Wildbiene
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

UN-Artenschutzkonferenz Können wir das Artensterben stoppen?

Kann man mit Euro und Dollar das Artensterben wirklich stoppen? Die UN-Staaten glauben, ja. Sie wollen die Subventionspolitik in der Landwirtschaft ändern. Öko-Strukturen statt Monokulturen und Pestizideinsatz. Das fordern die Umweltminister in der Erklärung der UN-Artenschutzkonferenz von Cancún.

Wildbiene
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Am Stadtrand von Jena kann jeder sehen, was es für ein Ökosystem bedeutet, wenn Arten daraus verschwinden. Auf zehn Hektar betreibt die Friedrich-Schuller-Universität ihr “Jena-Experiment“. “Wir konnten feststellen“, so Prof. Dr. Nico Eisenhauer, Sprecher des Jena Experiments, “dass Pflanzengemeinschaften mit einer großen Artenvielfalt deutlich stabiler und widerstandsfähiger sind. So ertragen sie Klimaextreme wie Starkregen oder Trockenheit viel besser.“ Anders gesagt: Wir sollten alles tun, die Artenvielfalt zu erhalten. Aber das Gegenteil ist der Fall, wie Forscherkollegen in Sachsen-Anhalt zeigen.

Keine 100 Kilometer nördlich des "Jena-Experiments", an der Martin-Luther-Universität Halle, haben sich Forscher den Bienen und Hummeln verschrieben. Vor kurzem haben sie gemeinsam mit den Forschern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) eine Studie veröffentlicht. "Die zeigt sehr anschaulich, wie schlecht die Bedingungen für Wildbienen und die von ihnen bestäubten Pflanzen in modernen landwirtschaftlich genutzten Gebieten sind", sagt der Biologe Prof. Dr. Robert Paxton von der MLU, in dessen Arbeitsgruppe die Studie geleitet wurde.

Stirbt die Biene, stirbt der Mensch

Diese Entwicklungen beobachten Forscher weltweit. Monokulturen und Pestizideinsatz sorgen dafür, dass immer mehr Arten verschwinden. Umweltschützer warnen zum Beispiel davor, dass durch den starken Pestizid- und Gentechnikeinsatz die Zahl blütenbestäubender Tiere wie der Bienen dramatisch sinken könnte. 75 Prozent der Nahrungspflanzen und 90 Prozent der wildwachsenden Blütenpflanzen werden nach Auskunft des Weltrats für Biodiversität von Tieren bestäubt - und sind wichtiger Bestandteil der Nahrungsmittelproduktion für Menschen.

Subventionen für Öko-Landwirtschaft

"Ohne grundlegende Änderungen in der Landwirtschaft oder der Fischerei können wir die biologische Vielfalt auf unserem Planeten nicht erhalten", betonte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die an den Ministerberatungen der UN-Konferenz in Cancún teilnahm. "Besonders wichtig ist mir das Bekenntnis zum Abbau naturschädlicher Subventionen, für das wir uns stark eingesetzt haben." Die Forderung lautet daher, die Landwirte zu unterstützen, die sich für umweltverträgliches Arbeiten einsetzen. "Intensive Landwirtschaft, Fischerei und Forstwirtschaft sind neben Bergbau, Verkehr und Infrastruktur die größten Treiber des weltweiten Artensterbens und des Verlusts natürlicher Lebensräume", sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. "Nur wenn es gelingt, den Schutz der Biodiversität wirksam in andere Sektoren wie die Agrar-, Fischerei- oder Verkehrspolitik zu integrieren, können Korallenriffe, Regenwälder, Orchideenwiesen und andere natürliche Lebensräume bewahrt werden."

Die UN-Artenschutzkonferenz Findet alle zwei Jahre statt und wird auf Arbeitsebene bis zum 17. Dezember fortgesetzt. Grundlage ist die 1992 in Rio de Janeiro beschlossene Artenschutzkonvention. 2010 hatten die Mitgliedsstaaten konkrete Artenschutz-Ziele bis 2020 beschlossen. So sollen 17 Prozent der Land- und 10 Prozent der Meeresflächen besser geschützt werden, um den Artenverlust zu stoppen. Aber statt Fortschritten gibt es unter anderem durch die intensive Land- und Forstwirtschaft sowie durch die vielerorts massive Überfischung der Meere auch viele Rückschritte.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 15:43 Uhr