft auch mal rausgehen und ein Public Viewing veranstalten kann. Wir haben hier also tolle Möglichkeiten.

Bei einer Rundfahrt im Bus haben Sie auch schon die Stadt ein wenig kennen gelernt. Gefällt Ihnen Leipzig?

Waldemar Hartmann
An der Theke mit Experten: "Waldis Club".

Ich habe Leipzig ja schon beim Confederations Cup 2005 kennengelernt. Und schon damals war ich begeistert. Eine Straße wie das Barfußgässchen gibt es in ganz Deutschland nicht. So eine konzentrierte Party- und Kneipenmeile ist einmalig. Jetzt habe ich auch noch erfahren, dass die keine Polizeistunde haben und solange bewirten, bis der Durst gestillt ist – großartig. Außerdem war ich auch schon für ein Fotoshooting in der Stadt – am Völkerschlachtdenkmal. Pflichtbesuche habe ich natürlich in der Thomaskirche und der Nikolaikirche gemacht. Für mich ist aber besonders wichtig, dass die Leute unheimlich freundlich sind – auch beim MDR. Zu Wolf-Dieter Jacobi (Redaktionsleiter Sport, Anm. d. Red.), den ich seit über zehn Jahren vom Boxen kenne, habe ich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut.

Die neue "Hülle" von "Waldis Club" ist das eine. Gibt es auch inhaltlich Veränderungen?

Wir werden das Rad jetzt nicht neu erfinden und auch der Ball rollt weiterhin geradeaus und nicht um die Ecke. Das Ambiente ist ja ähnlich wie in München – gehobene Kneipenatmosphäre. Da wird sich die Stimmung zunächst nicht ändern. Es wird aber z. B. das eine oder andere Mal auch ein Ostdeutscher im "Club" sitzen. Ich habe jetzt z. B. Simone Thomalla angefragt, die auch zugesagt hat. Meine Fußball-Experten werden weiterhin Paul Breitner, Hansi Müller oder Michael Rummenigge sein. Aber es werden hoffentlich auch mal Felix Magath oder Jürgen Klopp vorbeischauen. Und natürlich bleibt Comedian Matze Knop auch Stammgast. Er kickt auch selber gut und das ist sein großer Vorteil. Denn rund 30 Minuten nach dem Spiel gehen wir auf Sendung und da muss er nicht nur hellwach sein, sondern auch etwas vom Fußball verstehen.

Der MDR legt großen Wert auf Trimedialität, wird das auch ein Thema für den "Club" sein?

Waldemar Hartmann
Der Bayerische Bahnhof als neuer Einsatzort.

Der Sender zeigt tatsächlich – wie in der Vergangenheit besonders bei den Olympischen Spielen –, wie man trimedial arbeitet. Ich bin privat weder bei Twitter noch bei Facebook aktiv, aber ich lebe nicht hinter dem Mond und weiß, dass das für das "Geschäft" wichtig ist. Die Leute müssen online mit mir kommunizieren können. Deswegen wollen wir auch über diese Plattformen Anregungen bzw. Hinweise von Zuschauern sammeln und in die Sendung integrieren.

Wenn Sie auf Ihre Sendungen zurückblicken – welche waren denn ganz besonders?

Zum Beispiel die mit Schauspieler Joachim Król. Nachdem ich mit ihm in Berlin mal eine Nacht nur über Fußball gesprochen hatte, habe ich ihn in den "Club" eingeladen. Er kam also nach München und sagte in der Sendung keine drei Sätze. Anschließend, an der Hotelbar, redete er wieder wie ein Wasserfall. Auf meine Frage, warum er in der Sendung denn so einsilbig gewesen sei, sagte er: "Ach weißt du, ich gehe in keine Talkshows." Und bei einem "Club" während der WM im letzten Jahr sang Matze Knop als "Howie". Plötzlich kam der echte Howard Carpendale, stellte sich dazu und machte mit. Ganz locker, ganz unkompliziert.

Über welchen Gast haben Sie sich am meisten gefreut?

Waldemar Hartmann
Waldemar Hartmann und der Fußball: unzertrennlich.

Es gab einige, von denen ich eine Zusage gar nicht erwartet hatte. Veronica Ferres beispielsweise kam bei der EM 2008 nach der Partie Österreich – Deutschland ins Studio und lieferte eine Spielanalyse ab, die auch Günter Netzer nicht besser hätte machen können. Nicht nur ich war beeindruckt, auch mein Experte Paul Breitner, der hinterher leicht pikiert erklärte, ich solle doch jetzt immer "eine Blonde nehmen, die das Spiel erklärt". Auch Hellmuth Karasek war schon da oder Olaf Schubert.

Sie sind ein Ur-Bayer – aus Franken. Haben Sie ein bisschen Angst, dass das Lokalkolorit in Leipzig ein anderes ist und dass das Bayerische hier nicht so ankommt?

Ich habe ungefähr elf Olympische Spiele für die ARD moderiert und fünf Fußball- Weltmeisterschaften sowie unzählige andere Weltmeisterschaften: Da bin ich nie als Bayer oder Franke aufgetreten, versuche aber natürlich authentisch zu sein – auch ohne den typischen Dialekt. Wenn ich den richtig sprechen würde, könnte mich keiner mehr verstehen. Allerdings ist Deutschland ein Land mit verschiedenen Dialekten und das ist auch gut so. Und wenn ich nicht ganz falsch liege, haben beispielsweise auch die Sachsen eine ausgeprägte Mundart. Mit der muss ich ja auch zurechtkommen (lächelt).

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2011, 17:00 Uhr


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