Maus vor blauem Hintergrund mit Laborgefäßen
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Nationale Initiative durch Leopoldina/Halle Wissenschaftler fordern Verständnis für Tierversuche

Mit dem Start der Informationsinitiative "Tierversuche verstehen" wollen Deutschlands große Wissenschaftsorganisationen die verhärteten Fronten aufweichen. Denn auch bei der Forschung sei das Tierwohl wichtig, so die Initiatoren. Auf einer Internetplattform klären News, Hintergrundtexte, Filme und Grafiken über die Notwendigkeit von Tierversuchen und auch über mögliche Alternativen auf.

Maus vor blauem Hintergrund mit Laborgefäßen
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Kaum ein Thema erhitzt unsere Gemüter mehr: Tierversuche - ja oder nein? Ohne Tierversuche keine Impfstoffe, viele Therapiemöglichkeiten wären undenkbar - sagen die einen. Es muss doch Alternativen geben - sagen die anderen und fordern die Erforschung und Markteinführung tierversuchsfreier Methoden. Beide Positionen sind verständlich, aber beide Fronten inzwischen auch verhärtet. Aufklärung soll nun eine Annäherung ermöglichen. Dazu startete die "Allianz der Wissenschaften" - ein Zusammenschluss der bedeutendsten Wissenschafts- und Forschungsorganisationen in Deutschland - heute unter Federführung der Nationalen Akademie der Wissenschaften "Leopoldina" eine Informationsinitiative.

Um haltbare Forschungsergebnisse durch Tierversuche zu bekommen, ist es wichtig, dass sich die Tiere wohlfühlen und ihr normales Verhalten zeigen

Prof. Dr. Gerhard Heldmaier

Eine neue Internetplattform präsentiert dazu nicht nur Zahlen und Fakten zum Thema, sondern porträtiert Menschen, die täglich im Labor mit Tieren umgehen. Die zum Teil sogar selbst einmal Tierversuchsgegener waren. Und die heute sagen: "Gute Forschung an Tieren und Tierwohl sind kein Gegensatz." Tierpsychologe Prof. Gerhard Heldmaier von der Deutschen Forschungsgemeinschaft begründet das so: "Um haltbare Forschungsergebnisse durch Tierversuche zu bekommen, ist es wichtig, dass sich die Tiere wohlfühlen und ihr normales Verhalten zeigen. Tierexperimentelle Forschung und das Wohlergehen der Tiere bedingen sich gegenseitig."

Emotional diskutierte Themen brauchen Aufklärung

"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich festgefügte Positionen bewegen und Vorurteile auflösen, wenn wir mit der Öffentlichkeit und mit den Medien einen aktiven Dialog führen", begründet der Präsident der Leopoldina, Jörg Hacker, die Initiative. Die Wissenschaftsorganisationen betrachteten es als ihre gesellschaftliche Verpflichtung, nicht nur die biomedizinische Forschung an sich zu fördern, sondern auch die Kommunikation dazu.

Mikrobiologe Prof. Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina in Halle.
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Die Laufzeit der Initiative ist zunächst für fünf Jahre geplant und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibnitz-Gemeinschaft und der Frauenhofer-Gesellschaft finanziert. Die Federführung hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle/S. übernommen.

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2017, 17:00 Uhr