Schüler lernen in der Schule
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Lernpsychologie Wer testet, behält mehr Wissen

Von wegen, Tests sind nur sinnlose Übungen für den Lehrer. Forscher der Universität Erfurt zeigen: nur wenn gelerntes Wissen auch im Test abgefragt wird, bleibt es wirklich lange hängen.

Schüler lernen in der Schule
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Diese Forschungsergebnisse werden vielen Schülern und Studenten vermutlich nicht gefallen. Die beste Methode, textbezogenes Wissen zu behalten, ist, es zu testen. Das haben Kognitionspsychologen der Universität Erfurt herausgefunden.

Wie haben sie getestet?

Die Wissenschaftler um Professor Ralf Rummer von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Uni Erfurt haben sich auf textbezogenes Wissen konzentriert. Die Studie kann also beispielsweise keine Aussage zu mathematischen oder chemischen Formeln machen. 273 Studierende nahmen am Experiment teil. Die Psychologen der Uni verglichen dabei den Effekt von Tests im Vergleich zum Notizenmachen. Die Studenten wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Eine musste einen vorgegebenen Text mehrfach lesen. Eine andere durfte sich mit eigenen Worten Notizen machen. Die dritte sollte den Text wiedergeben, aber ohne dafür im Originaltext nachschlagen zu dürfen.

Und danach wurden alle drei Gruppen getestet – fünf Minuten nach der Übung, eine Woche später und dann noch einmal nach zwei Wochen. Die Frage war: welche Gruppe konnte den Inhalt des Textes am besten wiedergeben.

Schüler sitzen mit dem Rücken zum Betrachter in einer Prüfung
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Was ist herausgekommen?

Kurzfristig profitierten die Notizenmacher. Anders gesagt: Wer nur die Klausur am nächsten Tag überstehen will, macht sich Stichpunkte aus dem Text und kann den Inhalt dann am besten wiedergeben. Langfristig, das zeigten die Tests nach zwei Wochen, hatten die Probanden mehr behalten, die schon beim Lernen getestet wurden, indem sie die Inhalte aufschreiben mussten, ohne im Text nachschlagen zu dürfen.

Aus unserer Sicht sollte man sich diesen Effekt sowohl in der universitären und schulischen Lehre – etwa durch den Einbau von Tests in Lehrveranstaltungen – als auch beim heimischen Lernen zunutze machen.

Prof. Dr. Ralf Rummer, Uni Erfurt

Wissen testen bedeutet aber nicht zwangsläufig, jeden Tag im Unterricht und Studium Tests zu schreiben. Rummer schlägt zum Beispiel vor, beim Lernen immer wieder Buch oder Laptop zuzumachen und dann das Gelesene selbst zusammenzufassen oder mit eigenen Worten zu erzählen. So ähnlich, wie das viele auch beim Vokabeln lernen machen.

Warum ist das so?

Die Psychologen vermuten, dass Testen den Abruf der Informationen trainiert. Mit dem Notizenmachen könne man zwar mehr Informationen speichern, das aber nur kurzfristig. Das Testen dagegen führt dazu, dass zwar weniger gespeichert wird, dafür aber langfristig. Und dann zeigt sich, dass weniger, eben wie im Sprichwort, manchmal mehr ist.

Über dieses Thema berichtete MDR Fernsehen: LexiTV | 07.08.2017 | 15:00-16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2017, 13:02 Uhr