4 Mio Bluttransfusionen finden jedes Jahr in Deutschland statt. Hinter jeder steht auch ein Spender.
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius/MDR WISSEN

Weltblutspendetag Blut - ein ganz besonderer Saft

Der Weltblutspendetag wird immer am 14. Juni, dem Geburtstag des berühmten amerikanischen Pathologen und Serologen Karl Landsteiner (1868–1943), dem Entdecker der Blutgruppen, begangen. Seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse machten die moderne Form der Blutspende erst möglich. Seitdem konnten Millionen Menschenleben gerettet werden. Denn das kostbare Spenderblut ist bisher künstlich durch nichts zu ersetzen. Unser Themenschwerpunkt beleuchtet historische und aktuelle Aspekte der Blutspende.

von Karsten Möbius

4 Mio Bluttransfusionen finden jedes Jahr in Deutschland statt. Hinter jeder steht auch ein Spender.
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Die Geschichte der Blutspende

Die Blutspende, so wie wir sie kennen, gibt es noch gar nicht so lange, erst etwa seit 80 bis 90 Jahren. Der Weg bis zu einer halbwegs sicheren Blutübertragung war lang, mühsam und voller Irrtümer.

Als erster überlieferter Versuch einer Bluttransfusion gilt ein Bericht aus dem Jahr 1492. Papst Innozenz, der VIII., soll das Blut von drei zehnjährigen Knaben bekommen haben. Weder die drei Jungen noch der Papst überlebten. Allerdings kann von Bluttransfusion - wie wir sie verstehen - keine Rede sein. Der Papst hatte das Blut getrunken.

Ähnliche Hinweise gibt es aus der Antike: Kranke Römer sollen an den Wunden von jungen, starken Gladiatoren gesaugt haben, die gerade erst in der Arena ihr Leben verloren hatten.

Blut zu trinken, um es zu ersetzen oder um gesund zu werden, das entsprach damals dem Stand der Medizin, erklärt Medizinhistoriker Prof. Dr. Florian Steger, der Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg:

Eine alte antike Vorstellung ist ja, dass dieses Blut aus Kochungsprozessen im Magen passiert. Und die mittlere Kochung lässt aus der Leber das Blut entstehen. Und dieses Blut geht dann nach außen weg.

Erst 1628, als man begriff, dass wir einen geschlossenen Blutkreislauf haben, war klar, dass Blut trinken nichts bringt. Es begann die Zeit der Experimente, bei denen man dann versucht hat, Tier zu Tier oder Tier zu Mensch-Transfusionen zu machen, die kläglich gescheitert sind.

Die Mediziner standen vor einem Rätsel. Sie hatten keine Ahnung, warum die meisten Transfusionen mit dem Tod endeten, obwohl man doch das Blut von den reinsten und unschuldigsten Geschöpfen spritzte. Meist kam das Blut von Lämmern. Der Leiter der Transfusionsmedizin im Halleschen Universitätsklinikum, Dr. Julian Hering, zitiert dazu den Halleschen Chirurgen Volkmann:

Es braucht drei Schafe zum Blut transfundieren. Eins, das es sich entnehmen lässt, ein zweites, das es sich transfundieren lässt und ein drittes, das transfundiert.

Auch Volkmann wusste noch nicht, warum das mit dem Lämmerblut nicht klappte oder selbst die Transfusion von Mensch zu Mensch nur selten funktionierte. Kurz nach seinem Tod wurden 1901 die Blutgruppen entdeckt. Moderne Laborausstattungen wie Mikroskope machten diese Erkenntnisse erst möglich. Jetzt konnte man plötzlich die Risiken einer Transfusion eingrenzen, aber die Blutgerinnung nicht stoppen. Alles musste extrem schnell gehen, erklärt Dr. Hering:

Das heißt, Spender und Patient lagen tatsächlich nebeneinander. Man hat in beide eine Nadel einpunktiert und hat zwischendrin eine handbetriebene Pumpe gehabt, um das Blut aus dem Spenderarm in den Patienten hineinzubekommen.

Jetzt kannte man die Blutgruppen, hatte bessere Nadeln - aber die Beteiligten an einer Blutspende waren durchaus mit der Antike vergleichbar, schildert Medizinhistoriker Prof. Dr. Florian Steger:

Wenn man eine frische Leiche hatte - also dass man Leichenblut nach 1900, kurz nachdem Karl Landsteiner 1901 die Blutgruppen beschrieben hat, eingesetzt hat.

Erst als man herausfand, dass Natriumcitrat die Blutgerinnung hemmt, konnte man Blut lagern. Die ersten Blutbanken in England und Amerika entstanden. Im zweiten Weltkrieg wurden Bluttransfusionen zum ersten Mal in großem Maßstab möglich.

Aktuell werden in Deutschland pro Jahr etwa vier Millionen Bluttransfusionen vorgenommen und jede dieser Behandlungen hat jeweils ein Spender möglich gemacht.

Der Weg des Blutes nach der Spende

Eine typische Blutspende läuft so ab: Höchstens 15 Minuten darf das Spenderblut in den Plastikbeutel laufen - länger nicht. Danach wäre die Gefahr zu groß, dass sich kleine Gerinnsel bilden. Dann kommt die Schwester, entfernt die Nadel und nimmt den Beutel ab. Und während Sie sich von der Spende erholen, bekommt auch ihr ehemaliges Blut eine Ruhepause von zwei Stunden, erklärt Dr. Julian Hering, Leiter der Transfusionsmedizin im Uniklinikum Halle:

Also es ist so, dass die Blutbeutel erstmal zwei Stunden lang in Ruhe gelassen werden müssen, damit die Zellen auch wieder zu sich kommen. Weil das ist ja doch ein Stress gewesen, dass sie durch eine Nadel kommen, sie kommen in einen Plastikbeutel, müssen dort in eine Lagerlösung rein. Also erstmal müssen die ein bisschen Ruhe haben.

Der beschriebene Stress hat die Oberfläche der Blutzellen verändert, und diese Oberfläche muss sich vor den bevorstehenden Arbeitsschritten wieder normalisieren. Denn das Blut kommt nicht einfach aus dem Beutel gleich wieder in den nächsten Patienten, der das Blut braucht. Das Blut kommt nach den zwei Stunden in eine Zentrifuge, um dort in die drei Bestandteile zerlegt zu werden, die man braucht: in die roten Blutkörperchen, in die Blutplättchen und das Plasma.

Außerdem werden noch die weißen Blutkörperchen herausgefiltert. Die braucht man nicht. Die provozieren nämlich Abwehrreaktionen beim Empfänger. Aus einer Blutspende sind also drei Beutel geworden. Die jeweils unterschiedlich gelagert werden, um die einzelnen Bestandteile so lange wie möglich haltbar zu machen. Wer sich wie und wo am wohlsten fühlt, beschreibt Dr. Julian Hering so:

Die roten Blutkörperchen, die mögen es ein bisschen kälter und die Blutplättchen, die möchten es halt bei 20 Grad haben und auch geschaukelt werden, das Plasma wird tiefgefroren.

Die gespendeten Blutbestandteile befinden sich nun also in Tiefkühlschränken, vier Grad kalten Kühlräumen oder Warmhalteschränken mit Schaukelfunktion. Trotz optimaler Bedingungen gibt es aber auch Verfallsdaten:

Also die roten Blutkörperchen, die bei vier Grad gelagert werden, die können bei uns 42 Tage ausgegeben werden. Die Blutplättchen, die die Wärme benötigen, die können wir grade mal fünf Tage weiterbenutzen und das Plasma, was tiefgefroren ist, das kann zwei Jahre bei uns lagern bis es zum Patienten kommt.

An vielen der etwa 300 Blutbeutel in der Blutbank des Uniklinikums Halle befinden sich schon Zettel mit den Namen der Patienten, die diese Blutpräparate bekommen. Wenn die Zeit bleibt, wird vorher mit wenigen Tropfen getestet, ob Spenderblut und das des Empfängers zueinander passen. 

Und dann ist der spannende Moment da, in dem sie zum Einsatz kommen. Dann werden die drei Beutel nicht wieder zusammengekippt, sondern jeder Patient bekommt nur den Blutbestandteil, den er braucht, erklärt Dr. Hering:

Wenn jemand einen Verkehrsunfall gehabt hat und der hat große blutende Wunden. Das wichtigste, was er braucht sind dann die Zellen, die den Sauerstoff in seinem Körper transportieren - also die roten Blutkörperchen. Dann gibt es Patienten, die Blutungskomplikationen haben, wo durch andere Behandlungen - z.B. Chemotherapien - bestimmte Zellen kaputt gemacht werden. Die brauchen primär die Blutplättchen, damit es eben nicht zu den Blutungen kommt. Und genauso ist es mit dem Plasma. Das Plasma ist ja eine flüssige Substanz, in der primär Eiweiße drin sind, die für die Gerinnung verantwortlich sind, so dass man also auch wenn ein Patient starke Blutungen hat, dieses Plasma den Patienten gibt.

Etwa 300 Blutkonserven lagern ständig im Uniklinikum Halle. Es kann vorkommen, dass nach einem Unfall etwa 50 davon für einen einzigen Schwerverletzten gebraucht werden. Und dann beginnt der beschriebene Kreislauf unseres Blutes - um das Depot nachzufüllen - von Neuem.

Die moderne Sicht auf den Saft des Lebens

Seit es Menschen gibt, macht man sich Gedanken über das Blut. Obwohl man früher nur wenig über seine Funktion wusste, war klar - es ist der Saft des Lebens. Blutsbrüderschaften wurden geschlossen, enge Familienbande wurden mit Blutsverwandtschaft bezeichnet.

Erst mit der modernen Wissenschaft begannen sich die Geheimnisse um das Blut zu lüften. Die Blutgruppen wurden entdeckt, man begriff, dass das Blut Sauerstoff und Nährstoffe transportiert, dass es Wunden schließt.

Erst seit Anfang des 17. Jahrhunderts wissen wir, wie dass das Herz unser Blut durch einen geschlossenen Kreislauf pumpt. Erst 1901 wurden die Blutgruppen entdeckt. Seitdem ist eine Bluttransfusion relativ zuverlässig möglich. Denn diese Einteilung in die Blutgruppen ist sehr, sehr grob, wie wir heute wissen. In den 40-er Jahren wurde der Rhesus-Faktor entdeckt, der die Blutgruppen nochmal unterteilt. Und heute wissen wir: Jedes Blut ist einzigartig.

Immer wieder werden neue Merkmale entdeckt, so dass Mediziner von Blutgruppensystemen sprechen, erklärt Dr. Julian Hering, Leiter der Transfusionsmedizin am Uniklinikum in Halle:

Mittlerweile ist es ja so, dass man ganz, ganz viele Blutgruppensystem kennt, also mehrere hundert Systeme, die aus einzelnen Merkmalen zusammengesetzt sind.

So ist es auch zu erklären, warum es trotz Blutgruppenübereinstimmung auch zu Abstoßungsreaktionen kommen kann, genauso wie wenn man eine Niere oder ein Herz transplantiert. 

Wir können nicht auf alle diese Merkmale testen, dann werden wir nie fertig. Dann würden wir auch nie eine Konserve finden. Es gibt natürlich bestimmte Blutgruppenmerkmale aus Systemen, aus denen man aus der Erfahrung heraus weiß, die machen häufiger eine Transfusionsreaktion, eine Abstoßungsreaktion, so dass wir aus einem Spektrum an mehreren Blutgruppensystemen und Merkmalen, dann immer auswählen können, was ist für den Patienten dann im Moment die beste Konserve.

Das bedeutet für die moderne Medizin zweierlei. Man weiß, dass das Blut jedes Menschen - jenseits der Blutgruppen - einzigartig ist und eine Bluttransfusion ähnlich zu sehen ist, wie eine Organspende. Und es bedeutet, dass vor jeder planbaren Bluttransfusion im Reagenzglas getestet wird, ob zwischen Spender- und Empfänger-Blut eine akute Reaktion auszuschließen ist.

Um potentielle Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, um die Abhängigkeit von Blutspenden zu reduzieren, um die kurzen Haltbarkeitsfristen von Blutpräparaten zu umgehen, wird weltweit nach einem universellen Blutersatz gesucht. Aber das ist eben gar nicht so einfach, weiß Dr. Julian Hering:

Das Blut hat ja ganz, ganz viele Aufgaben unterschiedlichster Art und so eine Substanz kann die ganzen Kleinigkeiten alle gar nicht nachbilden. Das ist auch das große Dilemma!

Eine Eigenschaft des Blutes kann man aber schon mit einem Medikament nachbilden. Nämlich den Sauerstofftransport. Eine der wichtigsten Eigenschaft, die man nach einem Unfall mit hohem Blutverlust unbedingt ausgleichen muss. 

Solche künstlichen Sauerstoffträger, die gibt es tatsächlich. Aber man kann zum einen nicht den Wirkungsgrad wie bei normalen Blutkonserven bekommen und das zweite ist, diese Substanzen sind für den Körper hoch giftig. Das heißt, man ist da sehr limitiert auf die Gabe von zwei, drei oder vier Arzneimitteläquivalenten, die einer Konserve entsprechen und häufig braucht ein Patient in einer Notfallsituation dann doch mehr.

Diese neuen Substanzen sind allgemein noch nicht zugelassen, dafür sind sie noch nicht ausgereift genug. Im Moment werden sie nur vom US-Militär für die Behandlung von verwundeten Soldaten genutzt. Beispielsweise in abgelegenen Feldlazaretten, wo es keine geeigneten Lagermöglichkeiten für konventionelle Blutkonserven gibt.  

Die Risiken der Bluttransfusion

Bluttransfusionen retten Leben. Hätten wir diese Möglichkeit nicht, wären viele Unfallopfer oder Krebspatienten dem Tode geweiht. Diese Behandlungsmethode ist ein Segen der modernen Medizin.

Allerdings birgt sie auch Risiken, die man erst jetzt erkennt. Viele Mediziner gehen heutzutage zurückhaltender mit Bluttransfusionen um als noch vor Jahren. Die Gefahr, sich mit einer Bluttransfusion eine Infektionskrankheit zu holen wie AIDS oder Hepatitis ist in Deutschland zwar extrem gering. Die Gefahren lauern heutzutage woanders und kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Eine Fehlerquelle ist die Hektik und die Belastung auf den Stationen sagt der Leiter der Transfusionsmedizin im Uniklinikum Halle Dr. Julian Hering:

Das größere Risiko heute ist, dass zum Beispiel Konserven verwechselt werden. Auch da sind es natürlich immer nur Einzelbeispiele aber man muss wissen, dass das heutzutage von der Größe eines Risikos die gleiche Bedeutung hat, wie es früher die Infektionskrankheiten hatten.

Und wir erkennen immer mehr Unwägbarkeiten bei der Gabe von Fremdblut. Denn die grobe Einteilung in Blutgruppen stammt aus dem Jahre 1901. Mittlerweile wissen wir, dass hinter den Blutgruppen über 100 verschiedene Varianten stecken, die unmöglich alle bei einer Transfusion beachtet werden können, sagt Prof. Michael Bucher, Chef der Intensivmedizin am Uniklinikum Halle:

Es werden fremde Zellen verabreicht, die das Immunsystem beschäftigen und zwar in einer Phase, in der es dem Körper ohnehin schlecht geht.

Eine Bluttransfusion wird mittlerweile mit einer kleinen Organtransplantation verglichen. Abstoßungsreaktionen kommen vor, Operationswunden heilen schlechter, die Infektionshäufigkeit steigt, es treten häufiger Wund- und Lungenentzündungen und Nierenversagen auf. Bei bestimmten Tumoren erhöht sich nach Fremdblutgabe die Metastasierung, bei Herzinfarktpatienten treten doppelt so häufig Folgeinfarkte auf. Das alles wird in Verbindung mit Bluttransfusionen gebracht, sagt Prof. Bucher. 

Man geht davon aus, dass in Deutschland jährlich bis zu 25.000 vermeidbare Todesfälle auftreten, die in Zusammenhang stehen mit einer Bluttransfusion.

Unfallopfer beispielsweise, die innerhalb kürzester Zeit mehrere Blutkonzentrate meist von vielen unterschiedlichen Spendern bekommen müssen, sterben durch die Reaktion ihres Körpers auf die Blutkonserven: Dieses Multiorganversagen, dass dann auftritt, ist häufig auch transfusions-assoziiert. Es gibt auch Begriffe dafür: Transfusionsassoziiertes Lungenversagen!

Deshalb wird heute - anders noch als vor einigen Jahren - sehr sensibel mit einer Fremdblutgabe umgegangen. Sogenanntes Wund-Blut wird bei Operationen - sofern keine Infektionen vorhanden sind - eingefangen, gesammelt, gereinigt und dem Patienten dann wieder zurückgegeben. Prof. Bucher warnt aber davor, die Risiken einer Fremdblutspende in den Fokus zu rücken. Man sollte sie kennen und damit angemessen umgehen, sagt Prof. Bucher:   

Es gibt auch Studienergebnisse, die das Gegenteil zeigen zum Beispiel, dass ein zu wenig an Transfusion auch die Sterblichkeit erhöht.

Das Konzept der Eigenblutspende vor Operationen wird übrigens kaum noch praktiziert. Zum einen schwächt man damit Patienten vor operativen Eingriffen und es hätte sich oft genug gezeigt, dass dieses Blut dann nicht benötigt wurde.

Wer darf Blut spenden?

Das gesamte Blut, das in deutschen Operationsälen und Rettungshubschraubern gebraucht wird, stammt nur von 3-4% der Bevölkerung. Nur so viel gehen wirklich zur Blutspende, sagt Friedrich Ernst Düppe, Sprecher des DRK Blutspendedienstes u.a. für Thüringen und Sachsen Anhalt:   

Es gibt Umfragen, die besagen, dass etwa 60 bis 70% zur Blutspende bereit sind. Tatsächlich spenden etwa nur 3 bis 4% der Menschen Blut. Diese Diskrepanz versuchen wir aufzubrechen. Wir brauchen rein rechnerisch 5-6%, um eine gleichmäßig ausreichende Versorgung zu gewährleisten.

Aber Spendewillige zu aktivieren ist gar nicht so einfach. Selbst für Menschen, die Blut spenden wollen, ist das oft nicht möglich. Denn die Kriterien, wer für eine Blutspende zugelassen wird, sind streng, weil bei allen Maßnahmen das oberste Gebot ist: Die Sicherheit von Spender und Empfänger, so Dr. Susanne Stöcker vom Paul Ehrlich Institut. Dieses Institut legt die Regeln fest, wer spenden darf und wer nicht.

Größtmögliche Sicherheit der Blutkonserven führt dazu, dass Schwule nicht spenden dürfen, Menschen, die Sextourismus betreiben, Menschen, die häufig ihre Sexualpartner wechseln oder Männer, die ins Bordell gehen. Damit will man verhindern, dass HIV-Infiziertes Blut gespendet wird. Schwule empfinden das als Diskriminierung und protestieren scharf gegen diese Regelung. Doch das Paul Ehrlich Institut und die Blutspendedienste verteidigen die Vorgehensweise vehement. Sicherheit geht vor, sagt auch Friedrich Ernst Düppe, Sprecher des DRK Blutspendedienstes für Thüringen und Sachsen Anhalt:   

Wir müssen mit unseren Testverfahren, die heute sehr gut sind, trotzdem konstatieren, dass wir bei einer frischen Infektion immer noch eine Dunkelphase haben. Zum Beispiel bei HIV, da ist eine Dunkelphase zwischen 11 und 15 Tage nach der Infektion. Da können wir testen soviel wir wollen, da finden wir nix.

Spender mit potentiell gefährlichen sexuellen Neigungen - was die Sicherheit von Blutspenden betrifft, versucht man mit Fragebögen herauszufiltern. Diese Verfahrensweise hat Schwächen. Denn welcher Spender geht zur Blutspende, um sich zu outen. Die Blutspendedienste wissen, dass Formulare auch falsch ausgefüllt werden - manchmal mit verheerenden Konsequenzen: 

6 mal sind Patienten mit HIV infiziert worden. Und die Behörde hat verlautbaren lassen - die können das an Hand der Unterlagen herausfinden: Alle diese 6 Fälle hätten nicht passieren müssen, wenn sich die Spendewilligen ehrlich im Fragebogen geoutet hätten.

Deshalb versucht man auch noch mit einem "Fragebogen Danach" an das Gewissen der Spender zu appellieren, erklärt Marion Junghans vom privaten Blutspendedienst Haema:

Da wird man nochmal gefragt: Sind sie sich wirklich sicher, dass ihre Spende für einen kranken Patienten verwendet werden darf? Und da kann man ankreuzen Ja/Nein.

Wer Nein ankreuzt, darf bei dem jeweiligen Blutspendedienst lebenslang kein Blut mehr spenden. Auch Menschen, die zwischen 1980 und 1996 in Großbritannien gelebt haben, sind für immer von Blutspenden ausgeschlossen. Da könnte eine Übertragung der neuen Variante der Creutzfeld Jacob Krankheit möglich sein - auch damals in den Medien als Rinderwahnsinn bezeichnet.

Wer sich ein Tatoo stechen lassen hat, ein Ohrloch oder ein Piercing darf 4 Monate danach nicht zur Blutspende. Die Liste der Ausschlußkriterien ist lang und dient allein unserer Sicherheit. Dabei geht es nicht nur um die Kranken, die das Blut brauchen, sondern auch um die Sicherheit der Spender, so Dr. Susanne Stöcker vom Paul Ehrlich Institut:

Das führt zum Beispiel dazu, dass Menschen, die unter 50 kg wiegen nicht spenden dürfen. Weil sie das körperlich vielleicht nicht verkraften würden. Und es gibt auch eine Altersbegrenzung, die liegt aktuell bei 18 bis 68 Jahren.

Rollstuhlfahrer dürfen bspw. nicht spenden, weil der Arm nach der Spende nicht belastet werden darf. Manche Blutspendedienste schließen Behinderte wie Blinde oder Gehörlose von der Spende aus, weil Aufklärung und Belehrung zu aufwendig sind. Mit diesen vielen Ausschlussklauseln kommen schätzungsweise nur 30% der Deutschen für die Blutspende in Frage, sagt Marion Junghans von der Haema und ihr fallen gleich noch weitere Ausnahmen ein:

Frauen, die ein Kind bekommen haben oder die stillen, dürfen nicht spenden. Also es sind ganz viele Menschen, die von der Spende ausgeschlossen sind. Und so kommt man auf man darauf: 1/3 der Bevölkerung ist spendefähig.

Und so kommt es gar nicht so selten vor, dass Menschen, die spenden wollen und sogar schon beim Blutspendetermin sitzen, wieder gehen müssen:

Also wir haben eine Erfahrung und die ist seit vielen Jahren konstant, dass wir etwa 10% der Spendewilligen, die zu einem Termin zum Roten Kreuz kommen wegen der vorhin diskutierten Ausschlußkriterien zurückweisen müssen.

Diese Ausschlusskriterien sollen aber nicht von einer Blutspende abhalten - im Gegenteil. Sie sollen zeigen, wie verantwortungsvoll und sicher Blutspende in Deutschland praktiziert wird. Fakt ist: Vor allem junge, gesunde Menschen sind es, die von den Blutspendediensten dringend gesucht werden. 

Über dieses Thema berichtete MDR JUMP im Radio | 220.02.2017 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2017, 16:44 Uhr