Mitteldeutsche Handelsbilanz : Grundsätzliche Zufriedenheit beim Weihnachtsgeschäft
Die Handelsverbände in Mitteldeutschland haben eine grundsätzlich positive Bilanz in Sachen Weihnachtsgeschäft gezogen: Sachsen und Sachsen-Anhalt rechnen mit einem leichten Umsatzplus und auch Thüringen will sich nicht beklagen - hofft aber noch auf einen Endspurt am letzten Wochenende vor dem Fest.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) sorgt sich kurz vor Ende des Jahres trotz Euro-Schuldenkrise nicht um eine Konsumflaute. Wie HDE-Sprecher Stefan Hertal mitteilte, liegt die Prognose für das laufende Weinachtsgeschäft bei rund 80 Milliarden Euro Umsatz. Das seien rund 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieses positive Fazit können auch die mitteldeutschen Handelsverbände ziehen.
Sachsen rechnet mit leichter Umsatzsteigerung
Vor allem in Sachsen sieht es rosig aus: Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Sachsen, Eberhard Lucas, geht von einer Umsatzsteigerung von rund 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Allein beim Weihnachtsgeschäft, zu dem die Monate November und Dezember zählen, erwartet der Verband Umsätze von rund 3,8 Milliarden Euro im Freistaat.
Die Summe, die explizit für Weihnachtsgeschenke ausgegeben werde, schätze man auf etwa 750 Millionen Euro; darunter befinden sich laut Lucas auch viele Geschenkgutscheine, die nach den Weihnachtsfeiertagen noch einmal zu Einnahmen im Einzelhandel führten.
Mehr als ein Viertel ihres Jahresumsatzes zur Weihnachtszeit erwirtschafteten Lucas zufolge Branchen, die traditionell häufig nachgefragte Weihnachtsgeschenke wie Spiele, Kosmetika oder Schmuck anbieten. Aber auch Artikel aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik seien gefragt gewesen. Reserven sehe man dagegen noch in den Bekleidungsgeschäften. Vor allem im November sei nur wenig warme Winterbekleidung verkauft worden.
Auch Sachsen-Anhalt geht von Umsatzplus aus
Beim Einzelhandel in Sachsen-Anhalt gab es zwar keine konkrete Zahlen, wohl aber eine konkrete Richtung: Der Landesgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen-Anhalt, Knut Bernsen, teilte mit, dass mit einem leichten Umsatzplus gerechnet werde. Gründe dafür lägen in der positiven Arbeitsmarkentwicklung und eine bessere Lage der Wirtschaft insgesamt. Allerdings liefen die Geschäfte in den großen Städten besser als auf dem Land. Dazu könne zum Teil an Ausflügen zu den großen Weihnachtsmärkten liegen, die Besucher dann zu Geschenkkäufen animierten.
Bei den beliebtesten Weihnachtsgeschenken sieht Bernsen Schmuck und Uhren an erster Stelle. Der Trend zu hochpreisigen Stücken halte dabei an. Zudem laufe der Buchverkauf noch besser als im vergangenen Jahr.
Thüringen setzt auf Endspurt am Vorweihnachts-Wochenende
Zwar ist man auch in Thüringen mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden - etwa zwei Drittel der Händler berichteten von Umsätzen wie im Vorjahr oder darüber, erklärte die Verbandsgeschäftsführerin des thüringischen Einzelhandels Monika Osiewacz, betonte aber zugleich: "Im Moment läuft der Geschenkekauf noch auf Hochtouren." So richtig in Schwung gekommen sei das Weihnachtsgeschäft überhaupt erst um den dritten Advent. Grundsätzlich habe man festgestellt, dass die Kunden sich erst einmal einen Überblick über das Sortiment verschafften; der tatsächliche Kauf wandere deshalb immer mehr in Richtung Heiligabend, so die Expertin.
Auch der Geschenkeverkauf via Internet habe weiter zugenommen, sagte Osiewacz. Davon profitierten nicht nur große Versandhändler, sondern auch kleine Läden, die über das Internet Artikel vertrieben. Wie in Sachsen sei auch im Freistaat der Geschenkgutschein sehr beliebt. Deshalb erwarte der Handel noch an den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr einen regen Andrang.
Auch die Thüringer Weihnachtsmärkte zogen eine überwiegend positive Bilanz. Der Weimarer Markt ist noch bis zum 29. Dezember geöffnet und rechnet mit insgesamt zwei Millionen Besuchern. Thüringens größter Weihnachtsmarkt in Erfurt schließt am Sonnabend. Er wird diese Marke zwar verfehlen, ist aber angesichts der kürzeren Öffnungsdauer dennoch zufrieden.
Bilanz dennoch nicht durchweg positiv
Doch auch wenn der grundsätzliche Tenor positiv ist – der Umsatz kommt nicht bei allen an. So sind beispielsweise die Erzgebirgischen Kunsthandwerker mit dem zu Ende gehenden Geschäftsjahr nicht zufrieden. Die erzielten Einnahmen würden kaum den Aufwand decken, so der Verband der Kunsthandwerker. Und auch kleinere Geschäfte mit speziellen Produkten, die keinen Online-Verkauf betreiben, müssen ums Überleben kämpfen.
Nun sind alle Augen auf das letzte Adventswochenende gerichtet, an dem viele Geschäfte noch einmal mit dem verkaufsoffenen Sonntag zum Geld ausgeben locken.
Wie viel geben die Deutschen eigentlich in diesem Jahr für Geschenke aus?
71 Prozent der Deutschen beschenken ihre Lieben mit Präsenten im Wert von insgesamt über 100 Euro, jeder Vierte investiert nach einer am Freitag in Köln veröffentlichten ARD-Umfrage bis zu 200 Euro in Weihnachtsgeschenke. Gut jeder Zehnte greift noch tiefer in die Tasche und berappt mehr als 500 Euro.
Weniger als 100 Euro geben der Umfrage zufolge 13 Prozent der Deutschen aus, mit nicht einmal 50 Euro kommen neun Prozent der Befragten aus.
Die Daten basieren auf einer Umfrage im Auftrag des ARD-Morgenmagazins.
