Schüler sitzen mit dem Rücken zum Betrachter in einer Prüfung
Bildrechte: colourbox

Leistung bleibt gleich Kein Extra-Stress beim "Turbo-Abi"

Das Turbo-Abi nach 12 Schuljahren macht krank? Nicht mehr, als das Abi nach 13 Jahren, sagen Kieler Bildungsforscher. Die Schüler seien immer gleich stark gestresst und müssen sich ähnlich umfangreich vorbereiten.

Schüler sitzen mit dem Rücken zum Betrachter in einer Prüfung
Bildrechte: colourbox

Die Menge des Unterrichtsstoffs bleibt gleich, es steht nur in ein Jahr weniger zur Verfügung. Das klingt nach Stress und deshalb hat G8, das Abitur nach 12 Jahren, auch den wenig ruhmvollen Beinamen "Turbo-Abi"“ bekommen. Viel wurde darüber geschimpft, in Bayern will man jetzt sogar wieder auf G9, also 13 Jahre, umsteigen. Doch wie sieht eigentlich die Faktenlage aus? Das hat sich Olaf Köller gefragt, der Direktor des Kieler Leibniz-Instituts für Pädagogik.

Zusammen mit Kollegen hat er eine Reihe von Studien angeschaut, in denen G8 und G9 Schülerinnen und Schüler verglichen wurden. Darin ging es um Abiturleistungen, das Wohlbefinden, das Stressempfinden, aber auch wie oft die Jugendlichen sitzengeblieben sind. Knappes Ergebnis der Literaturschau: Zwischen G8 und G9-Schülern gibt es kaum Unterschiede.

Das Stresserleben ist bei beiden Gruppen vergleichsweise hoch. Die Leistungen sind ganz ähnlich, ebenso die Vorbereitungen aufs Studium. Die Mitgliedschaft in Vereinen ist nicht zurückgegangen bei Schülern, die nach acht Jahren das Abitur abgelegt haben. Der einzige Unterschied, der sichtbar wurde, ist, dass die G9-Schüler mehr Freizeit haben als die G8 Schüler und zwar eine halbe Stunde am Tag.

Olaf Köller, Direktor Leibniz-Institut für Pädagogik, Kiel
Olaf Köller, Direktor Leibniz-Instituts für Pädagogik, Kiel
Bildrechte: dpa

Gestresster fühlen sich die G8 Schüler laut Olaf Köller deswegen aber nicht. Das Stresslevel sei am Gymnasium generell sehr hoch – viele Abiturienten litten regelmäßig an stressbedingten Kopf- und Bauchschmerzen. Das belastet laut Olaf Köller auch die Eltern. Sie seien durch den Leistungsdruck ihrer Kinder ebenso gestresst und machten G8 dafür veranwortlich. "Dieses Stresserleben der Eltern das hat es schon in G9 gegeben und wenn wir jetzt Eltern in G9 befragen, sind die auch gestresst. Nur die öffentliche Debatte führt dazu, dass viele Eltern denken, das hat mit G8 zu tun", sagt Köller. Er rät deshalb, die Strukturen in den einzelnen Bundesländern so zu belassen, wie sie aktuell sind.

Dort wo G9 ist, sollte man G9 belassen, dort wo G8 ist, sollte man G8 belassen. Zum einen hat man große finanzielle Kosten und man erzeugt wieder immense Unruhe in den Schulen – Kollegen sind einfach durch diese permanenten Veränderungen aufgeschreckt und verunsichert und wollen in der Regel ihrem Kerngeschäft nachgehen, nämlich dem Unterricht.

Olaf Köller, Direktor Leibniz-Institut für Pädagogik, Kiel

Doch das geht nur, wenn sich Lehrer und Schüler nicht immer wieder aufs Neue mit Strukturdebatten auseinander setzen müssen.

Über dieses Thema berichtet MDR-AKTUELL im Radio | 08.05.2017 | 16:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2017, 11:30 Uhr