Eine Gewitterfront am Horizont ueber dem Stadtbild von Leipzig
Bildrechte: IMAGO

Tropfen wirbeln Mikroorganismen auf Bakterien für Geruch des Regens verantwortlich

Regen riecht nach Erde, ganz frisch und irgendwie auch ein bisschen muffig. Forscher haben nun herausgefunden, dass Bakterien dafür verantwortlich sind. Sie werden von Regentropfen in die Luft geschleudert.

von Kristin Kielon

Eine Gewitterfront am Horizont ueber dem Stadtbild von Leipzig
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Regen kann so richtig erfrischend sein: Ein warmer Schauer wäscht den Dreck weg und macht die Luft sauber. Nur stimmt das leider nicht so ganz: Denn laut Forschern vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) steht man im Regen auch in einer Art Bakteriensturm. Mit Hochgeschwindigkeitskameras haben sie gefilmt, was passiert, wenn Regentropfen auf den Boden aufschlagen. Das Ergebnis: Feinste Wasserspritzer werden in die Luft geschleudert. Das sind flüssige Aerosole – wie sie auch bei der Gischt auf einem Sektglas vorkommen. "Diese sehr sehr kleine Tropfen werden in die Atmosphäre abgesondert. Die Bakterien können da länger verbleiben", erklärt Hauke Harms vom Leipziger Umweltforschungszentrum (UFZ).

In einem Aerosol-Tröpfchen stecken etwa zehn von ihnen. Hochgerechnet macht das den US-Forschern zufolge Milliarden von aufgewirbelten Bakterien bei nur einem einzigen Regenschauer. Dann übernimmt der Wind und verteilt die Bakterien über weite Distanzen. Für den Mikrobiologen Harms aber kein Grund zur Beunruhigung. "Die sind in aller Regel harmlos, da muss man jetzt keine Sorge haben", sagt der Experte.

Doch es gibt auch Bakterien, die das Klima beeinflussen. Sie können als Kondensationskeime dienen und so dafür sorgen, dass sich mehr Wolken bilden. Und noch einen weiteren Effekt haben aufgewirbelte Mikroorganismen: Sie geben dem Regen seinen typischen Geruch.

Hauke Harms Umweltforschungszentrum Leipzig UFZ
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Das sind sogenannte Geosmine, also mikrobielle Duftstoffe. Sie werden von Mikroorganismen gebildet, von Cyanobakterien beispielsweise – auch als Blaualgen bekannt – und auch von anderen Bodenorganismen. Die geraten in die Luft und geben diesen recht angenehmen Geruch von frisch gefallenem Regen.

Hauke Harms, UFZ

Zusätzlich spielen ein gelbes Öl, das Pflanzen freisetzen und Ozon bei der Geruchsbildung eine Rolle. Je trockener und poröser der Boden und je leichter der Regen ist, desto mehr duftet es, so die US-Forscher. Und dieser Geruch hat sogar einen Namen: Petrichor heißt das Aroma – eine Mischung aus den griechischen Worten petros für Stein und Ichor, der Flüssigkeit, die in der griechischen Mythologie durch die Adern der Götter fließt.

Über dieses Thema berichtet MDR-Aktuell auch im: Radio | 10.03.2017 | 08:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2017, 12:21 Uhr